Musikbusiness: Was ist ein Netlabel?

Musikbusiness: Was ist ein Netlabel?

In erster Linie ist ein Netlabel nichts anderes als ein althergebrachtes Musiklabel. Der Unterschied liegt in der Vertriebsform der Musik. Während die herkömmlichen Musiklabel (oder kurz: Label) Musik auf CD, DVD, bluRay, etc. pressen und dann über den Fachhandel vertreiben, kannst Du die Musik eines Netlabels in erster Linie über das Internet beziehen (daher auch das [Inter])NETlabel). Netlabel werden daher auch gerne als Netzlabel oder virtuelles Label bezeichnet. Die Aufgabe eines Netlabels ist der Vertrieb der angebotenen Musik sowie das Musikmarketing und Promotion der Künstler.

Du kannst Netlabel aufgrund ihrer kommerziellen Ausrichtung unterscheiden. Zum einen gibt es Netlabel, die “freie Musik” anbieten, d.h. GEMA-frei und kostenlos. Andere Ausprägungen sind kommerziell ausgerichtet, habena also Gewinnabsichten.

“Netlabel” Synonyme

Web-Label / Netaudio-Label / MP3-Label / Online-Label / Netzlabel / Digital-Label / Virtuelles Label

Wie eingangs erwähnt, an jeder Ecke des Internet kannst Du ein Netlabel oder ein eine Webseite, die sich als Netlabel selbst zu erkennen gibt, finden. Obwohl alle sich selbst denselben Namen geben, gibt es nur wenig Deckungsgleichheit was die Rollenverteilung, Funktionen und Aufgaben eines solchen Dienstleisters angeht. Noch undurchdringlicher wird es schliesslich in den rechtlichen Belangen wie AGB und Verträge.

Manches Netlabel agiert nur als eine Art Mittelsmann zwischen Dir und anderen digitalen Aggregatoren. Andere Netlabel geben sich hingegen richtig Mühe und schaffen es mit Leichtigkeit, Deine Musik an den Fan zu bringen und erreichen damit eine eigene Zielgruppe (die sonst vielleicht nur schwer oder gar nicht zu erreichen wäre). Gerne wird auch eine kleine Gebühr für die eigenen Dienste erhoben oder ein kleiner Prozentsatz am Umsatz abgeknappst. Was bei zuletzt erwähnten Ausprägungen von Netlabel als nur gerecht erscheint, könnte bei den anfangs besprochenen Angeboten als leicht unverschämt gesehen werden. Oft können die größeren Anbieter nämlich auch direkt mit der eigenen Musik bemustert werden.

Was macht ein Netlabel?

Ein Netlabel bietet aber vor allem einen alternativen, zumeist sehr einfachen Weg für Dich, ein Album (EP, Single, Track, etc.) zu veröffentlichen. Hierbei übernimmt das Netlabel den administrativen Teil der Arbeit, während Du selbst Dich auf den kreativen und musikalischen Part konzentrieren kannst.

Vielen Netlables ist gemein, dass sie nur digital veröffentlichen (oft als MP3 zum Download). Aber es gibt einige Netlabel, die auch CDs und sogar Vinyls veröffentlichen, also ganz ähnlich wie Label im herkömmlichen Sinn.

Die Netlabel und das Urheberrecht

Wie kaum anders zu erwarten unterscheiden sich auch hier die unterschiedlichen Netlabel sehr stark. Im amerikanischen Raum gibt es das ein oder andere Netlabel, das sich in Sachen Copyright und Urheberrecht an die Bräuche und Sitten herkömmlicher Label hält. Soll heissen, dass man dort versucht, möglichst viele (Nutzungs-) Rechte an sich zu ziehen. Hier in Deutschland gilt aber immer: Das Urheberrecht ist unveräusserlich. Oder in einfachen Worten: Dein Song gehört für immer Dir, Du kannst lediglich die Nutzungsrechte an Deiner Musik abtreten.

