Sprich dich aus: Kreativität versus Dienstleistung

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Umfrage: Sprich dich aus

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Dienstleistung vs. Kreativität

Die Extremzustände – 1.) das Leisten eines musikalischen oder tontechnischen Dienstes für andere Menschen sowie 2.) das gänzlich ungezwungene, eigensinnige Musikmachen, Jammen etc. – vermischen sich nicht selten sehr munter. Deine Gedanken und Gefühle zu ebenjener Mischung, die dein Musikerleben ausmacht bzw. wie sich diese Mixtur im Lauf der Zeit verändert hat, interessiert uns heute bei »Sprich dich aus«. Berichte den geneigten delamari, inwiefern Musikmachen, Audiobearbeitung etc. bei dir ein Handwerk ist, das Du zum Broterwerb erledigst, und wie sehr dich auf der anderen Seite das Kreative, Spielerische, Nicht-Zweckgebundene umtreibt.

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Bei mir ist es einfach: Vor allem schreibe, schreibe und schreibe ich über »everything audio« und Musik, mein Instrument ist also meist die Computer-Tastatur – übrigens mittlerweile so eine seltsam ergonomisch geschwungene, das tut dringend Not!

Wenn ich Klänge aufnehme, bearbeite, erzeuge, abmische oder arrangiere, mache ich das derzeit praktisch ausschließlich für delamar, was die professionelle Seite betrifft…während ich mich nach Feierabend einfach nur fallen lasse und gott sei Dank nie ein Stück fertigstellen muss. :) Da bleibt es eher beim Schrauben an Klängen in Echtzeit, beim Moment, der verweilen soll.

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Lesermeinungen (13)

zu 'Sprich dich aus: Kreativität versus Dienstleistung'

  • Sogyra   19. Mrz 2015   20:00 UhrAntworten

    Puh...schwieriges Thema. Beide Charaktere zu vereinen bedarf womöglich einer gehörigen Portion schizophräner Basis, oder auch nur um sie abwechselnd auszuleben.
    Dennoch gibt es glücklicherweise solche Menschen die beides können. Also sowohl künstlerisch veranlagt zu sein, als auch logisch denkend genügend Power zu haben, um die reale Ebene nicht zu sehr zu verlassen, wie das manche Künstler ja mehr oder weniger bewußt bzwt unbewußt eindrucksvoll beweisen können.
    Der beste ist der, der seinen Sound selber schraubt, das gesamte Paket selber schnürt, und am Ende auch noch Erfog damit hat....das ist natürlich nicht geschlechterbezogen und gilt selbstredend auch für SIE :)
    Ab den 70igern gabs da eine Menge Leute die das konnten...ab den 90ern gab es ganze Dekaden davon, doch aktuell nimmt die Zahl der hochpotenten Allrounder stetig ab. Wie man das begründen könnte, wäre ein eigenes Thema wert denk ich mal :)

  • IrgendeinThomas   20. Mrz 2015   01:47 UhrAntworten

    Ich bin absolut der kreative Mensch der es liebt seine Fantasie freien Lauf zu lassen, schon in meinem Kopf alle musikalischen Ideen, Gefühlswelten durchfliessen zu lassen zu ordnen bzw. zu selektieren um das was meinen Geschmack am besten überzeugt letztendlich in die Realität umzusetzen - leider gibt es ja noch keine Erfindung die es ermöglicht diese muskalischen "Gedankenströme" im Gehirn einzufangen und 1:1 umzusetzen denn dann begint nämlich schon der mühevolle Teil. Wobei es hier teils auch noch interessant sein kann wenn ich diverse Klänge ausprobiere, Ideen innerhalb der Komposition teste und mich freue wenn etwas aus meiner Sicht heraus funktioniert, auch noch Spaß an den meisten Dingen bei der Abmischung habe...lästig und trocken wird es wenn es um langwieriges EQ "herumgeschraube" und Editing geht (bei mir kommen meist etwas zwischen 50 und 100 Einzelspuren pro Track zusammen somit ist das manchmal nicht so der Brüller und nimmt schon etwas Zeit in Anspruch) Für mich ist dieser Teil dann wohl eher notwendiges Übel um zu einem für mich akzeptablen Gesamtprodukt zu kommen und kann somit auch nicht behaupten dass mir Musik machen ausnahmslos immer nur Spaß macht. Aber ich liebe den ersten Teil zu sehr um ihn mir von diesem vermiesen zu lassen. Ob es Menschen gibt die - im Falle sie setzen sich mit allen Produktionsschritten auch genau und ausführlich auseinander - alle Bereiche lieben bzw. ein sehr hohes Niveau darin erreichen kann ich nicht sagen, ich denke aber das bei den meisten Menschen eine bestimmte Gehirnhälfte ausgeprägter ist und somit in die eher logische oder mehr kreative Richtung tendieren, was sich dann zwar natürlich mit Mehraufwand kompensieren läßt aber trotzdem ein gewisses Talent und Vorliebe in eine der beiden Richtungen tendiert.

