Sprich dich aus: Können virtuelle Instrumente echte ersetzen?

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Umfrage: Sprich dich aus

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Frische Klänge aus der Dose?

Kürzlich wurde im Feedback zu einem früheren Artikel unserer Reihe »Sprich dich aus« erwähnt, dass es noch keine vernünftige Saxophon-Library auf dem Markt gibt. Generell kann ich mir gut vorstellen, dass die ungeheure breite Palette expressiver Möglichkeiten von Blasinstrumenten sehr schwer zu virtualisieren ist. Bei anderen Instrumententypen ist man schon weiter – Pianos sind naturgemäß leichter nachzubilden, was sich mittlerweile in verblüffend authentisch klingenden Libraries oder gar rein algorithmischen Emulationen niederschlägt. Welche Plugins bzw. welche Standalone-Software zur Nachbildung von Instrumenten überzeugt dich besonders? Machen sie in deinen Produktionen Aufnahmen der entsprechenden echten Instrumente zum einem erheblichen Teil überflüssig?

Umfrage: Sprich dich aus

Was mich und meine klanglichen Vorlieben angeht, kann ich lediglich Erfahrungen mit virtuellen Synthies beisteuern – Plugins wie der Admiral Quality Poly-Ana oder der u-he Diva machen für mich rein klanglich gesehen echte Synthesizer obsolet. Die Haptik ist ein anderes Thema…

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Lesermeinungen (10)

zu 'Sprich dich aus: Können virtuelle Instrumente echte ersetzen?'

  • Alex 28   07. Aug 2014   10:33 UhrAntworten

    Hallo,

    wenn ich für mich, die Palette einmal passieren lasse, so komme ich dahin zu sagen, dass eigendlich nur Synthesizer und Pianos, eventuell noch Drums authentisch nachgebildet werden können um sie im Vordergrund eines mixes platzieren zu können.

    Darum arbeite ich, wenn ich rein im Rechner arbeite auch mit verschiedenen Libraries um die Stärken der jeweiligen herauszukitzeln.

    Auf der anderen Seite, spricht für mich aber generell nichts dagegen, einer echt eingespielten Gitarre, eine Virtuelle, für gewisse Nuancen an die Seite zu stellen.

    Gleiches finde ich kann man auch für andere Instrumente machen. Z.b. mache ich es bei Quartetten ganz gerne, dass ich zwei Violinen Live einspielen lasse um die Performance zu haben und dann zwei, mit einer etwas anderen Performance von einen Library nehme. Das führt oft zu sehr interessanten, guten ergebnissen.

  • Skellington   07. Aug 2014   17:13 UhrAntworten

    "Es kommt immer darauf an" – nicht wahr?

    Es kommt darauf an, was man machen will. Drums in einer straighten Pop-Nummer kann man hervorragend mit Samples realisieren. Ob das, was man dann da spielt (oder den "Groove Agent" zaubern lässt), so meisterhaft und geschmackvoll ist, ist dann wiederum eine andere Frage.

    Viele Sample-Libraries sind klanglich natürlich sowieso besser als das meiste, was man als Homerecorder realistischerweise aufgenommen kriegt, ganz zu schweigen von dem hohen Aufwand, den es bedeutet, zB echte Streicher aufzunehmen (erst einmal alles detailliert notieren…).

    Aber sobald man sich auf Terrain wagt, wo die Vielfalt von Phrasierungen und Klangvariationen auf echten Instrumenten eine Rolle spielt, werden Samples nur solange gut klingen, bis man das ganze mal kritisch mit echten Aufnahmen vergleicht. Dazu kommt noch die Transparenz und "Luft", die eine echte Orchesteraufnahme hat. Das gilt wohlgemerkt für den – für viele nur fiktiven – Fall, dass man das selbe logistisch und finanziell mit echten Instrumenten realisieren könnte.

    Ich selbst habe derzeit eine Phase, in der mich die ganzen tollen Möglichkeiten der digitalen Libraries gar nicht so sehr interessieren, mir zB die (realistische) Drums-Programmierung viel zu umständlich ist und ich am liebsten nur mit echten Musikern arbeiten würde.

    Wenn man (zu) viel auf der virtuellen Ebene gearbeitet hat, stellt sich irgendwann eine Übersättigung ein, und auch kreativ tritt man irgendwie auf der Stelle. Das geht zumindest mir gerade so. Wenn ich am Klavier sitze, ist das ganz anders. Das hat klangliche Gründe (echter Instrumentenklang ist einfach lebendiger und detaillierter), und dann liegt es auch an der Direktheit des Zugriffs – kein Starten, kein langwieriges Laden, keine Hemmschwelle.

