MusikBiz: Sterben Alben und CDs aus?

MusikBiz: Sterben Alben und CDs aus?

Der Schlagzeuger der Smashing Pumpkins ließ in einem Interview verlauten, dass die Band in der Zukunft zwar an neuem Material arbeiten, es aber voraussichtlich keinen Nachfolger für das Album Zeitgeist geben werde.

Das alte Geschäftsmodell ist tot und das Musik Business weiß nicht, wie es weitergehen soll. [...] Musik ist in vielerlei Hinsicht nicht mehr als die Werbung für die eigene Tour. [...]

Weiterhin führt er aus, dass niemand mehr an kompletten Alben interessiert sei und dass junge Menschen unter 24 sowieso nur noch einzelne Songs einkauften. Im Prinzip beschreibt er nur eine neue Realität, die noch lange nicht überall im Music Business angekommen scheint.

Die Diskussion über die Ursache des neuen Kaufverhaltens der Musikkonsumenten hat verschiedene Ansätze:

  • Minderwertige Alben mit nur sehr wenigen guten Songs.
  • Namenlose Bands und Künstler, die nicht mehr lang und konsequent genug von den Labels aufgebaut werden.
  • Das große Wachstum des Internets und der Online-Shops, die einzelne Songs für wenig Geld anbieten.
  • Eine neue Generation von Musikkonsumenten, die andere Gewohnheiten hat.
  • Oder das Argument der Musikindustrie: wachsende Piraterie und steigende Zahl von Raubkopien.

Was denkt Ihr über das Thema? Was verursacht diese Entwicklung und wo geht sie hin?

Lesermeinungen (39)

zu 'MusikBiz: Sterben Alben und CDs aus?'

  • Loco
    23. Apr 2008 | 13:30 Uhr Antworten

    Ich denke genauso. Leute hören einzelne Songs und laden sich eher mal schnell von musicload.de ne Single runter. Es gibt aber natürlich auch Alben die es sich zu kaufen lohnt, aber meistens sind diese Abseits der Charts zu finden. Popstars, DSDS sind ja solche Musterbsp. für schlechte Alben mit einem Song der sich gut verkaufen lässt. Zudem ist es ja auch günstiger, wenn man die Songs jetzt z.B. nur online veröffentlicht. Also auch günstiger für den Käufer. Das pressen der CDs entfällt ja. Das Booklet könnte man ja als pdf beilegen. Es werden ja schließlich auch keine CD-Player mehr verkauft. Ich kaufe aber weiterhin gerne Musik-DVDs. Ich persönlich muss weiterhin gekaufte CDs erst in eine mp3 umwandeln, da ich gerne Musik aus Japan höre und alles dadurch importieren muss. Einen internationale Platform in der Art von musicload gibt es soweit ich weiss ja noch nicht.

    Grüße

  • carlos (delamar)
    23. Apr 2008 | 13:43 Uhr Antworten

    Hast Du mal von iTunes gehört? Die sind international.

    Ich habe im letzten Jahr erstaunlicherweise mehr Alben gekauft als in den Jahren zuvor. Allerdings waren viele auch etwas älter,.

    Ich kann mich noch nicht so recht von der CD als solche trennen, aber zum Hören nutze ich eigentlich nur noch halbwegs hochwertige MP3…

  • Tischhupe
    23. Apr 2008 | 13:47 Uhr Antworten

    Die Musikverlage müssen sich wohl daran gewöhnen, dass die Kunden sich nur die Beeren rauspicken wollen. Das finde ich nur demokratisch und sollte eigentlich dazu führen, dass sich die Industrie endlich mal wirklichmit der Sache auseinandersetzt, anstatt über Raubkopien zu jammern. Meiner Meinung nach ist der meistens völlig überhöhte Preis der CDs daran schuld, dass die Leute kopieren. Mehr als € 16,- für vielleicht zwei gute Songs auszugeben, ist meines Erachtens auch schon nah an der Abzocke. Dabei finde ich, das die Industrie sich selber die Grube gegraben hat. Das schnelle Geld mit kurzlebigen Acts ist eben keine Zukunftsinvestition. Künstler sollten endlich mal wieder konstant aufgebaut und gefördert werden.

