MusikBiz: Voraussagen für 2009

MusikBiz: Voraussagen für 2009

Wir alle möchten nur zu gerne wissen: Wo geht die Reise hin? Was können wir für uns selbst, unsere Projekte oder Bands in 2009 erwarten und was wird sein? Wie kann ich Musik Geld verdienen? Oder schlicht: Was wird passieren?

Jerry Del Colliano kann zwar nicht in die Zukunft schauen (und deswegen leider, leider auch nicht verraten, welche Musikmesse Neuigkeiten wir erwarten dürfen), aber er hat sich Gedanken gemacht, über die ich gerne hier mit Euch diskutieren würde.

Der Autor vermutet, dass der Einfluss von Social Media (also Portale wie MySpace, Twitter, YouTube etc.) stark zunehmen wird. Um erfolgreich mit dem Networking auf solchen Portalen zu sein, muss man anderen zuhören und den anderen antworten. Angefangen damit, alle Emails und Kommentare von Lesern zu beantworten und einfach in Kontakt mit anderen potenziellen Fans, Musikmachern, Produzenten zu bleiben.

Natürlich können solche Social Media Webseiten auch ein echter Zeitvernichter werden, aber wer an solchen Portalen teilgenommen hat, wird verstehen, warum diese Seiten unter anderem auch das Musik Business verändern. Auch wenn die Macher der traditionellen Medien und Journalisten gerne alles beim Alten lassen würden und im Falle der Musikindustrie schon immer gegen die Welle geschwommen sind. Die Zukunft liegt in der Interaktion.

Die falschen Annahmen der Musikindustrie

Und hier beginnt der wirklich interessante – und diskussionswürdige – Teil seines Artikels. Folgende sechs Punkte zitiert Jerry als falsche Annahmen, auf denen die Musikindustrie und die Labels aufsitzen:

  1. Der Verkauf von CDs exklusiv in großen, ausgesuchten Läden. Das Interesse kühlt zu schnell ab, bevor die Leute einen der Läden besucht haben.
  2. Der gewinnbringende Verkauf von Songs für 99 Cent auf iTunes. Hier hätte die Musikindustrie schneller einlenken sollen statt dagegen zu arbeiten.
  3. Langfristiger Aufbau von Bands lohnt sich nicht.
  4. Das Radio verkauft neue Musik.
  5. Konsumenten zahlen für Musik-Flatrates
  6. ISPs werden eines Tages eine Gebühr bei ihren Kunden für den Zugang zu Musikdaten erheben.

Die falschen Annahmen der Radio-Stationen

  1. Das breit angelegte (Wieder-)Verwenden von Inhalten über mehrere Radiostationen spart Geld.
  2. Die kommende Generation kann weiterhin ignoriert werden.
  3. Der Verkauf von günstigen Werbeplätzen in der Rezession.
  4. Streaming von Radio auf das Telefon wird ein einträgliches Geschäft.
  5. HD Radio.
  6. Der Faktor Business ist wichtiger als der Faktor Medien.

Da ich hier die Annahmen nur angerissen habe, empfehle ich dringend das Lesen des originalen Artikels. Und jetzt bin ich gespannt auf Eure Meinung zu diesen Voraussagen. Kann sich die Musikindustrie halten? Wird es Radio in seiner aktuellen Form auch noch in fünf Jahren geben? Welche Trends aus dem Internet werden sich in den traditionellen Medien wiederfinden?

Lesermeinungen (4)

zu 'MusikBiz: Voraussagen für 2009'

  • Rockxs
    03. Feb 2009 | 17:04 Uhr Antworten

    Ich persönlich finde das diese ganze Social- Network Geschichte ziemlich überbewertet wird.
    Es ist ja nicht eine breite Masse die ich da erreiche (trotz der vielen Myspaceuser) sondern immer nur ein bestimmter kleiner Teil an Usern die eben in dieser Nische aktiv sind.
    Natürlich muss man hier unterscheiden um was es sich handelt. Majorlabels? Was soll denen der Einstieg bringen ?
    Für die Independent Sparte sicherlich eine nette Sache aber gerade die großen Socialnetworks finde ich inzwischen sehr überschwemmt und überladen. Das ganze Angebot ist meiner Meinung nach zu durchwachsen und mit Sachen zugemüllt die einfach nichts mit den Themen der einzelnen Seiten zu tun haben.
    Ich muss aber auch dazu sagen das ich mich nicht gerade als Myspacefan bezeichnen würde.

