Sprich dich aus: Wo liegt deine musikalische Schmerzgrenze?

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Umfrage: Sprich dich aus

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Wo endet deine musikalische Toleranz?

Neben einem gewissen Limit in puncto Lautstärke, über dem Menschen die Flucht ergreifen, haben wohl viele Hörer musikalische Toleranzgrenzen. Musikalisch intendierter Krach, »harte« Musik aller Art und das, was gemeinhin unter »Noise« klassifiziert wird, markiert oft eine solche Grenze. Wie goutierst Du derlei klangliche Extreme? Es gibt aber wie angesprochen noch eine andere, rein ästhetisch fundierte Art des musikalischen Missfallens: Wie sehr knirschst Du mit den Zähnen, wenn es gilt, nervtötende Musik XY im Fernsehen oder anderswo zu ertragen? Wo kannst Du dir partout nicht zusammenreimen, wie mensch so etwas gut finden kann?

Umfrage: Sprich dich aus

Zu Punkt 1: Ich halte krachtechnisch einiges aus und mag experimentellen Noise, sofern ein gewisses Maß an Kunstfertigkeit an den Tag gelegt wird – kürzlich etwa Merzbow. Außerdem weit oben auf meiner Liste: ordentlich knüppelnder, (in Maßen) gurgelnder Slam/Brutal Death Metal sowie sonstige vergleichsweise klassisch instrumentalisierte Musik am Rande des Wahnsinns.

Zu Punkt 2: Hampeliger Neo-Elektronik-Unfug à la Avicii. Easy Listening mit Hawaiitapetenästhetik, Panflöten-Overkill und cheesy Synth-Pads. Die Art von Volksmusik, die durch Schlager bzw. Kirmes-»Techno« pervertiert ist (wie seit den 90ern im deutschen Fernsehen und nun in den Après-Ski-Hütten). Andrea Berg und Helene Fischer in ihrer sterilen Routine sowie dem perfiden Nebeneinander von Keuschheitsversprechen und Anbiederung.

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Lesermeinungen (9)

zu 'Sprich dich aus: Wo liegt deine musikalische Schmerzgrenze?'

  • P.Chris   05. Mrz 2015   14:19 UhrAntworten

    Auch wenn es gar nicht so mein Ding ist, aber gut abgemischten "Krach" (hinsichtlich Sound), von Experimental über Dubstep bis Death-Metal, kann ich durchaus auch mal länger ertragen.
    Wenn es aber an allen Ecken und Enden nur noch screamt und Overkilled ist, dann ist das für mich nur noch vorsätzliche Körperverletzung.
    Das hat nichts mehr mit künstlerisch interpretierten Krach zu tun, sondern einfach nur mit Mangel an know-how, wie man Krach noch halbwegs genüsslich hörbar erträglich macht oder ganz einfach "Musik von tauben Menschen für taube Menschen" ist !

    Hinsichtlich künstlerischen Aspekts, betrachte ich insbesondere strukturlose experimentale Musik, die in etwa mehr mit ersten musikalischen Gehversuchen oder durch Zufallsgenerator "verursachtes" Konstrukt zu tun hat, als regelrechte Belästigung nicht nur guten- sondern jeglichen Geschmacks.

    Nicht das man mich missversteht, denn ich mag durchaus experimentelle Musik, ob Klassik oder E-Musik.
    Sie muss aber eine besondere (oder sich mehrere wandelnde) Stimmungen und Ambiente erzeugen.
    Bei Experimentiermusik die nirgendwo hin führt und auch nicht weiß wo sie eigentlich hin möchte und einfach nur "irgendwas" ist und nach kreativer Einfallslosigkeit und einem umgekippten Sack Reis klingt, endet nicht gleich meine musikalische Toleranz, aber zumindest mein Horizont !

    Regelrechter Brechreiz und Kopfschmerz überkommt mich beim Einkauf in kleinen Supermärkten (vorzugsweise in Läden mit einem großen "E") und wenn dann dort zum Einkauf motivierend besagtes Après Ski-Gedödel, Kirmes-Techno und banalster Schmalzschlager über die Lautsprecher dröhnt und einen längeren Aufenthalt und somit größeren Einkauf in diesen Läden definitiv verhindert !

