Sprich dich aus: Können virtuelle Instrumente echte ersetzen?

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Sprich dich aus

Sprich dich aus! Und zwar jeden Donnerstag mit verschiedensten Themen rund um Musik und Musikproduktion.

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Frische Klänge aus der Dose?

Einst wurde im Feedback zu einem früheren Artikel unserer Reihe »Sprich dich aus« erwähnt, dass es noch keine vernünftige Saxophon-Library auf dem Markt gibt. Generell kann ich mir gut vorstellen, dass die ungeheure breite Palette expressiver Möglichkeiten von Blasinstrumenten sehr schwer zu virtualisieren ist.

Bei anderen Instrumententypen ist man schon weiter – Pianos sind naturgemäß leichter nachzubilden, was sich mittlerweile in verblüffend authentisch klingenden Libraries oder gar rein algorithmischen Emulationen (per Physyical Modeling) niederschlägt.

Jetzt bist Du gefragt …

Welche Plugins bzw. welche Standalone-Software zur Nachbildung von Instrumenten überzeugt dich besonders? Machen sie in deinen Produktionen Aufnahmen der entsprechenden echten Instrumente zu einem erheblichen Teil oder gar komplett überflüssig?

Was mich und meine klanglichen Vorlieben angeht, kann ich lediglich Erfahrungen mit virtuellen Synthies beisteuern – Plugins wie der Admiral Quality Poly-Ana oder der u-he Diva machen für mich rein klanglich gesehen echte Synthesizer obsolet. Die Haptik und der Workflow sind wieder ein ganz anderes Thema, das ich an dieser Stelle mal ausklammern möchte …

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Lesermeinungen (32)

zu 'Sprich dich aus: Können virtuelle Instrumente echte ersetzen?'

  • Alex 28   07. Aug 2014   10:33 UhrAntworten

    Hallo,

    wenn ich für mich, die Palette einmal passieren lasse, so komme ich dahin zu sagen, dass eigendlich nur Synthesizer und Pianos, eventuell noch Drums authentisch nachgebildet werden können um sie im Vordergrund eines mixes platzieren zu können.

    Darum arbeite ich, wenn ich rein im Rechner arbeite auch mit verschiedenen Libraries um die Stärken der jeweiligen herauszukitzeln.

    Auf der anderen Seite, spricht für mich aber generell nichts dagegen, einer echt eingespielten Gitarre, eine Virtuelle, für gewisse Nuancen an die Seite zu stellen.

    Gleiches finde ich kann man auch für andere Instrumente machen. Z.b. mache ich es bei Quartetten ganz gerne, dass ich zwei Violinen Live einspielen lasse um die Performance zu haben und dann zwei, mit einer etwas anderen Performance von einen Library nehme. Das führt oft zu sehr interessanten, guten ergebnissen.

  • Skellington   07. Aug 2014   17:13 UhrAntworten

    "Es kommt immer darauf an" – nicht wahr?

    Es kommt darauf an, was man machen will. Drums in einer straighten Pop-Nummer kann man hervorragend mit Samples realisieren. Ob das, was man dann da spielt (oder den "Groove Agent" zaubern lässt), so meisterhaft und geschmackvoll ist, ist dann wiederum eine andere Frage.

    Viele Sample-Libraries sind klanglich natürlich sowieso besser als das meiste, was man als Homerecorder realistischerweise aufgenommen kriegt, ganz zu schweigen von dem hohen Aufwand, den es bedeutet, zB echte Streicher aufzunehmen (erst einmal alles detailliert notieren…).

    Aber sobald man sich auf Terrain wagt, wo die Vielfalt von Phrasierungen und Klangvariationen auf echten Instrumenten eine Rolle spielt, werden Samples nur solange gut klingen, bis man das ganze mal kritisch mit echten Aufnahmen vergleicht. Dazu kommt noch die Transparenz und "Luft", die eine echte Orchesteraufnahme hat. Das gilt wohlgemerkt für den – für viele nur fiktiven – Fall, dass man das selbe logistisch und finanziell mit echten Instrumenten realisieren könnte.

    Ich selbst habe derzeit eine Phase, in der mich die ganzen tollen Möglichkeiten der digitalen Libraries gar nicht so sehr interessieren, mir zB die (realistische) Drums-Programmierung viel zu umständlich ist und ich am liebsten nur mit echten Musikern arbeiten würde.

    Wenn man (zu) viel auf der virtuellen Ebene gearbeitet hat, stellt sich irgendwann eine Übersättigung ein, und auch kreativ tritt man irgendwie auf der Stelle. Das geht zumindest mir gerade so. Wenn ich am Klavier sitze, ist das ganz anders. Das hat klangliche Gründe (echter Instrumentenklang ist einfach lebendiger und detaillierter), und dann liegt es auch an der Direktheit des Zugriffs – kein Starten, kein langwieriges Laden, keine Hemmschwelle.