    Zu den anderen Punkten kann ich im ganzen und großen eigentlich zustimmen. Es wurde lange genug versucht Musik als Einmalprodukt an den Konsumenten zu bringen. Das zahlt sich auf lange sicht bestimmt nicht aus und schreckt potentielle Hörer evtl. ab.
    In letzter Zeit ist Pop für mich ein Synonym für billig geworden (in Sachen Musikqualität)!

    Greetz

  • Stefan Schoener
    03. Feb 2009 | 20:42 Uhr Antworten

    Der erste Teil des Artikels erinnert an das Cloutrain Manifest von Rick Levine et al aus dem Jahr 2000, ja, so lange schon steht das im Raum. Auch damals ging es schon um Kommunikation mit Kunden vs. mit Werbung und PR zumüllen.

    Ich glaube unbedingt das das langfristig sehr richtig ist, was da steht, aber ich glaube auch, dass das Beharrungsvermögen auf Seiten der Industrie sehr groß ist. Man sieht ja am heutigen CMA Prozess, wie satte Funktionäre und Manager an Althergebrachtem festhalten, koste es was es wolle.

    Zu dem Teil über Radio und Netz denke ich, dass Musik immer mehr des Status von “Jugendkulturträger” verlieren wird. Pop Kultur ist vorbei, bzw hat nur noch wenig mit Musik zu tun. Die “Kids” heute haben völlig andere Prioritäten und auch Möglichkeiten als die Kids der 90er 80er 70er und so weiter.

    Die Industrien suchen nach Möglichkeiten, den jungen Menschen was zu verkaufen und hin und wieder klappt das auch, siehe diese schrecklichen Klingeltöne. Aber der Stellenwert im Leben der Kunden ist ein völlig anderer, viel weniger wichtig. Daher glaube ich auch nicht an Streaming Radio über G3 Phones, dann schon eher Chatclients, die das simsen ablösen, aber das gibt es ja schon.

    Ich werte das alles insgesamt als Chance für alle “Nicht Mainstream Künstler”, weil man auf einmal wieder über Musik als künstlerische Äußerung spricht und nicht nur als Medium, auf möglichst leichte Art an möglichst viel Geld von möglichst viel Leuten zu kommen.

    Oder in einem Satz: Willkommen zurück Künstler – tschüss BWLer!

  • Prior
    03. Feb 2009 | 21:57 Uhr Antworten

    Ich muss Stefan Recht geben, der Herr Prof. Jerry Del Colliano bietet nicht wirklich neue Visionen sondern ein Statut über gegenwärtige und allenthalben in sämtlichen Fachblogs kritisierte Umstände. Kulturflatrate, Faktor Business ist wichtiger als Faktor Medien, das wird alles schon lange und ausreichend analysiert und zurecht in Frage gestellt.

    Nur beim Punkt HD-Radio könnte es sein, dass ein flächendeckendes W-Lan Netz oder Ähnliches in ferner Zukunft das Radio als Musikmedium wiederbeleben könnte. Wenn ich nämlich meine Lieblingsinternetsender zu jeder Zeit an jedem Ort, ob beim Jogging oder im Auto empfangen kann, dann sehe ich da durchaus gute Chancen

  • Carlos (delamar)
    04. Feb 2009 | 11:43 Uhr Antworten

    Social Media überbewertet? Ich bin nicht sicher, es tummeln sich wirklich eine Menge Leute auf den entsprechenden Portalen. Und vor allem muss man ja als Stratege an die nachkommende Generation denken. Wenn wir in unseren eigenen Strukturen verharren, dann werden auch wir, früher oder später, dieselben Fehler der Musikindustrie begehen.

    Was die Musikindustrie meines Erachtens in den eigenen Betrachtungen und Sichtweise völlig außer Acht lässt, ist die Tatsache, dass der Entertainmentmarkt als Ganzes jedes Jahr neue Rekordumsätze macht. Das Konsumentenverhalten hat sich bereits deutlich in Richtung DVD/Film gewandt und es ist wahrscheinlich, dass die heranwachsende Generation vielleicht sogar ganz neue Ideen mitbringt.

    Und die flächendeckende Versorgung mit WLAN ist lange überfällig. UMTS ist ein erster Schritt und wird hoffentlich irgendwann auch mal preiswert. In Sachen Radio könnte der Zug allerdings dennoch abgefahren sein. Denn: Warum sollte ich mir jede Stunde dieselbe zerhackstückelte Top 30 bei einem großen Radiosender anhören, die auch noch mehrfach von störender Werbung unterbrochen wird, wenn der Internetsender von nebenan bessere Musik in meiner Sparte ohne Unterbrechung anbietet?

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