  • Merano   05. Mrz 2015   14:52 UhrAntworten

    In meiner Anfangszeit als Aufnehmer hatte ich mal eine Band zu Gast in meinem Studio, die irgendeinen HC/Punk/Aggro/Fressehauen machten. Wir nahmen die Stücke auf und manchmal fand ich zwar es zwar hart aber geil.

    Als es dann aber ans Mixen ging, musste ich aussteigen.

    Immer wieder diese ultra böse aggressiven Stereotypen, schlugen auf meine verfeinerten Gehörgänge - ich bekam fast einen Hörsturz.

    Ich beschloss, dann nie wieder was mit Bands zu machen, die Musik als Mittel empfinden, anderen wehtun zu wollen. Wirtschaftlich war das eine schlechte Entscheidung, weil im Regionalen Bereich ca 80% der Bands sich eher durch Brutalität als durch Musikalität definieren.

    Aber lieber arm und glücklich als reich und taub!

  • ORI$ON TIDE   05. Mrz 2015   15:02 UhrAntworten

    Hallo Musikfreunde!

    Ich kann mich der Felix'schen Meinung relativ passgenau anschließen. Wobei in Sachen Lärm bei mir evtl. noch einiges mehr geht, z.B. düsterste Industrialbeats mit krachenden, verzerrten Drums und Noisewänden. Allerdings weniger zum gemütlichen Hören auf der Couch als eher in der abgefuckten Fabrikhallendisco...

    Seit ca. 25 Jahren habe ich für mich Radio abgeschafft, weil da eigentlich nur Top100-Schrott kommt (ok, auch da gibt es ab und zu mal was Hörbares, aber dazu brauche ich kein Radio...). Leider muss ich aber doch manchmal beim Autofahren Radio "mithören" - und dann weiß ich wieder, dass meine Entscheidung damals absolut richtig war.

  • Condor   06. Mrz 2015   09:45 UhrAntworten

    Ja, das kann ich für mich auch so kommentieren, dass ich fast kein Radio mehr höre, auch beim Auto fahren nicht.
    Wozu auch, denn neue Impulse kann man dort nicht mehr bekommen und die Musikredakteure leiden entweder an Geschmacksverirrung, oder sind mit starken Auflagen gezwungen den ganzen Schrott der einem den Tag so richtig vermiesen kann, so zu präsentieren.

    Eine gesunde Mischung mit von allem Etwas bekommt heute wohl keiner mehr hin. Tolerieren sollte man eigentlich jede Art von Musik. Ob man sich dann persönlich dafür begeistern kann, ist eine ganz andere Sache.
    Ausserdem ist das wohl auch stark von Altersgruppen her abhängig.

    Persönlich bin ich schon ganz lange mit Musik unterwegs, und kann nur mitleidig lächeln über Kommentare, die sich in übelsten Schimpfkanonaden über Schlager wie Berg und Fischer ergehen.

    In keiner Branche sieht man so viele glückliche und zufriedene Menschen, wie bei Veranstaltungen bei denen diese Musik gespielt wird. Ob man es wahr haben will oder nicht: Der Schlager lebt und befindet sich weiter auf dem Vormarsch. Da sind mittlerweile so viele moderne Elemente drin enthalten.

    Das beginnt sogar die Jugend für sich zu entdecken.

    Hört Euch doch mal die Songs zu Auswahl des alljährlichen Song Contests an. Da wird einem kotz übel.
    Der einzige, der noch erträglich wäre, hat abgesagt.
    Na Hallo??????