    Summa Summarum kann man natürlich auf virtueller Ebene schon gute Sachen machen, das kommt aber wie gesagt darauf an, was man vorhat und was man als Vergleich heranzieht. Nachdem allerdings vieles "da draußen" sowieso schon virtuell ist, haben manche vielleicht gar nicht so richtig den Vergleich. Ich finde es jedenfalls grundsätzlich auch schöner, wenn echte Menschen zusammen Musik machen.

  • Condor   08. Aug 2014   08:59 UhrAntworten

    Ja es ist auch schöner in Gottes freier Natur durch die Gegend zu laufen und alles zu genießen.
    Trotzdem wirst Du aber Dein Auto nicht missen wollen, weil es Dir Möglichkeiten eröffnet, die Du sonst nicht bewerksteligen könntest.

    Es wird Virtuelle Instrumente geben, die immer realistischer klingen. Wenn ich da an die Anfänge denke, und dann was da heute Möglich ist.
    Vielleicht soll es ja garnicht so realistisch klingen.

    Wenn ich da so dran denke was da alles mit Effekten gezaubert wird beim Mischen und Mastern, dann hat das mit der realität auch schon längst nichts mehr zu tun.
    Einem ganz normalen Hörer dürfte es auch vollkomme egal sein, ob da die dritte Gitarre von rechts virtual oder original aufgenommen ist, oder daß der Saxophonist eigentlich schon tot wäre, weil er solange gar nicht die Luft anhalten kann, wenn er hätte das live gespielt.
    Wer achtet denn auf sowas? Das sind doch nur wir, ein Häufchen verrückter Ethusiasten, die den Lauf der Dinge eh nicht aufhalten werden. Ich finde die Erfindung der Virtuellen Instrumente Welt ist gleich zu setzen in etwa mit der Buchdrucker Kunst.

    Liebe Grüße Condor

    • Skellington   08. Aug 2014   10:50 UhrAntworten

      @ Condor: Es ist einfach meine persönliche Empfindung / Erfahrung, dass diese ganze virtuelle Musiktechnologie (sowie auch der Umgang mit Computern an sich – stundenlanges Starren auf einen Bildschirm…) mit der Zeit ermüdet. Ich sage nicht, dass VI in der Praxis nicht funktionieren oder nicht eingesetzt werden (dürfen).

      Du hast Recht: der sog. Durchschnittshörer "merkt das nicht". Er merkt auch nicht, wenn die "Musik", die ihm da verkauft wird, industrielle, seelenlose, hochoptimierte Massenware ist. Damit sind wir wieder bei der klassischen Frage, ob Popularität und Verkaufszahlen "Wahrheit" reflektieren.

      Alles, wohlgemerkt, die persönliche Meinung eines "verrückten Enthusiasten"; aber ich weiß, dass es noch mehr von meiner Sorte gibt. Es gibt schließlich (zum Glück) auch immer noch Leute, die akustische Instrumente bauen und spielen – überflüssiges Handwerk? Ich glaube nicht!

      Wer es sich leisten kann, wird im Zweifelsfall in 9 von 10 Fällen nach wie vor echte Instrumente einsetzen. Es sei denn, er merkt selber den Unterschied nicht bzw. setzt VI bewusst in einer wirklich kreativen Weise ein.

  • Stefan   08. Aug 2014   11:38 UhrAntworten

    Meiner Erfahrung nach können normalerweise nur Musiker oder Musikproduzenten im Kontext eines Songs erkennen, dass ein virtuelles Instrument eingesetzt wird – und auch da oft nur, wenn sie es wissen oder darauf achten. Vorausgesetzt, es wird ein Plugin auf dem aktuellen technischen Stand eingesetzt und der Produzent versteht es mit MIDI-Automation umzugehen. Bei Synths, Drums, Pianos, Streichern und etwas eingeschränkt bei Gitarren ist das auf jeden Fall so. Und selbst bei Blasinstrumenten gibt es dermaßen ausgereifte Plugins von Sample Modeling, 8Dio oder Wallander Instruments, da wird der Normalkonsument keinen Unterschied bemerken. Sicher stehen längst nicht alle Artikulationen zur Verfügung, aber das weiss auch nur der Produzent.
    Besser und natürlicher sind selbstverständlich immer echte Musiker – wenn sie gut sind und auf solche Studiomusiker haben Produzenten im Homestudio eigentlich nie Zugriff. Also kommt es darauf an, aus den eingeschränkten Möglichkeiten der virtuellen Instrumente etwas zurechtzubasteln, dass die Frage ob das nun echt ist oder nicht bei den Konsumenten der Musik nicht aufkommen lässt. Das ist Teil der (Handwerks-) Kunst.

