Sprich dich aus: Wie könnte das Schulfach „Musikproduktion“ aussehen?

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Umfrage: Sprich dich aus

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Wie könnte Musikproduktion in der Schule gelehrt werden?

Es gibt das Schulfach »Musik« – zumindest gab es das in meiner Kindheit im Arbeiter- und Bauernstaat in verpflichtender, nicht-fakultativer Form. So mussten also alle Mädels und Jungs zum Liederbuch greifen und ihre Stimmbänder zum Schwingen bringen. Gelegentlich wurde auch in die Tasten gehauen, wurden die Saiten gezupft et cetera, doch die Unterrichtung im Spiel eines Instruments war nicht Teil des Fachs. Das nur als Einstieg zur ersten Frage, die ich mir aus heutiger Sicht stelle: Wenn es den Musikunterricht gab und gibt, warum gibt es dann keine schulische Lehre der Musikproduktion? Das kann man für weit hergeholt halten, …

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…aber sobald Du dich auf das Gedankenspiel einlässt, schließen sich diese Fragen an: Mit welchen Mitteln und mit welchen begleitenden theoretischen Hintergründen sollte die Musikproduktion gelehrt werden? Wie genau sollte man Recording, Synthese und Sampling, Audioeditierung, Arrangement, Mixing und vielleicht sogar das (Pre-)Mastering allen geneigten Kindern (oder einfach ALLEN *muahahahahaaaaa*) vermitteln? Sprich dich aus!

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Lesermeinungen (8)

zu 'Sprich dich aus: Wie könnte das Schulfach „Musikproduktion“ aussehen?'

  • P.Chris   07. Mai 2015   16:36 UhrAntworten

    Du kannst bei aller Lust und Willen die man als Musiker und Lehrer natürlich selbst manchmal verspürt, im Schulalltag von ca. 200-300 Schüler nicht jeden an ein Instrument heranführen, geschweige denn ausbilden (sofern man als Musiklehrer auch selbst "Mulit-Mulitinstrumentalist" sein muss), selbst wenn je Schüler (bei durchschnittlich 15-20 Schüler pro Klasse) überhaupt ein Instrument pro Schüler/Schulklasse zur Auswahl stünde.
    Ambition und Willen mag man zwar haben, aber den Nerv dazu hat man als Lehrer allerdings nicht lange, ohne nicht Stammkunde bei Ohropax und Aspirin zu werden, da eben nicht jedes Schulkind musikalisch begabt ist und natürlich auch nicht jedes Kind das Interesse verspürt, Musik zu machen, bzw. sich diverse Schüler um dieses oder jenes Instrument wie Schlagzeug, Klavier oder Triangel kloppen.

    Und dann noch ein so komplexes Thema wie Musikproduktion, wo ein Großteil von Schülern noch nicht mal richtig schreiben oder rechnen kann ?
    Auch den Schülern somit `nen Floh ins Ohr zu setzen, eine musikalische Karriere sei mind. genauso wichtig und erstrebenswert wie erst einmal eine grundsolide Schulausbildung, halte ich für sehr bedenklich !

    Der Gedanke "Musikproduktion" ist zwar ein schöner- aber im ganz normalen Wahnsinn des Schulalltags nicht durchzusetzen !
    Anders sieht es im Wahlpflichtfach, bzw. in der Musik-AG aus, in der bereits auch moderne Produktionsmittel und Strukturen zum Einsatz kommen.
    Sicher, es könnte hinsichtlich Thematik "Musikunterricht an Schulen" vieles verbessert und definitiv moderner gestaltet werden- aber ob nun im Schulalltag oder an Musikschulen- wird wohl JEDWEDER Musiklehrer bescheinigen, wie viel "Spass" es doch macht, mit insbesondere untalentierten Schülern arbeiten zu MÜSSEN- oder umgekehrt !

    Nein nein. Wenn man sein Kind als talentiert erachtet und es auch das Interesse verspürt, dann unterstützt man es natürlich in der Hinsicht, Musik als Hobby zu betreiben,ein Instrument zu erlernen bzw. später einen entsprechend musikalischen Beruf wie z.B. Toningenieur etc. zu ergreifen.

    Aber Musikproduktion als Schulfach ?
    Wie viele Eltern wären denn dazu in der Lage, ihre Kinder in der Hinsicht bei Dingen wie z.B. Hausaufgaben zu helfen ?
    "So Fritzchen, das muss man jetzt auf den Kanalzug legen, dann routet man die Kanäle 4-8 zum Bus und hier fahren wir etwas weniger Kompression !"
    Das setzt ja auch musikalische, mit der Materie vertraute Eltern voraus.
    Der Gedanke ist sicherlich witzig und schön, aber in der Praxis eines normalen Schulalltags einfach nicht durchführbar... weder für den Lehrer, noch für den Schüler, noch für Eltern !
    Aus diesem Grunde gibt es o.g. Pflichtfächer, AG`s, Musikschulen oder betreute Projekte usw.