    Summa Summarum kann man natürlich auf virtueller Ebene schon gute Sachen machen, das kommt aber wie gesagt darauf an, was man vorhat und was man als Vergleich heranzieht. Nachdem allerdings vieles "da draußen" sowieso schon virtuell ist, haben manche vielleicht gar nicht so richtig den Vergleich. Ich finde es jedenfalls grundsätzlich auch schöner, wenn echte Menschen zusammen Musik machen.

  • Condor   08. Aug 2014   08:59 UhrAntworten

    Ja es ist auch schöner in Gottes freier Natur durch die Gegend zu laufen und alles zu genießen.
    Trotzdem wirst Du aber Dein Auto nicht missen wollen, weil es Dir Möglichkeiten eröffnet, die Du sonst nicht bewerksteligen könntest.

    Es wird Virtuelle Instrumente geben, die immer realistischer klingen. Wenn ich da an die Anfänge denke, und dann was da heute Möglich ist.
    Vielleicht soll es ja garnicht so realistisch klingen.

    Wenn ich da so dran denke was da alles mit Effekten gezaubert wird beim Mischen und Mastern, dann hat das mit der realität auch schon längst nichts mehr zu tun.
    Einem ganz normalen Hörer dürfte es auch vollkomme egal sein, ob da die dritte Gitarre von rechts virtual oder original aufgenommen ist, oder daß der Saxophonist eigentlich schon tot wäre, weil er solange gar nicht die Luft anhalten kann, wenn er hätte das live gespielt.
    Wer achtet denn auf sowas? Das sind doch nur wir, ein Häufchen verrückter Ethusiasten, die den Lauf der Dinge eh nicht aufhalten werden. Ich finde die Erfindung der Virtuellen Instrumente Welt ist gleich zu setzen in etwa mit der Buchdrucker Kunst.

    Liebe Grüße Condor

    • Skellington   08. Aug 2014   10:50 UhrAntworten

      @ Condor: Es ist einfach meine persönliche Empfindung / Erfahrung, dass diese ganze virtuelle Musiktechnologie (sowie auch der Umgang mit Computern an sich – stundenlanges Starren auf einen Bildschirm…) mit der Zeit ermüdet. Ich sage nicht, dass VI in der Praxis nicht funktionieren oder nicht eingesetzt werden (dürfen).

      Du hast Recht: der sog. Durchschnittshörer "merkt das nicht". Er merkt auch nicht, wenn die "Musik", die ihm da verkauft wird, industrielle, seelenlose, hochoptimierte Massenware ist. Damit sind wir wieder bei der klassischen Frage, ob Popularität und Verkaufszahlen "Wahrheit" reflektieren.

      Alles, wohlgemerkt, die persönliche Meinung eines "verrückten Enthusiasten"; aber ich weiß, dass es noch mehr von meiner Sorte gibt. Es gibt schließlich (zum Glück) auch immer noch Leute, die akustische Instrumente bauen und spielen – überflüssiges Handwerk? Ich glaube nicht!

      Wer es sich leisten kann, wird im Zweifelsfall in 9 von 10 Fällen nach wie vor echte Instrumente einsetzen. Es sei denn, er merkt selber den Unterschied nicht bzw. setzt VI bewusst in einer wirklich kreativen Weise ein.

  • Stefan   08. Aug 2014   11:38 UhrAntworten

    Meiner Erfahrung nach können normalerweise nur Musiker oder Musikproduzenten im Kontext eines Songs erkennen, dass ein virtuelles Instrument eingesetzt wird – und auch da oft nur, wenn sie es wissen oder darauf achten. Vorausgesetzt, es wird ein Plugin auf dem aktuellen technischen Stand eingesetzt und der Produzent versteht es mit MIDI-Automation umzugehen. Bei Synths, Drums, Pianos, Streichern und etwas eingeschränkt bei Gitarren ist das auf jeden Fall so. Und selbst bei Blasinstrumenten gibt es dermaßen ausgereifte Plugins von Sample Modeling, 8Dio oder Wallander Instruments, da wird der Normalkonsument keinen Unterschied bemerken. Sicher stehen längst nicht alle Artikulationen zur Verfügung, aber das weiss auch nur der Produzent.
    Besser und natürlicher sind selbstverständlich immer echte Musiker – wenn sie gut sind und auf solche Studiomusiker haben Produzenten im Homestudio eigentlich nie Zugriff. Also kommt es darauf an, aus den eingeschränkten Möglichkeiten der virtuellen Instrumente etwas zurechtzubasteln, dass die Frage ob das nun echt ist oder nicht bei den Konsumenten der Musik nicht aufkommen lässt. Das ist Teil der (Handwerks-) Kunst.