  • Condor   08. Aug 2014   12:02 UhrAntworten

    Es muß sie ja auch geben die Instrumentenbauer und Live Spieler, und wird sie auch immer geben. Ich hoffe es mal.

    Natürlich ist das Original Musizieren in der Gemeinschaft eine schöne Sache, die nicht durch ein virtuales Kämmerchen zu ersetzen ist.

    Ich finde es abe eine unwahrscheinliche Bereicherung für die Menschheit, daß jetzt quasi jeder der es möchte zu Hause seine eigene Musik machen kann, und in einer hervorragenden Qualität auch aufnehmen kann.

    Es war vor Jahren noch ein Privileg von relativ wenigen, die diese Unmengen Summen von Geld aufbringen konnten und die Preise ins unermessliche trieben.

    Das ist jetzt gewissermaßen die Quittung dafür.

    Und das ist gut so.

    LG Condor

    • Skellington   08. Aug 2014   12:36 UhrAntworten

      Die interessante Beobachtung dabei ist allerdings, dass trotz der technologischen Explosion und der damit einhergehenden sog. "Demokratisierung" der Musikproduktion die Relevanz und Tiefe der produzierten Musik überhaupt nicht zugenommen hat.

      Das hat einfach auch damit zu tun, dass es nicht mehr so viel Neuland zu beackern gibt.

      Wie groß die Bereicherung durch die Technologie letzten Endes prinzipiell überhaupt sein kann, ist sowieso eine ganz andere Frage. Es ist ja letzten Endes nicht die Technologie, die etwas "macht", sondern die Menschen, die die Technologie benutzen.

      Wenn man sich z.B. anhört, was eine ganze neue Generation von Game- und Filmkomponisten auf ihren Websites an Demos anbietet, kann man zwar sagen, dass das natürlich klanglich auf höchstem (quasi Hollywood-) Niveau ist; aber innovativ oder überhaupt irgendwie musikalisch interessant ist davon das allerwenigste. Da hat die Technologie einfach mehr Leute in die Lage versetzt, Klischees (z.B. von Hans Zimmer) zu kopieren, aber ursächlich "bereichert" hat sie gar nichts.

      Wir befinden uns heute in einer paradoxen Situation: auf der einen Seite kann man mit immer weniger technischen und finanziellen MItteln alles mögliche realisieren; auf der anderen Seite ist alles so schnelllebig und inflationär geworden, dass nach wie vor das allermeiste, das produziert wird, vom Sand der Geschichte verschüttet wird. Der Markt ist einfach nicht im gleichen Maße gewachsen wie der vermeintlich "kreative" Output von Millionen von Leuten, die alle irgendwie Musik machen und "Producer" sind.

      Wohlgemerkt: jeder soll das machen, was er will und was ihm Spaß macht; aber wir haben im Durchschnitt heute keine "bessere Musik", nur weil wir bessere Tools haben. Es ist nur alles effizienter geworden. Wirklich profitieren tun davon nur die, die richtig Geld verdienen. Für alle anderen ist es ein mitunter ziemlich teures Hobby.

  • Beatpresse   08. Aug 2014   16:03 UhrAntworten

    Allgemein gesagt: Ja, "analoge" Instrumente können durch virtuelle ersetzt werden. MusikerIn bzw. InstrumentalistenIn nicht. Jede(r) muss die MPC, Maschine ect., Effekte, den Kram seines/ihres Vertrauens beherrschen - um effektiv und kreativ arbeiten zu können. "Handwerk maximiert Talent" daran glaube ich fest.

    Virtuelle Instrumente haben den Vorteil, neben dem niedrigen Preis, Sounds zugänglich zu machen für die man sich vor ein paar Jahren noch halbtot hätte üben müssen. Und von diesem Ausgangsmaterial aus kann heute jeder Musiker, jede Musikerin in nahezu unendliche Klangweiten vordringen.

    Entgegen anderer Einträge, finde ich, haben die virtuellen Tools die Musik und die kreativen Spielräume enorm erweitert und eine neue Generation Musiker und Musikerinnen hervorgebracht. Ich kann mir gut vorstellen, dass irgendwann keine Instrumente mehr aus Holz gefertigt werden und nur noch ein Greis, eine Greisin auf dem Marktplatz die Gitarre zupft, während wir Beatmaker der neuen Generaion, Flaschen aus dem Müll fischen.