  • vanhold   08. Mai 2015   07:51 UhrAntworten

    Musikproduktion in der Schule? Nee, nicht wirklich! Ich stimme meinem Vorredner uneingeschränkt zu. In einem Land wo es Schulfächer gibt, die z.B. "wie rechne ich mit dem Taschenrechner" heissen, ist das wirklich noch mehr als unnütz.

  • Rob   08. Mai 2015   09:31 UhrAntworten

    Meine Erfahrungen sind die, dass es nicht nur eine Vielzahl untalentierter Schüler gibt, sondern an allgemein bildenden Schulen auch eine Vielzahl untalentierter und völlig unmotivierter Musiklehrer. Der "untalentierte" Schüler ist jetzt mal beiseite gepackt, denn über den wird ja regelmäßig geflucht und gesprochen. Meine eigenen Unterrichtserfahrungen im Fach Klavier (Dozent an einer Muho, seit 25 Jahren eigene private Klavierklasse) lassen für mich den Schluss zu, dass, je weniger Musiklehrer an Schulen Spaß und Können an Ihrer Materie haben, umso arroganter und langweiliger der Musikunterricht abläuft.

    Letztens hat mir mal wieder eine Schülerin Ihr Leid mit Ihrer Musiklehrerin in der Schule geklagt (Klasse 10 Gymnasium). Diese kann wohl kaum richtig Klavier spielen, singt wohl ebenso grottenschlecht und bringt wohl auch immer wieder wichtige musikalische Fachtermini durcheinander. Der Unterricht läuft entsprechend langweilig, dünn und matt ab. Allerdings sind die von Ihr ausgeteilten erklärenden Texte sowas von akademisch, elitär und überheblich, selbst ich hatte große Mühe, im äusserst wichtigtuenden, verschwurbelten Text zu erkennen, dass der Verfasser uns wohl irgendetwas Bestimmtes zur Formenlehre sagen wollte. So viele Worte mit so wenig Inhalt! Wahnsinn, wer so etwas als Text für den Unterricht zulässt!

    Wenn ich das nun hochinterpolilere, dann muss ich sagen, dass wohl eine große Menge an Musiklehrer kaum flexibel im Unterricht sind. Mit dem Fach Musikproduktion müsste sich ein normaler Musiklehrer für den Schulunterricht erst einmal selbst auseinandersetzen. Daran wird es bereits scheitern, weil die meisten Lehrer erstens davon keine Ahnung haben, zweitens sich damit auch nicht auseinandersetzen werden, weil viele oft zu faul dazu sind (ein Lehrer, der noch was lernen muss geht ja gar nicht!), ja drittens sogar denken, alles sei eh vor die Perlen geworfen, weil ja die Schüler so untalentiert seien. Es müssen wohl gerade die Musiklehrer sein, die in Ihrer musikalischen Weltsicht selbst so schwach und eingeschränkt sind, welche dann so über ihre Schüler denken. Dunnung-Kruger-Effekt.

    Wie soll da bei Schülern überhaupt vernünftig was Positives hängen bleiben?

    Wenn so ein Fach etabliert werden soll, braucht es ganz viel Geld für Inventar, ganz neue Ansätze und einer speziellen Auswahl an neuen leistungsbereiten und flexiblen Musiklehrern, die einen Zugang zu neuen Medien und neun Musikströmungen haben und ebenso neue Lehrpläne, die so etwas als Wichtig in der Musik erachten.

    Na, dann hoffen wir mal (hahaha, guter Witz) ;)