Viele Netlabel nutzen in der Zwischenzeit die Creative Commons Lizenz in unterschiedlichen Ausprägungen. Dabei kann man praktisch jede Schattierung finden, während andere sehr progressiv an die Sache herangehen.

Einige Netlabel

Hier sind zwei Netlabel, die wir hier auf delamar in der Vergangenheit vorgestellt haben:
Dooload
Feiyr

Netlabel sind ein Geschäft

Bevor Du einen Plattenvertrag bei einem Netlabel unterschreibst, musst Du dir im Klaren sein, dass ein solches Netlabel auch nur ein Geschäft ist. Das bedeutet, dass es bei allem Idealismus und bei aller Liebe zur Musik eben auch Geld erwirtschaften muss und wird. Deshalb solltest Du immer alle AGB, Verträge und sonstiges Kleingedruckte sehr genau durchlesen, um Dir böse Überraschungen zu ersparen.

Im traditionellen Musikbusiness ist es ja Usus, dass das Label die Rechte an den Masters behält. Die Master sind die fertig produzierten Bänder mit der aufgenommenen, abgemischten und gemasterten Musik. Manche Netlabel (zumindest im amerikanischen Hoheitsgebiet) versuchen auch hier, den Daumen draufzulegen.

Bei traditionellen Label geht es hier um Risikominimierung (und/oder Gewinnmaximierung), da sie im Vorfeld zumeist hohe Kosten für die Entwicklung des Acts oder der Band sowie für das Pressen der CD hatten. Bei einem traditionellem Release fallen nach den relativ hohen Fixkosten zu Anfang später nur wenig laufende Kosten an.

Bei einem Netlabel ist es anders: Dieses hat oftmals gar keine Fixkosten zu Anfang (vor allem, wenn dort nur fertige Musik zur Veröffentlichung eingesammelt wird) und auch die laufenden Kosten verhalten sich überschaubar. Meist fallen letztere für die Mitarbeiter, den Betrieb eines Büros, der Webseite und natürlich dem Musikmarketing sowie der Administration des ganzen Geschäfts an.

Wozu brauche ich ein Netlabel?

Oder anders gefragt: Was kann ich von einem Netlabel erwarten? Vor allem kannst Du eine Menge Erfahrung und Expertise bei der Veröffentlichung von Musik erwarten. Wenn Du es auch noch schaffst, bei einem bekannten und renommierten Netlabel unterzukommen, so profitierst Du zusätzlich von dessen Image.

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Ein gutes Netlabel wird Dir also nicht nur die Veröffentlichung Deiner Musik deutlich vereinfachen, es wird Dir helfen, den Absatz Deiner Musik zu vervielfachen oder zumindest zu steigern.

Nichtsdestotrotz: Bevor Du einen Vertrag mit einem beliebigen Netlabel schliesst, solltest Du alle möglichen Informationen zu diesem einholen. Lass einen Anwalt das Vertragswerk prüfen (die Kosten hierfür halten sich meistens im Rahmen) oder, wenn Du wirklich kein Geld für einen Anwalt hast, lies Dir alles selbst durch und stelle Fragen. Nur weil ein Vertrag in Form eines Onlineformulars daher kommt und Du lediglich ein kleines Kästchen ankreuzen musst, heisst das nicht, dass der geschlossene Vertrag nicht bindend ist.

Lesermeinungen (14)

zu 'Musikbusiness: Was ist ein Netlabel?'

  • paul
    20. Aug 2009 | 12:41 Uhr Antworten

    super Artikel
    eine liste von netlabels wär auch interesannt=)

  • Thomas
    20. Aug 2009 | 13:48 Uhr Antworten

    Hallo,
    finden deinen Text in punkto Netlabel-Juristerei etwas übertrieben. Da die meisten Netlabel ihre Musik kostenlos unter CC-Lizenzen anbieten, erübrigt sich diese meistens.
    Apropos kostenlos: Stichwort ‘Netlabel sind ein Geschäft’, so heißt es bspw.