    Zu jeder Zeit gab es Musik oder Künstler und Künstlerinnen die nicht beachtet wurden, von der Masse. Da Geschmack immer im Wandel ist, finde ich, kann man die Qualität besonders die esoterische Tiefe eines Stücks schlecht bestimmen. Bei Beatpresse etwa verwenden wir keine Presets oder vorgefertigten Loops um nicht zu sehr im Zeitgeist hängen zu bleiben. Und ich finde, das Musikmachen besonders virtuell, eines der preiswertesten und schönsten Hobbies ist. Und Geld kann man auch damit verdienen, wenn man will - nur reich werden, bleibt wie zu jeder Zeit, das Privileg weniger.

    Martin (Beatpresse)

  • P.Chris   11. Aug 2014   02:57 UhrAntworten

    Bis zu einem gewissen Grad können sie das sehr gut.
    Größtenteils im Verbund- als Orchestrierung im Arrangement, als Sektionen etc. kann ein sehr hohes Maß an Authentizität erreicht werden.

    Ab einem gewissen Grad, wo es um spezifische Virtuosität als frontales Soloinstrument geht- mit Ausnahme von größtenteils perkussiver Instrumente, haben viele spezifische Instrumente, wie o.g. Saxophon, jedoch noch zu eklatante Realismusschwächen im virtuosen Solo-Mode.

    Vieles hängt aber auch vom gekonnten Programming und Mapping ab, um virtuelle Sounds so realistisch wie möglich klingen zu lassen und generell braucht es Instrumentenkunde, um Instrumente realistisch spielen zu können, bzw. diese gekonnt zu inszenieren.

    Eine echte Bereicherung realistischer Sample-Libraries hinsichtlich Streicher, empfinde ich die NI "Session Strings".
    Warum ?
    Weil es bisher keine String-Library gab, dass das natürliche Gleiten/Portamento (Scoop) der Saiten so zu Emulieren vermochte und für einen sehr realistischen Streichersound/Ensemble DAS überhaupt Wichtigste ist.

    Die z.B. obligatorischen "James-Bond Filmmusiken" leben von mit Portamento gezogen gespielten Streichern.
    Über Midi-Controler bekam man meist nur recht synthetische
    Streicher hin.
    Mit Session Strings erhält man sehr authentisch klingendes "Gleitgel".
    In meinem Setup- ob nun Filmmusik oder schnöder Pop, sind diese Streicher definitiv nicht mehr wegzudenken !

    Generell hat sich im Bereich virtuell sinfonischer Orchester extrem viel gutes getan.
    Großzügig budgetierte Hollywood-Produktion lassen zunächst virtuell komponierte Orchester meist immer noch "in Echt" einspielen, aber oftmals werden auch die virtuellen "Cue`s" genommen.
    Das Gleiche gilt für Games-Musik, wohingegen hier mehr und mehr auf Grund der Kosten auf das echte Orchester verzichtet und VI-Compositions genommen werden.

    Wenngleich die (extrem teuren) "Vienna Instruments" hier einen exzellenten Ruf genießen, finde ich diese persönlich insgesamt jedoch viel zu weichgespült und gehört absolut nicht zu meinen Favoriten.
    Da steckt einfach keine Agressivität hinter den "Vienna Instruments".
    Ein Umstand, den ich so auch generell nicht an Orchester aus dem Lande Austria mag. Immer eine Spur zu sanftmütig.
    Für Walzer und Romantik unangefochten die Nr.1.
    Für "Gewalt" aber nicht wirklich brauchbar !

    Ich bevorzuge für heroisches und aggressives Orchester Tamm-Tamm ein amerikanisch klingendes Orchester, wie z.B. das virtuelle QL Symphonic Orchestra im Verbund mit dem etwas intimeren, europäisch klingenden virtuellen Siedlaczek "Complete Orchestral Selection" Orchester.
    Beim QL Orchester mag ich das Brachiale, bei Siedlaczek die intime Lebendigkeit.

    Bei Orchester ist aber nicht alleine das Wissen um Instrumentenkunde ausschlaggebend für realistische Ergebnisse, sondern viel mehr das Wissen um Akustik und respektive der Einsatz virtueller, separater Räume im Mix.
    Ein z.B. Waldhorn wirkt sich nun einmal völlig anders als eine Violine auf den (an sich gleichen) Raum aus.

    Mein Fazit:
    "Echtheit" ist einem nicht damit an die Hand gegeben, nur alleine um Spitzeninstrumente zu verfügen, sondern mit diesen in möglichst allen wichtigen Belangen wie eben auch Tonalität und Akustik auch umgehen, bzw. gekonnt einsetzen zu können !