  • Condor   08. Aug 2014   12:02 UhrAntworten

    Es muß sie ja auch geben die Instrumentenbauer und Live Spieler, und wird sie auch immer geben. Ich hoffe es mal.

    Natürlich ist das Original Musizieren in der Gemeinschaft eine schöne Sache, die nicht durch ein virtuales Kämmerchen zu ersetzen ist.

    Ich finde es abe eine unwahrscheinliche Bereicherung für die Menschheit, daß jetzt quasi jeder der es möchte zu Hause seine eigene Musik machen kann, und in einer hervorragenden Qualität auch aufnehmen kann.

    Es war vor Jahren noch ein Privileg von relativ wenigen, die diese Unmengen Summen von Geld aufbringen konnten und die Preise ins unermessliche trieben.

    Das ist jetzt gewissermaßen die Quittung dafür.

    Und das ist gut so.

    LG Condor

    • Skellington   08. Aug 2014   12:36 UhrAntworten

      Die interessante Beobachtung dabei ist allerdings, dass trotz der technologischen Explosion und der damit einhergehenden sog. "Demokratisierung" der Musikproduktion die Relevanz und Tiefe der produzierten Musik überhaupt nicht zugenommen hat.

      Das hat einfach auch damit zu tun, dass es nicht mehr so viel Neuland zu beackern gibt.

      Wie groß die Bereicherung durch die Technologie letzten Endes prinzipiell überhaupt sein kann, ist sowieso eine ganz andere Frage. Es ist ja letzten Endes nicht die Technologie, die etwas "macht", sondern die Menschen, die die Technologie benutzen.

      Wenn man sich z.B. anhört, was eine ganze neue Generation von Game- und Filmkomponisten auf ihren Websites an Demos anbietet, kann man zwar sagen, dass das natürlich klanglich auf höchstem (quasi Hollywood-) Niveau ist; aber innovativ oder überhaupt irgendwie musikalisch interessant ist davon das allerwenigste. Da hat die Technologie einfach mehr Leute in die Lage versetzt, Klischees (z.B. von Hans Zimmer) zu kopieren, aber ursächlich "bereichert" hat sie gar nichts.

      Wir befinden uns heute in einer paradoxen Situation: auf der einen Seite kann man mit immer weniger technischen und finanziellen MItteln alles mögliche realisieren; auf der anderen Seite ist alles so schnelllebig und inflationär geworden, dass nach wie vor das allermeiste, das produziert wird, vom Sand der Geschichte verschüttet wird. Der Markt ist einfach nicht im gleichen Maße gewachsen wie der vermeintlich "kreative" Output von Millionen von Leuten, die alle irgendwie Musik machen und "Producer" sind.

      Wohlgemerkt: jeder soll das machen, was er will und was ihm Spaß macht; aber wir haben im Durchschnitt heute keine "bessere Musik", nur weil wir bessere Tools haben. Es ist nur alles effizienter geworden. Wirklich profitieren tun davon nur die, die richtig Geld verdienen. Für alle anderen ist es ein mitunter ziemlich teures Hobby.

  • Beatpresse   08. Aug 2014   16:03 UhrAntworten

    Allgemein gesagt: Ja, "analoge" Instrumente können durch virtuelle ersetzt werden. MusikerIn bzw. InstrumentalistenIn nicht. Jede(r) muss die MPC, Maschine ect., Effekte, den Kram seines/ihres Vertrauens beherrschen - um effektiv und kreativ arbeiten zu können. "Handwerk maximiert Talent" daran glaube ich fest.

    Virtuelle Instrumente haben den Vorteil, neben dem niedrigen Preis, Sounds zugänglich zu machen für die man sich vor ein paar Jahren noch halbtot hätte üben müssen. Und von diesem Ausgangsmaterial aus kann heute jeder Musiker, jede Musikerin in nahezu unendliche Klangweiten vordringen.

    Entgegen anderer Einträge, finde ich, haben die virtuellen Tools die Musik und die kreativen Spielräume enorm erweitert und eine neue Generation Musiker und Musikerinnen hervorgebracht. Ich kann mir gut vorstellen, dass irgendwann keine Instrumente mehr aus Holz gefertigt werden und nur noch ein Greis, eine Greisin auf dem Marktplatz die Gitarre zupft, während wir Beatmaker der neuen Generaion, Flaschen aus dem Müll fischen.

    Zu jeder Zeit gab es Musik oder Künstler und Künstlerinnen die nicht beachtet wurden, von der Masse. Da Geschmack immer im Wandel ist, finde ich, kann man die Qualität besonders die esoterische Tiefe eines Stücks schlecht bestimmen. Bei Beatpresse etwa verwenden wir keine Presets oder vorgefertigten Loops um nicht zu sehr im Zeitgeist hängen zu bleiben. Und ich finde, das Musikmachen besonders virtuell, eines der preiswertesten und schönsten Hobbies ist. Und Geld kann man auch damit verdienen, wenn man will - nur reich werden, bleibt wie zu jeder Zeit, das Privileg weniger.