  • Beatpresse   20. Mrz 2015   10:14 UhrAntworten

    Hallo,
    ich finde es super spannend diese beiden Seiten zu vereinen. Tagsüber arbeite ich fürs Radio, schneide Veranstaltungen mit, denke über Pulte und Signalwege nach, finde mit dem Team Lösungen wegen Flatterechos oder Künstler und Künstlerinnen die Mikrofone von der Bühne kicken;).
    Abends gehe ich nach Hause und schreibe meine Songs weiter oder baue Beats. Anderen Künstlern und Künstlerinnen bei der Arbeit zu sehen inspiriert mich selbst weiterzumachen.
    Oder wenn ein Kunde/ eine Kundin kommt und sagt er/ sie wolle ein Musikstück für diesen oder jenen Zweck oder stelle sich den Sound in einer bestimmten Weise vor - dann liebe ich es mich in diesem Rahmen zu verwirklichen. Ich sehe mich als 100Prozentigen Dienstleister und stehe 1000prozentig hinter meinem Produkt: Musik, Klang, Ideen - Ton.
    Beste Grüße
    Martin

  • ORI$ON TIDE   20. Mrz 2015   14:46 UhrAntworten

    Ich kenne beide "Welten" recht gut.

    Zuerst spielte ich einige Jahre in einer Band. Im Laufe der Zeit kamen da jede Menge Know-how über Aufnahme etc. und auch Gerätschaften zusammen.
    Aber im Vordergrund stand das Musikmachen!

    Nach ein paar Jahren gründete ich dann mit ein paar Freunden ein Tonstudio. Eigentlich wollten wir so unser Hobby (das Musikmachen) finanzieren und quasi nebenbei mit dem Studio Geld verdienen oder zumindest die Kosten wieder reinkriegen. Allerdings hatten wir bald keine Zeit mehr zum Musikmachen, weil das Studio zum Hauptberuf wurde - und ich so vom Musikmacher zum Dienstleister. Das lief ca. 7 Jahre so. Leider wurden die Dienstleistungen aber immer einseitiger: Weniger "kreative" Musikaufnahmen mit Bands, sondern mehr und mehr Sprachaufnahmen und Klangcollagen für diverse Multimedia-Produktionen.

    Damit kam zwar Geld rein, aber der "Eintönigkeitsfaktor" wurde immer höher. Deshalb beschloss ich, das Studio aufzugeben und einen "seriösen" Job zu machen (mit relativ festen Arbeitszeiten) - und dadurch wieder Zeit fürs Musikmachen zu bekommen.

    Das klappt jetzt seit ca. 14 Jahren recht gut. Ich habe mir ein kleines Studio im Dachgeschoss eingerichtet und kann da wann immer ich (Frei)Zeit und Lust habe meinem Hobby nachgehen! Also wieder zurück vom reinen Dienstleister zum reinen Hobbymusiker.

    Ob man beides wirklich zur vollen Zufriedenheit unter einen Hut bringen könnte, weiß ich nicht. Bei mir hat's nicht geklappt, weil die Dienstleistung einfach immer mehr Zeit eingenommen hatte. Und wenn man noch ein bisschen Zeit für soziales Leben und Familie haben will, dann steht das Musikmachen in dem Fall leider hintenan.

    Gruß,
    Klaus
    (soundcloud.com/orisontide)

  • P.Chris   22. Mrz 2015   18:53 UhrAntworten

    Beides ergänzt sich in meinem musikalischen Geschehen wunderbar und ich entschied mich vor ein paar Jahren, alles auf eine Karte setzend, auch ganz bewusst und gezielt zu diesem Schritt: "Entweder bringt mir meine Musik Geld ein und/oder ich werde explizit dafür bezahlt, Musik zu machen !"

    Ich kann mir heute gar nicht mehr vorstellen, einfach nur so aus aus Spaß an der Freud zu klimpern, ohne nicht doch selbst den kleinsten kommerziellen Hintergedanken zu haben und sich meine Denkweise sehr stark auf meine ganze Art und Weise Musik zu machen, vom Musikverständnis bis hin zu technischen Fertigkeiten, ausgewirkt hat.
    Für mich jedenfalls brachte dies nur positive Aspekte mit sich.
    Nicht (nur) weil es um das Thema Geld ging, sondern weil dadurch auch diverse andere Ansprüche und Erfordernisse entstanden sind, die es zu meistern galt und ich auch andere in meinem Umfeld dazu bewog, an sich zu arbeiten und sich zu verbessern.