  • Chris   11. Aug 2014   17:59 UhrAntworten

    Diva, Pianoteq, EastWest, das sind alles Hausnummern, wo ich sagen würde: "Ja, da hört kaum Jemand einen Unterschied im fertigen Stück." Ich produzieren ausschließlich mit DAW und Plugins und möchte mich nie wieder mich durch die Menus vom externer Hardware quälen müssen.

  • Wolfgang   23. Feb 2017   09:28 UhrAntworten

    Skellington hat's gesagt:

    "Da hat die Technologie einfach mehr Leute in die Lage versetzt, Klischees (z.B. von Hans Zimmer) zu kopieren, aber ursächlich "bereichert" hat sie gar nichts."

    Ist in anderen Bereichen wie z.B. Fotografie leider nicht anders. Die meisten Leute die ich kenne (und die fast alle die heute so genannten "Vollformat"- (also in Wirklichkeit Kleinbild-) Kameras haben machen damit nichts Anderes als immer wieder dieselben Models in immer wieder denselben "Posen" abzulichten. Noch eins und noch eins und noch eins. Toll. Wegwerfware, die natürlich alles zeigt, nur keine Menschen.

    Klar kann man heute "besser" klingen als damals ein Alan Parsons, und das nur wegen der Technik mit virtuellen Instrumenten oder gleich ganz digital (siehe die Zielgruppe(n) von Produkten wie Ableton).

    Will man das? Oder stellt man sich doch mit einer richtigen Violine hin und übt 10, 20 Jahre bis man annähernd so gut und interessant wird wie die die vorher schon da waren?

    Schwierige Frage. Aber die echte Violine (oder das Sax), von echten Menschen gespielt sorgt bei mir häufig für Gänsehaut - virtuell "gespielte" (oder programmierte) Sachen eher seltener. Aber ok; ich bin alt...

    • Skellington   23. Feb 2017   10:52 UhrAntworten

      @ Wolfgang: Danke für den Credit :)

      Es stellt sich natürlich immer die Frage des Vergleichs, den man (nicht) hat. Es gibt sicher viele "Spätgeborene", die gar nicht wissen, was ein akustisches Instrument eigentlich kann und die eintönige Adele- oder Game-of-Thrones-Celloversionen auf YouTube schon für den Gipfel der Ausdrucksmöglichkeiten halten.

      Wenn man so etwas mit der allgegenwärtigen Pop-Soße vergleicht, klingt es natürlich aufregend und wie "klassische" Musik. Wenn man es mit Rimsky-Korsakov vergleicht, hält man die 3 Minuten kaum wachen Auges durch.

      Das mit den vielen Fotografen beobachte ich auch. Ich habe den Eindruck, dass bahnbrechende Kreativität heute aufgrund der unüberschaubaren Menge an Output noch schwerer zu finden als früher (wenn sie überhaupt noch in gleichem Maße existiert).

  • Kalle Peng   23. Feb 2017   09:54 UhrAntworten

    Leider gehöre ich, in den 80er Jahren groß geworden, einer Technikaffinen Generation an, die tatsächlich dem Glauben verfallen war, das man üben, üben, üben durch den Computer ersetzen kann.
    Synth-Pop, NDW und New Wave... Dazu Statements wie: "Die Guitarre ist tot!"
    Dann kam Midi und Geräte wie Humaniser, die den straiten Takt wenigstens ein bisschen Menschlicher klingen lassen sollten...
    Ende der 80er, bis hinein in den Anfang der 90er gab es dann eine Welle aus P-Funk, Funk, Jazz. Musik, die auf der Bühne gelebt wird.
    Meine Begeisterung für diese Musik, deren Groove, Improvisation, Ausdruckskraft und die Virtuosität, mit der diese Instrumentalisten das letzte aus Ihren Instrumenten heraus geholt haben hat mir sehr schnell klar gemacht, das kein Virtuelles Instrument und kein Phisycal Modelling genau dass jemals wird nachbilden können.
    Ich bedauere es heute, auf den Computer als Krücke angewiesen zu sein und ich bewundere diejenigen, die Ihr Instrument wie einen dritten Arm beherrschen.
    Und noch etwas ist mir immer wichtiger geworden... Live Konzerte und Live Aufnahmen.
    Ein sauber gesampeltes Fender Rodes, oder eine Hammond Orgel kann ich mir einfach als Bibliothek kaufen... Aber die Tastensau, die voll abgeht, improvisiert und einfach über den Staub auf den Kontakten, den Wackelkontakt des 50 Jahre alten Instruments hinweggeht und mit dem Bassisten grooved und den Saxophonisten anfeuert, das macht das Instrument aus.
    Aus eigener Ernüchterung weiß ich, eine Taiko Trommel mit einem Trommelfell von 2 Meter Durchmesser kann man perfekt Sampeln, aber man kann sie nicht mehr natürlich klingend wiedergeben. Das ist eine körperliche Erfahrung, die echt reinhaut ;-)

    • Skellington   23. Feb 2017   11:16 UhrAntworten

      Als Kind und Heranwachsender fand ich alles cool, was elektronisch war (und beleuchtete Schalter hatte). Eine Geige hätte ich damals wahrscheinlich langgweilig gefunden.