    Martin (Beatpresse)

  • P.Chris   11. Aug 2014   02:57 UhrAntworten

    Bis zu einem gewissen Grad können sie das sehr gut.
    Größtenteils im Verbund- als Orchestrierung im Arrangement, als Sektionen etc. kann ein sehr hohes Maß an Authentizität erreicht werden.

    Ab einem gewissen Grad, wo es um spezifische Virtuosität als frontales Soloinstrument geht- mit Ausnahme von größtenteils perkussiver Instrumente, haben viele spezifische Instrumente, wie o.g. Saxophon, jedoch noch zu eklatante Realismusschwächen im virtuosen Solo-Mode.

    Vieles hängt aber auch vom gekonnten Programming und Mapping ab, um virtuelle Sounds so realistisch wie möglich klingen zu lassen und generell braucht es Instrumentenkunde, um Instrumente realistisch spielen zu können, bzw. diese gekonnt zu inszenieren.

    Eine echte Bereicherung realistischer Sample-Libraries hinsichtlich Streicher, empfinde ich die NI "Session Strings".
    Warum ?
    Weil es bisher keine String-Library gab, dass das natürliche Gleiten/Portamento (Scoop) der Saiten so zu Emulieren vermochte und für einen sehr realistischen Streichersound/Ensemble DAS überhaupt Wichtigste ist.

    Die z.B. obligatorischen "James-Bond Filmmusiken" leben von mit Portamento gezogen gespielten Streichern.
    Über Midi-Controler bekam man meist nur recht synthetische
    Streicher hin.
    Mit Session Strings erhält man sehr authentisch klingendes "Gleitgel".
    In meinem Setup- ob nun Filmmusik oder schnöder Pop, sind diese Streicher definitiv nicht mehr wegzudenken !

    Generell hat sich im Bereich virtuell sinfonischer Orchester extrem viel gutes getan.
    Großzügig budgetierte Hollywood-Produktion lassen zunächst virtuell komponierte Orchester meist immer noch "in Echt" einspielen, aber oftmals werden auch die virtuellen "Cue`s" genommen.
    Das Gleiche gilt für Games-Musik, wohingegen hier mehr und mehr auf Grund der Kosten auf das echte Orchester verzichtet und VI-Compositions genommen werden.

    Wenngleich die (extrem teuren) "Vienna Instruments" hier einen exzellenten Ruf genießen, finde ich diese persönlich insgesamt jedoch viel zu weichgespült und gehört absolut nicht zu meinen Favoriten.
    Da steckt einfach keine Agressivität hinter den "Vienna Instruments".
    Ein Umstand, den ich so auch generell nicht an Orchester aus dem Lande Austria mag. Immer eine Spur zu sanftmütig.
    Für Walzer und Romantik unangefochten die Nr.1.
    Für "Gewalt" aber nicht wirklich brauchbar !

    Ich bevorzuge für heroisches und aggressives Orchester Tamm-Tamm ein amerikanisch klingendes Orchester, wie z.B. das virtuelle QL Symphonic Orchestra im Verbund mit dem etwas intimeren, europäisch klingenden virtuellen Siedlaczek "Complete Orchestral Selection" Orchester.
    Beim QL Orchester mag ich das Brachiale, bei Siedlaczek die intime Lebendigkeit.

    Bei Orchester ist aber nicht alleine das Wissen um Instrumentenkunde ausschlaggebend für realistische Ergebnisse, sondern viel mehr das Wissen um Akustik und respektive der Einsatz virtueller, separater Räume im Mix.
    Ein z.B. Waldhorn wirkt sich nun einmal völlig anders als eine Violine auf den (an sich gleichen) Raum aus.

    Mein Fazit:
    "Echtheit" ist einem nicht damit an die Hand gegeben, nur alleine um Spitzeninstrumente zu verfügen, sondern mit diesen in möglichst allen wichtigen Belangen wie eben auch Tonalität und Akustik auch umgehen, bzw. gekonnt einsetzen zu können !

  • Chris   11. Aug 2014   17:59 UhrAntworten

    Diva, Pianoteq, EastWest, das sind alles Hausnummern, wo ich sagen würde: "Ja, da hört kaum Jemand einen Unterschied im fertigen Stück." Ich produzieren ausschließlich mit DAW und Plugins und möchte mich nie wieder mich durch die Menus vom externer Hardware quälen müssen.

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