    Condor

  • Mattes   07. Mrz 2015   08:27 UhrAntworten

    Das ist ja schon fast eine Steilvorlage um mal ordentlich über die Musik"industrie" vom Leder zu ziehen :), aber ich beherrsch mich, bis auf das:

    Die Überflutung mit "convenience" Mucke, wie z.B. oben erwähnter Kiddi-Tekkno-Schlager verursacht Würgereiz. Ist keine Kunst mehr, sondern gezielt auf bestimmte "Konsumenten" hinproduziert. Also gezielt Gefühle zu Manipulieren mittels des lymbischen Systemes um Kohle zu scheffeln. Bin da evtl. etwas übersensibel, aber ich werd aggressiv von dem Gedudel. Körperverletzung. Augen kann man zu machen, weghören is nich, es dringt ein ... :)

  • IrgendeinThomas   10. Mrz 2015   01:42 UhrAntworten

    Ich bin generell ein sehr wählerischer Musikhörer dem seine eigene Schmerzgrenze mal schnell erreicht ist. Das hat aber wie Condor erwähnt nichts mit Toleranz zu tun...ich toleriere jede Art von Musik außer wenn sie mit radikalen Liedtexten hasserfüllte Botschaften rüberbrigen soll. So hat natürlich auch Schlager seine Daseinsberechtigung, da sie viele Leute glücklich macht und mit harmlosen Botschaften daherkommt, aber für mich persönlich eine Garantie um bei mir Unwohlsein und Kopfweh zu erzeugen weswegen es auch mein Recht ist es für mich selbst abzulehnen. Ich denke es würde bei mir auch generell nicht viel Sinn machen Beispiele zu nennen wo meine Schmerzgrenze erreicht ist als eher Beispiele zu nennen wann ich mich warum für eine Musik begeistern kann denn das ist in Relation zur Gesamtmenge an existierender Musik sicherlich nur der Bruchteil. Ohne jetzt allzu sehr auszuschweifen ist für mich zum einen Kreativität sehr wichtig, so eintönige sich ständig wiederholende Musikstücke sind für mich totlangweilig, ebenso erwarte ich ein gutes professionell klingendes Arrangement und gewisses Know-How und Talent wie man interessante, abwechslungsreiche Harmonieverläufe erzeugt, falls elektronische Stilelemente vorhanden sollte eine gute, kreative Sound-Auswahl ebenso dazugehören welche gut zu den restlichen Klängen und Instrumente paßt - eventuell Liebe zum Detail hörbar statt oberflächlich, lieblos ausgewählte 0815-Klänge. Es sollte generell nicht einfach nur wie austauschbare Musik klingen weil andere Sänger und Musiker sowas schon in ähnlicher Form tausende Male so gemacht haben und dann letztendlich ein Ei dem Anderen ähnelt. Natürlich sollte dann auch die Klangqualität, der Mix auf hohem Level sein, aber sowas setze ich bei professionellen Produktionen sowieso voraus. Wie man sich vielleicht vorstellen kann findet man alles zusammen nicht so oft es sei denn man legt meine Kriterien viel zu schwammig aus.;-)
    Übrigens...der Einfachheit halber schreibe ich hier mein Feedback zum neuen Delamar-Design rein...ich fand es zuvor vorteilhafter all die Beiträge auf einmal auf der gleichen Seite zu sehen als zunächst irgendwo unten neu aufklappen zu müssen. Zuerst habe ich ja gedacht es hätte noch kein Einziger einen Beitrag dazu verfasst da erst nach diverse links und Bildchen ("relevante Artikel", "noch mehr dazu",...) ein Kästchen mit "5 Lesermeinungen" kam.

  • Kahlbert   13. Mrz 2015   15:24 UhrAntworten

    Schmerz und Nerv? Das ist einfach ...

    Nr. 1: DR << 8
    Nr. 2: Tee-Schmerz AutoTune

    • Felix Baarß (delamar)   13. Mrz 2015   16:32 UhrAntworten

      :D

  • fatman   13. Mrz 2015   16:03 UhrAntworten

    Meine Schmerzgrenze hat sich in 45 Jahren immer wieder geändert. Mein heutiger Standpunkt hätte nur temporäre Gültigkeit. Ich denke, Musik-geschmack hat auch etwas mit Weiterbildung und Reife zu tun. Anders sieht es bei Musiktexten aus. Alles was menschenverachtenden Charakter oder langweilig ist, hab ich noch nie gemocht. Dementsprechend habe ich auch kein Interesse an der meisten Musik aus der deutschen und auch angelsächsischen Schlagerecke, dem Hip Hop und den fanatischen Rechten und Linken.

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