      Im Lauf der Jahre habe ich immer mehr zu schätzen gelernt, was akustische Instrumente können. Sample-Libraries sind immer nur so gut wie ihre Detailliertheit, und Modeling-Emulationen treffen meist das Obertonspektrum nicht richtig und klingen deshalb immer etwas synthetisch.

      Ich habe gerade mit einer Geigerin geprobt (mit Streichern habe ich sonst nicht viel zu tun) und fand es beeindruckend, wie weich, rund und unaufdringlich das Instrument auf der einen Seite klingt und mit welch einer Leichtigkeit das Klangspektrum Richtung schillernder Obertöne variiert werden kann. Gleichzeitig ist die Klangentwicklung im Raum etwas, das man nur sehr schwer auf einer Aufnahme einfangen (geschweige denn mit virtuellen Instrumenten nachahmen) kann.

      Es kommt auf den Kontext an: Schlagzeug ist vielleicht noch am ehesten zu emulieren (wenn es einigermaßen straight sein soll). Eine halbwegs expressive Solo-Geige: Forget it ;)

  • oboe   23. Feb 2017   09:59 UhrAntworten

    Bei Samplitude ist "Independence" mit dabei, sowie diverse "Vita" Instrumente, die sämtlichst recht gut klingen. Zusätzlich habe ich mal günstig Sonivox geschossen, das kann von der Klangqualität aber nicht ansatzweise mithalten, es bietet lediglich zusätzliche Klangvariationen. Superiour Drummer habe ich auch noch.

    Vom Klang behaupte ich, könnte ich von ein paar Takten kaum einen Unterschied erkennen, da die Sampler in der Regel schon sehr ausgereift sind (Round Robin...), ABER zumindest ich kann damit nicht ansatzweise so expressiv spielen, wie ich es mit realen Instrumenten könnte. Da hilft weder ein Mod- und Pitch-Wheel und Anschlagdynamik oder ein Blaswandler. Und man darf sich nicht täuschen: der Mensch ist auf Mustererkennung programmiert und nimmt Nuancen sehr deutlich wahr! Wie bei einem gekachelten Bild, das sofort erkannt wird, erkennt man, wenn immer wieder das selbe Sample gespielt wird. Da hilft dann nur ein "verdecken" und "variieren", trotzdem ist "echt" immer variantenreicher. Bei ausproduzierter Musik kann ein Unterscheiden trotzdem schwierig sein, da häufig selbst bei Orchesteraufnahmen für Soundtracks mit Samples "gestützt" wird, um noch mehr Effekt zu erzielen. Somit ändert sich die Erwartungshaltung an "gute Aufnahmen".

    • Patrick   24. Feb 2017   00:02 UhrAntworten

      Hi! Dazu hab ich eine Frage: jetzt mal nicht selbst für mich, aber für einen Kollegen, der sich jetzt mal Samplitude Pro X3 geleistet hat: wie kriegen wir die Library ins Programm? Wir haben noch die Zusatz-DVDs mit den ityf-Dateien: aber was genau fangen wir damit an? Einfach alles auf die Festplatte kopieren? Wenn ja, wohin damit? - Und wie geht's dann weiter? Wie gesagt: was die Library angeht, bin ich wirklich noch etwas unerfahren. Mir kam's mal darauf an, die so genannten Bandmaschinen-Skills des Programms zu perfektionieren, da hab ich alles, was mit MIDI und Library zu tun hat mal bei der Prioritätenliste ganz nach hinten verschoben. Jetzt aber - weil der Kollege mich schon gefragt hat, wie er damit umgehen muss - bräuchte ich ein wenig Hilfe. :-) LG Patrick

      • oboe   06. Mrz 2017   07:40 Uhr

        Moin Patrick,

        Du meinst vermutlich die Library von Independence? Die beigelegten CDs enthalten einen Installer, der artig alle YTIFs in einen vordefinierten Ordner kopiert. Leichter geht es mit dem zum Download-findbaren Library, da man dann weniger DJ spielen muss.

        Bei mir ist es so, dass ich die "großen" Dateien auf einem Raid auslager. Es ist dabei völlig egal, wo man es hinkopiert, es muss nur die Ordnung mit den Unterordnern beibehalten.