    -auf Wikipedia:
    “Netlabels sind Musiklabels, die ihre Musik primär über das Internet vertreiben. Häufig sind es selbstorganisierte, nicht kommerzielle Do-It-Yourself-Projekte [...] die in aufbereiteter Form[...] Musik über das Internet zur Verfügung stellen.”

    -auf netlabels.de:
    Netlabels sind virtuelle Musiklabels. Netlabels vertreiben Musik in Form von digitalen Dateiformaten – in der Regel als MP3, Ogg Vorbis oder FLAC.[...]
    In der Regel vertreiben Netlabels die eigene Musik frei unter Verwendung einer Creative Commons-Lizenz. Das bedeutet Netlabels bieten dem Besucher kostenlose Musik-Downloads an und erlauben dem Zuhörer die Weitergabe der Musik.

    -und auf irights.info:
    Im Gegensatz zu klassischen Plattenfirmen wird die Musik jedoch fast ausnahmslos kostenlos zum Download angeboten. Ihr Geld verdienen die Online-Musiker über DJ-Sets und Live-Auftritte.

    Wobei ich keinesfalls bestreite das es auch kommerzielle Netlabel gibt, nur eben (noch) nicht in der Mehrheit ;-) und hier sollte man natürlich genauer hinschauen, was man dort unterschreibt.

  • Stefan
    21. Aug 2009 | 07:40 Uhr Antworten

    Netlabel haben einen großen Nachteil: da es kein Risiko gibt, wird der Markt von ihnen überschwemmt. Also folge interessieren sich die meisten Musikhörer gar nicht für Netlabels. Mehr ein kleiner Stamm von Musiknerds die heiß drauf sind neue Musik zu entdecken. Auch wenn die Musik dann oftmals weniger interessant ist als herkömmliche und natürlich oftmals in einer schlechteren Qualität vorhanden ist.

    Deswegen konnten sich Netlabels leider nicht so etablieren, wie man es Anfangs sich erhofft hat. Wahrscheinlich werden sich auch in Zukunft der größte Teil der Musikkonsumenten leider nicht für Netlabels interessieren.

    Greetings
    Stefan

  • eden
    21. Aug 2009 | 12:08 Uhr Antworten

    Interessanter Artikel.

    Eine kleine Anmerkung zum Begriff Netlabel: “Netlabel” bezeichnet eher Labels die Musik unter CC-Lizenzen bereitstellen. Kommerzielle Labels die ausschließlich im Internet Musik vertreiben werden oftmals Digitallabels genannt. So wird es zumindest in Meiner Umgebung gehandhabt und ich finde diese begriffliche Unterscheidung aus Konsumentensicht sinnvoll.

  • Carlos (delamar)
    21. Aug 2009 | 12:42 Uhr Antworten

    Danke für die Kommentare, da macht das Schreiben gleich doppelt Spaß!

    Ich habe jetzt unter dem Begriff Netlabel alle virtuellen Label zusammgefasst und dabei auch diese inbegriffen, die ihre Dienste kommerziell anbieten.

    Ich finde eine Unterscheidung, wie eden sie vorschlägt, durchaus sinnvoll – das Problem für den User ist aber ein anderes: Wie nennen sich diese Label/Netlabel/Netzlabel/Digitallabel denn selbst?

  • Ben
    21. Aug 2009 | 14:02 Uhr Antworten

    Danke für den interessanten Artikel. Obwohl ich auch eher geschätzt hätte, dass ein Netlabel kostenfreie (oder gemafreie) Musik anbietet ist es immer gut zu wissen, das es auch andere gibt.

  • eden
    24. Aug 2009 | 11:42 Uhr Antworten

    “Wie nennen sich diese Label/Netlabel/Netzlabel/Digitallabel denn selbst?”