    Klar jammt und albert man hin und wieder einfach mal nur so rum und hat einen spaßigen Abend zusammen, aber wenn es dann wirklich darum geht, ernsthaft einen Song zu machen, ist mein 1. Gedanke "für wen" und der 2. Gedanke, "was bringt es mir/was kostet mich das" ?

    Kreativität und Broterwerb gehen da bei mir Hand in Hand und oft bleibt einem auch gar nichts anderes übrig wenn man im Hinterkopf behält, das man seine Unkosten und Rechnungen nicht durch haltlose Zeitverschwendung begleichen kann.

    • ORI$ON TIDE   24. Mrz 2015   13:18 UhrAntworten

      Wie du schon schreibst, hat sich das "sehr stark auf meine ganze Art und Weise Musik zu machen" ausgewirkt.
      Wenn sich das mit deinem Musikgeschmack vereinbaren lässt, sind das natürlich ideale Voraussetzungen!

      Mit dem, was ich an Musik machen will, weiß ich einfach, dass ich damit wohl nie kommerziell erfolgreich sein könnte. Bis auf wenige Ausnahmen war die Musik, die ich als Dienstleister komponieren, produzieren und aufnehmen/mischen musste, weit ab meines Geschmacks.

      Somit blieb für mich nur der Ausstieg aus dem Dienstleistungsbereich, um überhaupt wieder "meine" Musik machen zu können. Völlig ohne "Kommerzzwang" (möglich dank eines gut bezahlten Jobs).

      Insofern: Glückwunsch, dass das bei dir so gut zusammen passt!

      • P.Chris   26. Mrz 2015   00:10 Uhr

        Hallo Ori$on,

        bei mir hat sich das hinsichtlich meines Musikgeschmacks und Kreativität schon in frühester Jugend ausgeprägt.
        Durch meine Eltern, Geschwister und Freunde wurde ich mit verschiedenen Querbeet-Musikgenre konfrontiert. Von Filmmusik, Jazz, Rock`n Roll, Pop, Klassik, Oper, Hard Rock, R´nB, Soul, Bossa Nova, Disco, Schlager, Hip-Hop, World&Ethno Music, Raggae usw. und mein Interesse schon immer galt, diverse Stilistiken kombinieren, bzw. in ihren Wurzeln und Schaffensweisen im Ansatz verstehen zu wollen.

        Schon in insoweit damals noch jungen Jahren (18) war mir bewusst, das meine musikalischen Versuche in einer Band und Projekte mit Mitmusikern usw. mich regelrecht einschnürten und einengten und ich damals schon sehr stark mit kommerziellen Gedankengut in Berührung kam. "Entweder man hat eine Linie, die sich verwertbar in barer Münze an den Mann bringen lässt oder man macht mal dies und das und niemand weiß, damit etwas anzufangen und gibt keinen Heller auf das, was man so macht !"

        Weil ich mich aber nie ganz auf ein Genre festlegen wollte und auch nicht konnte, wurde mir schnell bewusst, das ich als "festgefahrener Genre-Musiker" meine persönliche Erfüllung nie finden werden würde.
        So entschied ich mich nach einigem Gerangel mit mir selbst, für die Film- und Productionmusic, in der ich mich in jedwede Richtung austoben und ausleben konnte.
        Damals war das sehr viel schwerer und noch um Welten "unlukrativer" (uninteressanter), Filmmusik zu machen- aber irgendwann und insbesondere Heutzutage, haben sich die Zeiten verdammt geändert... und ich bin darüber auch recht froh, weil ich damals schon vorausschauend empfand und (im Nachhinein) anscheinend richtig dachte.

        Ich müsste heute zigtausend von 0,99 $ Single-Tracks mit 0,4 % Anteil verkaufen (abgesehen davon, ich wäre angesagter U.S.-Star im 2. Jahr/Album), um auch nur ansatzweise meine üblichen Fixkosten wie Miete, Strom und halbwegs aufgefüllten Kühlschrank zu begleichen (geschweige hinsichtlich einer mind. 3-köpfigen Familie).

        Für mich war das letztlich eine ganz simple Rechnung: Entweder gehe ich in den Dienstleistungsbereich (Auftragsmusik) oder ich erfreue mich daran, das mir meine Freundin und Kind 1xMal in der Woche für ein paar wenige Stunden gewährt, einem Hobby (Musikmachen) zu frönen... und immer die Frage im Hintergrund steht:"Wozu machst Du das denn überhaupt ?" (Auch wenn SIE das anfänglich mal ganz cool und süß gefunden hat...sobald es ums Geld geht, ist bei JEDER Frau irgendwann der Grad an Toleranz erreicht !)