        In Independence selbst kann man die "Homeordner" festlegen, wo die Bibliothek hingespielt wurde, et voila: dann kann man auch mehr, als nur Piano spielen ;-)

  • Heiko Terla   23. Feb 2017   11:46 UhrAntworten

    Ich nutze Alchemy in Logic, Arturia V Collection, Rob Papen Blue, Spire, Taurus ... usw ... der Klang ist überzeugend, das Handling für einen Profi auf der Bühne wohl schlecht und anfällig für Störungen. Für den Heim- und Hobbybereich eine sehr schöne und kreativ nutzbare Alternative zu den teuren Hardware Geräten. Aber mein Herz schlägt für einen Moog Voyager mit Gehäuse aus Esche, oder Eiche ... ;-)

  • Ulrich Bergmann   23. Feb 2017   12:03 UhrAntworten

    Virtuelle Instumente sind besser geworden. Letztlich kommt es aber auf die Erwartungshaltung des Konsumenten an bzw auf die Stilistik. Wird schwer Dubstep oder generell elektronische Musik mit echten Instrumenten zu besetzten. Im Bereich der editierten Musik die mit Quantisiertung in Verbindung gebracht wird fühlen sich virtuelle Instrumente sicher wohl.
    Auch sind sehr praktisch für die Leute die "handgemachte" Musik machen im kreativen Prozess oder der Post-Produktion im Bedroom Studio.
    Im Bereich der Handgemachten Musik wie Jazz, Blues, Rock, Metal uA sind sie sicher fehl am Platze wenn eine noch "lebendige" und "emotinale" Komponente im Spiel sein soll.
    Als Kreativtool und als erweiterung von Kländen manchmal aber brauchbar.
    Es gibt also keine eindeutige Antwort.
    Ich gebe jedoch zu bedenken das alte Hasen wie Mike Oldfiend die all ihre Geräte mal gegen transportfreundlichere virtuelle Instrumente austauschte...nun wieder viel geld ausgibt sich die "echten" klangerzeuger wieder anzuschaffen. Das in modernen Danceproduktionen auch "echte" Schlagzeuge und Klangerzeuger immer mehr gefragt sind um dem Einheitsklang zu entfliehen und kreativer Arbeiten zu können.
    Weil das haben virtuelle Instrumente als größten Nachteil, die Haptik! Über eine Miditastatur fühlt sich jedes virtuelle Instrument gleich an was ich bei Tasteninstrumenten als großen Nachteil empfinde. Es klingt zwar schon recht ähnlich wie das echte instrument, es sieht aber nicht so aus und fühlt sich garnicht so an.

  • Asmussen Fips   23. Feb 2017   12:13 UhrAntworten

    Nicht alle jedoch viel! Ich bin mit NI Kontakt super zufrieden!

  • Florian Graf   23. Feb 2017   12:23 UhrAntworten

    Für Folk,Medieval und Klassik zu Übungszwecken geeignet - mache mir gerne mal ein Playback mit Finale. Eine organische Agogik aus dem Moment heraus ist damit aber unmöglich. eine Maschine kann halt auch kein musikalisches Gespür/Gefühl entwickeln.

  • La Terné   23. Feb 2017   12:39 UhrAntworten

    Ja und nein, ich finde beides hat seine daseins berechtigung. Klanglich stehen gut gemachte virtuelle Instrument den echten absolut nicht mehr nach. In vielen Situationen bietet sie auch enorme Vorteile, das arbeiten damit ist einfach wesentlich schneller und vorallem auch günstiger und somit auch für kreative Menschen mit kleinem Geldbeutel möglich. Aber natürlich ist es immernoch ein besonderes Gefühl ein Instrument zu spielen. Es kommt einfach darauf an was man machen will, im Studio z.B. ziehe ich virtuelle Instrumente meist den echten vor, aber mit nem Mac am Lagerfeuer?? Da solltes dann vlt doch lieber das echte Instrument sein.

  • Tiemo Eff   23. Feb 2017   14:09 UhrAntworten

    wieso ist ein virtueles Instrument kein echtes? und ab wann ist es ein "echtes" instrument

    • Skellington   23. Feb 2017   14:43 UhrAntworten

      Ein virtuelles Instrument ahmt in den meisten Fällen ein physisches (oder analog-elektronisches) nach. Das gelingt manchmal ganz gut, aber nie vollständig. Es gibt immer einen Unterschied in Dynamik, Details, Räumlichkeit.

      Bei der Emulation von elektronischen Schaltkreisen ist dieser Unterschied natürlich erheblich geringer als wenn man ein (oft sehr komplexes) physisches Instrument nachzuahmen versucht.