    Das ist bei den Kommerziellen leider sehr unterschiedlich und damit wirklich verwirrend. Daher ist es meiner Ansicht nach auch notwendig, wenn innerhalb der Musikberichterstattung die Begriffe strickt getrennt werden. Wenn ein Großteil der Blogger, Reporter und Journalisten die Begriffe trennt, wird sich das manifestieren.

    Im Forum (techno-house-electro.de) machen wir das schon seit ein paar Jahren. Dort darf in den Netlabelkategorien nur CC-Musik besprochen werden. Neulich ist mir auch beim Lesen der Groove aufgefallen, dass in einem Artikel der Begriff Digitallabel für den kommerziellen mp3-Verkauf verwendet wurde.

    Da das Ganze noch ziemlich neu ist, ist es klar, dass die Begriffe noch unscharf sind. Letztendlich sagen sie das aus, wozu sie von der überwiegenden Mehrheit verwendet werden.

  • Thomas
    24. Aug 2009 | 17:01 Uhr Antworten

    Sehe ich ähnlich wie eden.

    “Wenn ein Großteil der Blogger, Reporter und Journalisten die Begriffe trennt, wird sich das manifestieren.”
    Hätte man damals mit Techno auch machen sollen. Ich krieg immernoch eine Gänsehaut, bei dem was alles unter den Medienbegriff Techno fällt…
    Zurück zum Thema. Wie sieht es aber bei Hybridlabeln, wie bspw. Archipel aus? Diese bieten ihre Tracks zunächst kostenpflichtig in den gängigen Web-Shops an und nach einer gewissen Zeit kann man sie dann kostenlos laden…Somit ja eigentlich kein “klassisches” Digitallabel.

    • Carlos (delamar)
      25. Aug 2009 | 09:30 Uhr Antworten

      Auch ein interessantes Modell. Wobei ich mir wahrscheinlich schon veräppelt vorkäme, wenn ich gestern etwas für ein Musikstück gezahlt habe und heute kann es jeder kostenlos bekommen.

  • eden
    25. Aug 2009 | 12:21 Uhr Antworten

    Warum würdest Du Dir dann veräppelt vorkommen? Wenn man es möchte, kann man ein Musikstück fast immer ohne zu bezahlen bekommen. Das ist je nach Betrachtungsweise der Fluch oder Segen des Internets. Musikkauf ist schon lange eine Einstellungsfrage. Man bezahlt und freut sich den/die Künstler unterstützt bzw. das Gesetz geachtet zu haben. Sonst würde man sich ja bei jedem gekauften Musikstück ärgern, weil man es hätte auch Raubkopieren können.

    Das Modell von Archipel finde ich daher garnicht so verkehrt. Der ehrliche Musiknutzer kann sich einen Zeitvorteil kaufen und das Label kann die Konsumentenrente abschöpfen. Nach einer Zeit sinkt in der Regel eh das Interesse an der Veröffentlichung. Dann wird der Absatz nochmal durch die Preissetzung auf Null angekurbelt und das Release als Promo für Künstler, Label und somit für die noch kostenpflichtigen Veröffentlichungen verwendet.

    Letztendlich muss sich jeder Musikschaffende das für ihn passende Geschäftsmodell suchen. Dazu muss man sich freilich seiner Ziele bewusst sein, seine Zielgruppe kennen und die Rahmenbedingungen im Auge behalten. Zum Beispiel kann sich ein Plattenvertrag mit Gemamitgliedschaft bei einer kleinen (Hobby-)Band negativ auf die Auftrittsmöglichkeiten auswirken, weil Kleinbühnen die Gebühren nicht zahlen können/wollen. Für andere kann es vorteilhaft sein, die Musik digital als Promo zu verschenken (oder gegen eine freiwillige Gebühr an zu bieten) und auf Konzerten sowie im Fanshop zusätzlich physische Tonträger zu verkaufen.

  • sally
    01. Sep 2009 | 13:44 Uhr Antworten

    welche netlabels sind gut?