    • R-Apfel   09. Mai 2015   20:46 UhrAntworten

      Lieber Rob,
      wie kann es sein, dass jeder "Honk" denkt, dass er sich zum Lehrerberuf zu äußern hat? "Ein Lehrer der noch was lernen muss...etc.." Diese Mentalität und Argumentationskette nervt und ist in meinen Augen mehr als primitiv - zeigt sie doch eine Sichtweise, die ignoranter Jungfräulichkeit geprägt ist!
      Ich stimme Dir zu:
      In der Schule läuft vieles nicht unbedingt so, wie es sollte. Aber woran liegt das? Am "Beamtenmikato spielenden" Faulsack Lehrer? Mit Sicherheit hier gibt es Beispiele, die genau in diese Schublade passen. Aber das sind nach meinen Beobachtungen (ich bin Studienrat) eher die Ausnahme. D.h. Du argumentierst zunächst anhand von Extremwerten und lässt außer acht, dass Lehrer in Deutschland in einem System arbeiten, das dem Preußischen Weltbild entspringt. Der Lehrer ist Exekutive. Er hat jene Inhalte/Kompetenzen Umzusetzen, die im Lehr-, bzw. Bildungsplan stehen und hat diese nicht zu bestimmen. Das setzt den Rahmen innerhalb dessen man kreativ oder auch nicht kreativ werden kann. Dann solltest DU nicht außer Acht lassen, dass man in einer Klasse i.d.R. mehr als 25 Schülerköpfchen hat mit unterschiedlichen Interessen und "kulturellen" Voraussetzung/Zugängen (hier das Stichwort Binnendifferenzierung ;-). D.h. Deine Argumentation hinkt nun weiter an folgenden Punkten:
      Auf den Klassenteiler hat nicht der Lehrer, sondern die Schulleitung, die ihrerseits nur ein weiteres Rädchen im hierarchischen Getriebe eines Apparates ist (Stichwort Preußen). Darüber hinaus sind Begriffe wie "Unterricht interessant gestalte" so relativ wie "warmes Wasser"! Wir sind uns einig...Unterricht sollte nach Möglichkeit motivierend sein...aber was ist bitte motivierender Unterricht? Und was ist bitte ein guter Unterricht? Im didaktischen Sinne kann ich Dir die Antwort geben. Die Erreichung eines operationalisierten Lernziels/Kompetenz, die sich über die "Verhaltensänderung" definiert.
      Sodele der Herr, jetzt gehen wir noch ein Schrittchen weiter. Wie sieht denn in Deutschland die Ausbildung zum Musiklehrer aus? Entweder gehst Du Klassik studieren oder Jazz. Im Studium wirst Du i.d.R. so auf Deinen Bereich eingeschossen, dass die wenigsten noch (und das finde ich verständlich) den Blick über den Tellerrand wagen. EIn Studium (aber da erzähle ich Dir vermutlich nix neues) ist nicht nur die Acquise von Inhalten, sondern ist auch Sozialisation. Worauf ich hinaus möchte. Der Hund liegt nicht (nur) bei den Lehrern begraben, sondern im System! Das solltest Du beim nächsten Loswettern ggf. im Hinterkopf behalten!

  • Perry   08. Mai 2015   12:16 UhrAntworten

    Es lag ja nicht nur an der Schule und dem Personal.Es ist viel mehr die Frage zu stellen, ob und wie die Kinder in ihren häußlichen Umfeld Zugang zur Musik finden. Werden sie überhaupt dafür begeistert und gefördert ein Musikinstrument zu erlernen? Musk sollte Spaß machen und nicht zum totalen Mittelpunkt des Lebens werden.Ich finde es sehr fragwürdig, wenn all zu ehrgeizige Eltern dazu drängen, vor der "buckligen"Verwandschaft ein Privat-Konzert geben zu müssen. Denn damit verkrault man die Kinder. Was die Musik-Produktion angeht, dass sollte eher in den Musikschulen angegliedert werden.

  • Mo S.   08. Mai 2015   12:19 UhrAntworten

    "Musikproduktion" könnte tatsächlich wahlweise als Ersatz von Musik unterrichtet werden.. dann aber natürlich nicht von beginn an.
    (Zusammen geht's ja nicht, schon bei Musik und Kunst gibt's Stress, wenn man beides machen will.)

    Grundlagenverständnis und Musiktheorie sind genauso Voraussetzung und sollten erstmal gelehrt werden.
    Warum soll man produzieren, wenn man nicht mal weiß, was z.B. Modulation ist und wie das funktioniert. Wenn man nicht mal weiß, was Klang bedeutet. Die Musikgeschichte (ach, war dieser Teil des Unterrichts immer schrecklich) nützt am Ende ebenfalls doch einiges. Alleine schon für das Verständnis.

    Wenn der Fall eintreten sollte, das Musikproduktion unterrichtet wird, dann für Klasse 10+. Anders würde es ja wirklich keinen Sinn machen.