      [ @Skellington: Schusselfehler wie gewünscht korrigiert ;) // gez. Felix ]

    • Jan Reimann   23. Feb 2017   19:22 UhrAntworten

      Also ne virtuelle Gitarre z.b. oder nen Schlagzeug (zb EZDrummer) sind halt keine echten Instrumente. Verstehe schon was du meinst, aber das ist halt einfach so 😄 ne virtuelle Gitarre ist keine echte...

  • Wolfgang   23. Feb 2017   14:48 UhrAntworten

    Ja, virtuelle Instrumente sind ohne Zweifel viel besser geworden. Aber programmiert erstmal Joe Morello aus https://www.youtube.com/watch?v=tT9Eh8wNMkw - allein der Versuch ist der Wahnsinn.
    Und ja, auch ich arbeite mit dem Computer - aber sowas? No way. Unerreichbar. Meine 2 (Euro-) Cents...

  • Wolfgang Jaretz   23. Feb 2017   19:16 UhrAntworten

    Seit Sommer 2016 ist mein Gerätepark auf 3 geschrumpft, und wurde durch Plugins ersetzt. Wenn irgendwann mal auch noch die DWGS Wellenformen in einem Plugin realisiert wird, dann wird auch der Micro X den Besitzer wechseln, die beiden anderen bleiben trotzdem. Einen JV-1080 wird es wohl nie als Plugin geben. Aja, und Plugins route ich auch raus in Hardware, um denen einen besonderen Touch zu geben. Ab dann weiß man eh nicht mehr ob HW oder SW-und im Mix schon gar nicht. Also heute ist für mich größtenteils die Spielerei mit Plugins lieber...was ich mich trotz Sounddiver allein mit MIDI schon geärgert hab...abartig gg

  • Stefan   23. Feb 2017   21:31 UhrAntworten

    Ach ja, die Nostalgie.... Leute: die Technik ist weiter und wenn man es nicht weiss hören nur absolute Spezialisten noch einen Unterschied - wenn überhaupt. Und virtuelle Instrumente kann man nicht expressiv spielen? Quatsch! Siehe: https://www.youtube.com/watch?v=qi8vHCRdhlQ

  • Patrick   23. Feb 2017   23:54 UhrAntworten

    Also wenn ich mir bei Logic die Piano-Library so anschaue, dann muss ich wirklich sagen: Hut ab. Insbesondere hat's mir in dieser Library der Flügel von Steinway angetan. Ich hab da wirklich einige Experten fragen müssen, ob das jetzt ein echter Steinway-Flügel ist, der da gesamplet worden ist oder ob das ein Fake der Hersteller war. Wirklich gut ausgearbeitet und verblüffend echt. Hab ihn jetzt mal probeweise für ein Projekt benutzt und ich war überrascht, wie ich mit dem Ergebnis fertig war. :-)

  • John   24. Feb 2017   11:20 UhrAntworten

    Jain. Ich hab zwar gute Erfahrungen mit Streichern und Pianos gemacht. Aber wenn es um Drums oder Gitarren geht, finde ich die virtuelle Variante nicht sonderlich gut. Man kann zwar Drums gut genug hinbekommen das sie wie echt klingen, allerdings fehlt die organische Spieldynamik und das ganze klingt ziemlich statisch, was ich persönlich nicht ganz so toll finde. Bei Gitarren find ich das noch schlimmer.

  • Kaze Kaze   25. Feb 2017   02:26 UhrAntworten

    Es ist etwas besonderes ein live Orchester mischen zu können und auch live zu hören-aber es macht mir sehr viel Freude virtuelle Instrumente bei songs einzusetzen, oder gewisse Instrumente selbst einzuspielen wie Akustikgitarre, Saxophon, Klavier und dann zu mischen mit Streichern oder Schlagzeug. Diese Möglichkeiten schätze ich sehr, auch beim Arrangieren.

  • Kalras   27. Apr 2017   12:36 UhrAntworten

    Ist alles ne Geldfrage!
    Hätt ich das Geld, würd ich mir Prophet 6 zulegen, von Oberheim noch einen und so weiter. Echte (physisch reale) Synthesizer geben einem ein Feeling, das nicht zu ersetzen ist!

    Ansonsten, weil Geld knapp ist, komme ich gut klar mit VST Plugins. Habe seit 2000 kein einziges echtes Instr. mehr , ausser 2 E Gitarren. Ich habe nie das Gefühl, etwas zu versäumen/vermissen im Gegenteil ist es ein Gewinn von den Möglichkeiten.
    Klanglich gibt es für mich keine Unterschiede.

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