  • Carlos (delamar)
    05. Sep 2009 | 23:17 Uhr Antworten

    @eden
    Es geht ja nicht darum, die Musik für lau zu bekommen. Aber was ich bei elektronischen Geräten als normal empfinde (sinkende Preise), scheint mir unpassend (für mich) bei Musik oder anderen Informationsprodukten.
    Natürlich ist das ein sinnvolles, wenn nicht gutes Modell.

    Das aktuelle Musikbusiness sieht auf jeden Fall so aus, wie Du es skizzierst: Jeder Musiker muss sich sein eigenes Geschäftsmodell aussuchen. Und jeden Tag findet ein weiterer Feingeist einen neuen Weg, ein neues Modell.

    @sally
    Eine berechtigte Frage nach einem guten Netlabel, die ich an die Leser weitergeben möchte. Wer kennt gute Netlabel und warum sind diese gut?

  • eden
    06. Sep 2009 | 00:27 Uhr Antworten

    Die Frage des (angemessen) Preises für Informationsgüter finde ich persönlich ziemlich interessant. Oder besser gesagt die Preisfindung im Markt. Da die Grenzkosten der Bereitstellung digitaler Medien gegen Null tendieren (unendlich oft kopierbar) nähert sich der Wettbewerbspreis ebenfalls Null an. Das heißt letztendlich, dass man seine Kunden davon überzeugen muss, trotzdem (also freiwillig) etwas für das Produkt zu bezahlen.

    Für Musiker und Komponisten bedeutet das, dass sie auf Fans angewiesen sind, die aus Überzeugung den/ die Künstler unterstützen. Jetzt stellt sich die Frage, wie man Fans gewinnt und wie man seine Musik am besten verbreitet. Ist man nicht bekannt, wird es schwer auf sich aufmerksam zu machen. Man ist einer unter vielen…

    Das “Gut” Musik ist durch die Digitalisierung endgültig ein tendenziell unerschöpflich verfügbares Massenprodukt geworden. Die Konkurrenz unter den Anbietern ist hoch, selbst unter denen die eine hohe objektive Qualität bieten. Setzt man letztere voraus bleiben für die Absatzsteigerung nur noch die Stellschrauben Preis und der Versuch das subjektive Qualitätsempfinden der Konsumenten zu manipulieren.

    Verfügt man nicht über die Mittel eine Werbekampagne durchzuführen, wird es schwer. Um als weitgehend Unbekannter ein unbekanntes Musikstück an den Mann oder die Frau zu bringen, sollte man die beim Konsumenten anfallenden Beschaffungskosten so gering wie möglich halten. Das sind der Verkaufspreis und die Suchkosten (z.B. Zeitaufwand). Beide aufsummiert müssen kleiner gleich dem von den vorhandenen Informationen abhängigen erwarteten Nutzen des Konsumenten sein.

    Zunächst sollte man sich vor Augen halten, dass es zwei Grundtypen von Nachfragern gibt. Innovatoren und Imitatoren. Innovatoren sind die erste Generation von Kunden, die relativ eigenständig auf den einzelnen Track / die EP / das Album gestoßen sind. Imitatoren ist der Nachfragerkreis, der sich an den Empfehlungen der Innovatoren und anderer Imitatoren orientiert. Also die Musik schon von irgendwo anders her kennt, bevor er sich zum Download entscheidet. Beispiele: Musik wurde im Radio, im Klub oder bei Freunden gehört, bzw. wurde von vertrauten Quellen empfohlen

    Es ist offensichtlich, dass die Imitatorennachfrage von der Innovatorennachfrage und von sich selbst abhängig ist. Es gilt also zu Beginn so viele Innovatoren wie möglich zu erzeugen, um eine sich selbst tragende Imitatorennachfrage zu generieren.