        Ich denke aber DAS ist einer der wesentlichen Unterschiede hinsichtlich allem, was man tut... entweder, weil es EINEN glücklich macht- oder weil es ALLE glücklich macht (die mehr /oder weniger/ von deinen gebacken Brötchen abhängig sind und IRGENDWANN auch verstehen, dass das nicht nur einfach ein Hobby ist (ist es natürlich trotzdem bei all dem beruflichen Stress), sondern ein respektiv anspruchsvolles und forderndes Handwerk... von dem man sich und andere finanziert.

        Wenn man so langsam in die Jahre kommt und die Frage auftaucht, WOZU man die Dinge überhaupt so macht und weswegen man dafür soviel Energie investiert- und nicht selten auch auf einiges verzichtet ?
        Dann kommt man irgendwann zu der Erkenntnis, das man die Dinge letztlich eben doch nicht alleinig nur für sich selber macht !
        Musik ist zwar vielerlei- insbesondere um seine eigene Emotionen und Gedankenwelt auszudrücken, aber letztlich ist Musik, bzw. Kunst doch immer etwas, das man insbesondere für andere Menschen macht (sei es für die Freundin/Freund/Kumpels/Anerkennung usw)- und diese sich daran erfreuen können... und unterm Strich ist Musikmachen stets eine Art Dienstleistung... die Einen bekommen sie halt als liebe Aufmerksamkeit geschenkt...und die Anderen müssen halt dafür bezahlen (das klingt ja fast schon unmoralisch).

        So ist das aber halt im Leben: "Man bezahlt dich nicht dafür, indem du die Dinge verschenkst- und (fast) jedem ist auch nur wichtig, das der eigene Kühlschrank voll ist !"

        Ich wünsche Dir jedenfalls (und das ist auch generell DAS wichtigste- in welcher Art und Weise auch immer), das Deine Musik Dich und die Menschen glücklich und zufrieden macht !... und es auch ganz schön ist, mit dem was man selber macht und machen möchte, den einen und anderen Taler zu verdienen ;-)

  • Wirgefuehl   23. Mrz 2015   08:16 UhrAntworten

    Interessante Lebens(ver)läufe und Ansichten hier...

    Wir machen Musik in erster Linie aus Spaß an der Freud und für uns selbst, freuen uns natürlich aber auch, wenn sie gehört wird. Wir haben auch schon ein paar Releases, Geld aber noch nie gesehen. Ich glaube auch nicht so recht daran, dass wir mit unserer Musik unseren Lebensunterhalt verdienen könnten - zumindest nicht durch Track-Verkäufe.

    Aber es gibt durchaus Überlegungen, wie wir unser Schaffen monetarisieren können. Schulungen, Musik für Videos, ein blog wie delamar... :) "Auftragsmusiker" möchten wir aber keinesfalls werden. Da fehlte uns die Kreativität.

    • Sogyra   23. Mrz 2015   20:07 UhrAntworten

      Da stellt sich doch zwangsläufig die nächste Frage: Warum machen wir Musik?
      Auftragsmusiker möchte ich auch keiner werden...mir passt kein Röckchen und Lippenstift gg
      P.S.: kann es sein, das wir uns schonmal im V-Forum gesehen haben? LG Wolfgang

      • Wirgefuehl   24. Mrz 2015   14:20 Uhr

        Genau, warum eigentlich? :)
        Mir kommt es gar nicht so sehr auf das Produkt an, für mich hat musizieren eine ganz stark explorative Komponente. Da kann ich eintauchen in die Technik, Musiktheorie, in Klangwelten und Beatbasteleien...
        Aber mein Musikkumpan sieht das anders, er möchte sein in Equipment investiertes Geld gern wiedersehen. Ist ja auch nicht wenig...

        V-Forum? Sagt mir nichts... Geht es da um Außerirdische oder Autos? :)

  • Sogyra   24. Mrz 2015   15:36 UhrAntworten

    V-Forum=Vengeance-Forum...dort gabs/gibts auch einen "Wirgefühl"

    • Wirgefuehl   26. Mrz 2015   11:05 UhrAntworten

      Ah, wieder so ein Trittbrettfahrer, der Anteil an unserem Ruhm und Erfolg haben will... :) :) :)
      Nein, das Forum kannte ich nocht nicht...

  • meryem   29. Mai 2016   16:19 UhrAntworten

    ich liese nicht su gerne also ich habe das nicht gelisen endcholdegung.

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