    Wie Rob schon anspricht, haben viele Lehrer keine Ahnung von der Materie. Der/die Lehrer/in müsste sich dazu extra ausbilden lassen und dann muss die Nachfrage auch groß genug sein. Neben Musikgeschichte, -theorie und -praxis würde also ein ganz neuer Zweig des Musikunterrichts entstehen. Und die Kosten.. da beklagen sich die Schulen ja jetzt schon genug.
    Umsetzung: fast nicht möglich

    .. aber ich hätte es gefeiert, wenn ich die Möglichkeit dazu gehabt hätte.
    Soweit kurz und knapp wegen fehlender Zeit von meiner Seite aus :)

  • IrgendeinThomas   09. Mai 2015   01:09 UhrAntworten

    Als wählbares Freifach mit kompetenten, motivierten Lehrern wäre ich dafür. Aber Zwangsbeglückung für Alle ist der komplett falsche Weg der ja teilweise schon mit so manchem Unterrichtsstoff und Inhalten aktuell (und seit einiger Zeit) bestritten wird. Menschen haben - zum Glück - unterschiedliche Veranlagungen und Talente und daher macht eine individuelle Förderung für solche und solchen denen es Spaß macht mehr Sinn als eine Gleichschaltung mit dem Resultat dass man Diejenigen die damit wenig bis garnichts anfangen können und ganz andere Talente auf anderen Gebieten haben nur unnötig Zeit stiehlt, schlechte Resultate abgeliefert werden und somit sowohl den Schüler als auch Lehrer frustrieren. Wie schon hier von Anderen erwähnt, ist ja Musikproduktion schon ein sehr spezielles Thema, da könnte man auch sagen man führt zB Pilotenausbildung oder Softwareentwickler oder Bäckermeister usw. usw. für Alle ein. Der Musikunterricht für sich ist ja sicher schon für Viele herausfordernd genug (insofern der Lehrer das auch ernsthaft angeht) somit würde eine nähere Spezialisierung für die breite Masse keinen Sinn machen - klar für Manche mag es ja weniger trocken sein über Signal-Flow, Effekte, Mikrofonierung usw. zu lernen als über bekannte Werke bekannter klassischer Komponisten, dem Notensystem und dergleichen, aber das betrifft dann höchstens auch nur eine Minderheit - ich kenne genug Menschen die mit etwas tiefergehender Technik (also abseits von Smartphone-, Tablet-Bedienung) überhaupt nichts anfangen können und somit wäre das schon quasi mit einer Schikane gleichzusetzen.;-) Somit wäre abschließend zu sagen dass es DEN idealen Musikunterricht nicht geben kann, da Menschen dafür zu unterschiedlich sind und somit auch verschiedenste Interessen, Begabungen haben. Angebote um Kinder, Schüler an das Thema heranzuführen wären sehr gut, aber nichts dass auf irgendeinen Zwang basiert...das wäre wie so vieles im Leben nur kontraproduktiv.

  • R-Apfel   09. Mai 2015   20:59 UhrAntworten

    Hm...ich weiß nicht, ob man ernsthaft in Erwägung ziehen sollte sowas fest als Schulfach einzuführen, da es doch eine sehr spezifische Materie ist und ich der Auffassung bin, dass die Schule eher dafür verantwortlich ist das bildunsrelevante Fundament zur Allgemeinbildung beizutragen. Auf der anderen Seite denke ich, dass mit dem Fortschreiten der Gesellschaft sich auch die Schule in einigen Punkten weiterentwickeln könnte. Ich eröffne nun das Gedankenspiel aus theoretischer Sichtweise:
    Die Maxime sollte lauten "shite in shite out" oder in RP "shit in shit out".
    D.h. zunächst müsste in irgend einer Form eine Selektion stattfinden, wonach Schüler nach "musikaffin" oder "nicht musikaffin" getrennt werden. Da wir auch über die intrinsische Motivation arbeiten sollten gemäß dem Grundsatz "Kinder sind keine Fässer, die befüllt werden wollen, sondern Leuchten die entzündet werden möchten" würde es meiner Meinung nach zwei Möglichkeiten geben:
    1) Arbeitsgemeinschaft (AG) oder
    2) Wahlfach (WF)
    Unter musikaffin würde ich alle verstehen, die gerne mit Musik hantieren. Analytisch aber auch musisch. D.h. das müsste nicht zwingend an die Bedingung geknüpft sein, dass jemand ein Instrument spielt (auch wenn es von Vorteil wäre).
    Im nächsten Schritt könnte nun eine Inhaltsanalyse erfolgen. Wieder gemäß des Grundsatzes "shite in shite out" würde ich inhaltlich der Signalkette folgen. D.h. der Lehr-/Bildungsplan sollte demnach Grundlagen zur Raumakustik beinhalten (Absorption, Diffusion, stehende Wellen, Schalldruck). Diesen Bereich könnte man interdisziplinär gestalten, d.h. fächerübergreifend mit Physik. Als nächstes kommt der Schallwandler (Mikrophontypen, Mikrophonierungsverfahren), im nächsten Schritt würde die Postproduktion kommen (Editing, Mixing und Mastering).
    Didaktisch könnte ich mir vorstellen, dass es im Sinne einer Hypothesenbildung nicht verkehrt wäre beim Mastering anzusetzen und dann den Weg zurück zu machen.

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