    Was beeinflusst die Nachfrager und besonders ihre Zahlungsbereitschaft? Ein Teil der Nachfrager ist offensichtlich bereit freiwillig für das Gut „Musik“ zu bezahlen. Anders sind die Existenz und der Erfolg der kommerziellen Onlineanbieter nicht zu erklären. Es besteht ja immerhin die einfache Möglichkeit das Copyright zu brechen und die Musik illegal kostenlos zu beziehen – bei Vergleichsweise geringem Risiko. Für den Nachfrager muss also irgendein Mehrwert darin bestehen für Musik zu bezahlen. Sei es das Argument technischer Qualität der Files, sei es das Gefühl den Künstler unterstützt zu haben, oder sei es aus Kosten/Nutzenabwägungen. Denn auch dem Nachfrager entstehen Kosten. Vor allem in Form von Zeit. Suchkosten sind ein nicht zu vernachlässigender Faktor.

    In der scheinbar unendlichen Masse „Musik“ das Richtige und Passende zu finden ist mühselig. Betrachtet man das Suchen als Investition des Kunden, so muss das gefundene Produkt in der Lage sein, die Kosten des Nachfragers abfangen zu können. Also der Nutzen aus dem Musikstück muss am Ende höher sein, als die zuvor aufgewendeten Kosten. Die Suchkosten der Innovatoren sind folglich eindeutig höher als für Imitatoren. Imitatoren wissen schon welche Musikstücke sie wollen und können dementsprechend gezielt das Produkt nachfragen. Sie wissen schon vorher was sie erwartet, somit ist das Risiko enttäuscht zu werden sehr gering.

    Bei Innovatoren erfolgt die Abrechnung erst beim Verbrauch. Das bedeutet wiederum, dass der Kauf von Musik mit dem Risiko behaftet ist, nach dem Kauf mit dem Produkt unzufrieden zu sein. Der Innovator versucht für sich das Risiko (die Kosten) zu minimieren, indem er sich im Chaos des Angebots Orientierungspunkte (z.B. Bekanntheit des Künstlers / Labels) sucht, sowie eine Relation zwischen eigenen Aufwand und Preis des Musikstücks aufstellt. Die Summe aus den Kosten auf der Nachfrageseite und dem Preis des Musikstückes darf folglich nicht höher sein, als der persönliche Nutzen aus der Musik.

    Konsequenzen für den Anbieter aus den Eigenschaften der Nachfrager
    Hauptziel des Anbieters muss die Herstellung und die Befriedigung der Innovatorennachfrage sein. Wie oben dargestellt sind ausgerechnet bei dieser Gruppe die Suchkosten (und somit ihr Risiko) am höchsten. Desweiteren haben Innovatoren eine gestaffelte Wertigkeit. Es ist klar, dass ein DJ der die Musik im Club vorspielt oder ein Redakteur der Rezessionen schreibt mehr potentielle Imitatoren erreichen, als jemand der im stillen Kämmerlein für sich allein die Musik konsumiert.

    Es ist also eine Aufgabe des Anbieters Innovatoren auf das Produkt aufmerksam zu machen, das gefühlte Risiko der Innovatoren zu verringern und die entscheidenden Innovatoren für sich zu gewinnen. Das Feld der möglichen Maßnahmen ist weit und reicht von der Markenpflege des Labels und Künstlers über Vorhörfunktionen und Promos bis hin zu viralen Marketingstrategien und Guerillamarketing.

    Unter Umständen verursacht die Werbung um die Innovatoren enorme Kosten, zumindest wenn man den Preis der physischen Produkte auch im digitalen Sektor aufrecht erhalten möchte. Viel Werbung heißt aber nicht, dass aus dem Lied auch generell ein Verkaufshit wird. Desweiteren ist es auch nicht einfach die passenden Innovatoren anzusprechen. Welcher Innovator ist ein passender Promoter für die Musik? Die gezielte Suche oder das Anwerben der Innovatoren kann folglich sehr kostenintensiv sein.

    Es ist unter Umständen günstiger dafür zu sorgen, dass sich die Mehrzahl der Innovatoren die Musik selbst besorgt. Entscheidende Stellschraube ist folglich der Preis der Musik. Je geringer der Preis, desto mehr Nachfrager der ersten Generation entscheiden sich für den Kauf. Die Suchkosten und der Verkaufspreis müssen verringert werden um die Innovatoren zu erreichen. Bekanntmachungen neuer Veröffentlichungen durch Newsletter, die Pflege der Marken „Künstlername“ und „Labelname“, sowie die Möglichkeit des Vorhörens sind Minimalanforderungen. Man bedenke, dass dies nicht ausreicht. Die geeignetsten Innovatoren sind durch die Überinformation immer noch übersättigt. Die Suchkosten fallen dort schon bei den E-Mails an. Entweder man lässt Vitamin B spielen und promotet über das eigene Netzwerk oder man konzentriert sich auf die breite Masse aller Innovatoren.

    Völlig unbekannt und mit niedrigem Werbeetat ist es somit die beste Variante die Musik per se zu verschenken und darauf zu vertrauen, dass Teile der Innovatoren zu Promotern werden. Zum Beispiel in dem sie die Musik in Foren vorstellen und Playlists von Mixsets aufnehmen etc. Preis gleich Null ist somit eine Marketingdoktrin.

    Aber wie trotzdem Einnahmen erzielen?

    Ich bin der Ansicht, dass es für die Musiker und Weblabels der Zukunft am besten ist, die Einnahmen nachgelagert zu generieren. Die Musik dient als Promotool, die dem Kunden kostenlos zur Verfügung gestellt wird und einzig zur Stärkung der Marken „Musiker“ und „Label“ dient.

    Musiker werden ihr Geld u.a. durch Auftritte, Fremdwerbung, Sponsoring, Merchandise und Spenden verdienen.

    Labels sollten sich als Dienstleister für die Musiker und Konsumenten gleichermaßen verstehen. Das notwendige Geld wird durch Fremdwerbung auf der Internetseite, Sponsoring, Spenden, Gebühren die von den Musikern verlangt werden und dem Verkauf von Bonusprodukten verdient. Je besser das Label auf die Bedürfnisse der Zielgruppe eingeht und das Label als verlässlicher Filter fungiert, desto größer werden die Erfolge und somit die Bekanntheit und die nachgelagerten Einnahmen sein.

    Welches Geschäftskonzept am gewinnbringendsten ist, dass liegt ganz in der Art und Weise der Organisation der Promotion. Eins steht jedoch fest. Verwertungsgesellschaften á la gema sind eher eine Behinderung für neue Konzepte. Die Musik muss befreit werden. Das Copyright muss so locker wie möglich sein. Daher sehe ich einen Vorteil in der CCL.

    @all: Zu den “guten Netlabels”: Musik ist immer auch eine Frage des persönlichen Geschmacks. Bei mir liegt er vorwiegend im Bereich der elektronischen Musik. Da ich jetzt keine elend lange Liste von Labels aufzählen möchte und die Realeases sich ja, wie bei jedem anderen Label auch, unterscheiden, verweise ich hier mal auf folgendes Forum: http://www.techno-house-electro.de/netlabel-releases/ Wer ein wenig darin stöbert, findet sicher einige gute Perlen.

  • Benny
    10. Sep 2009 | 13:51 Uhr Antworten

    Hallo zusammen,

    um das Ganze noch von der anderen Seite zu beleuchten: Wie sieht es bei Gründung eines Digitallabels (also mit kommerziellen Absichten) mit der Beantragung eines Labelcodes bei der GVL aus?
    Mein derzeitiger Halbwissensstand: Voraussetzung zur Vergabe eines LC ist zumindest eine PHYSISCHE Veröffentlichung, sprich Pressung von CDs oder Schallplatten – was ein Digitallabel natürlich nur schwerlich vorweisen kann. Trotzdem ist die GVL bei Nutzung der Stücke in TV/Radio doch essentiell. Oder etwa nicht?
    Vielleicht ist die Antwort auf meine Frage auf den Internetseiten der GVL zu finden. Dann jedoch schwierig.

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