  • Marc Weissenberger
    23. Apr 2008 | 14:17 Uhr Antworten

    Die Diskussion um die Zukunft der CD ist ja schon seit längerem am laufen. Das sieht man auch schon an ihrem Vorläufer, der LP. Vor allen DJs haben hier die “Save the Vinyl”-Kampagne ins Leben gerufen. Aus vielen Gesprächen mit DJs weiß ich aber, dass sie CDs/Vinyl aus ganz pragmatischen Gründen nicht mehr kaufen: Platzmangel!
    Auf beatport werden einzelne Tracks als wavs zum Download bereitgestellt und die stehen qualitativ ihren CD-Pendants in nichts nach. Warum soll man sich da noch den Silberling holen?
    Das Argument vieler Toningenieure, dass eine Audio-CD qualitativ die höchsten Ansprüche erfüllt und deshalb wert ist, gekauft zu werden, fällt mittlerweile hinten runter. Diese Audio-Feinheiten kann ein I-Pod, Mp3-Player oder sogar ne handelsübliche Stereoanlage nicht wiedergeben. Das ist dann wirklich nur noch eine Sache für Audiophile.
    Das Medium MP3/MP4 ist vom Großteil der Konsumenten voll angenommen worden. Ganz ehrlich, wer rennt den heute noch mit nem Diskman durch die Gegend?
    Und ich muss Tischhupe Recht geben. CDs sind aufgrund ihres Produktions- und Verkaufsaufwandes (Werbung, Aufsteller in den Geschäften etc.) gnadenlos überteuert. Warum soll man sich die teure Hardware “CD” noch extra dazu kaufen, wenn ich das eigentliche Produkt “File” ohne den ganzen Klotz am Bein haben kann?
    Radiohead haben beispielsweise sämtliche Formen ihrer Musik zum Verkauf bereitgestellt, vom MP3 (lowquality) bis hin zur limitierten Super-Sonderbooklet-CD und haben somit für jeden Konsumenten ein adäquates Angebot.
    Und ja, ich weiß, dass der CD-Markt immer noch attraktiv ist, wenn man sich seine Verkaufszahlen anschaut. Dabei ist aber zu beachten, dass hier die größten Absätze im Bereich Klassik und Volksmusik gemacht werden, was auch etwas mit dem Konsumverhalten der Konsumenten zu tun hat. Diese sind erstens solventer (höheres Alter und Einkommen) und zweitens gehören sie zur “Stereoanlagenfraktion”, die einfach daheim eine CD einlegen wollen und nicht wie die jüngeren Konsumenten, täglich durchs Netz surfen und downloaden. So gibt es beispielsweise keine Myspace-Seite der Berliner Philharmoniker und das Profil der Wildecker Herzbuben hat gerade mal 9000 Aufrufe.
    Also sollte man sich hier vor Augen halten: Wer kauft was, wo, wann und warum?
    Marc

  • Loco
    23. Apr 2008 | 14:34 Uhr Antworten

    I-Tunes ist ein Apple-Produkt & Apple-Produkte mögen nur Apple-Produkte. Zudem hat mir die I-Tunes Suche auch nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert. Gibt also noch einiges zu tun.

  • carlos (delamar)
    23. Apr 2008 | 16:01 Uhr Antworten

    Mir fallen da noch Napster und mp3-com ein.

    Die CD ist im Übrigen noch lange nicht das Ende der Fahnenstange in Sachen Qualität: sie bietet nämlich nur 16bit und 44kHz. Da ginge sicherlich noch etwas mehr.

    Ich bin mir im Übrigen nicht sicher, ob die Preise schuld an den Downloads sind. Ich vermute, dass Leute kostenlose Raubkopien einer 5 EUR CD vorziehen würden.

    Nur wenige große Künstler, die von der Musikindustrie aufgebaut wurden und die Rotationsmonotonie auf 95% aller Radio-Sender mit ellenlangen Jingles und Drop-Ins vor, nach und teilweise sogar während eines Songs halte ich da schon eher als Problem.

    Und dann natürlich eine Generation von Musikkonsumenten, die einfach wesentlich mobiler als eine CD und eine Stereoanlage sind.

  • klaus denker
    23. Apr 2008 | 19:57 Uhr Antworten

    Hi

    Die CD als ” Platte ” u. das mp – 3 Format ( …fortführend ), muss
    zur Z. als Standard angesehen werden. Gleichzeitig kann man
    Beide anbieten. Der Käufer entscheidet dann für sich selbst.

    Einen Rigorismus ( damals lange Jahre z.B. nur die Vinyl ) gibt es nicht mehr.
    Gut so.

    Gruss, Klaus

  • klaus denker
    08. Mai 2008 | 23:23 Uhr Antworten

    Hallo

    Jetzt werden für Live – Events mit den grossen Künstlern auch grosse
    Summen bezahlt. Die kleinen Scheisser dürfen dann vorab für Stimmung
    sorgen…

    Auf CD u. etc. Verkäufe ist nimmermehr Verlass. Die Kapitalorgie zum
    Bezug auf Datenträger mit Musik ( u. dar hilft auch kein Bild ), scheint
    vorbei.

    Gruss, Klaus

  • carlos (delamar)
    09. Mai 2008 | 01:02 Uhr Antworten

    So ganz kann ich Dir heute nicht folgen… :)

  • ken park
    09. Mai 2008 | 09:34 Uhr Antworten

    Ich auch nicht.

    Soweit ich es verstanden habe möchte ich aber zu

    “Die kleinen Scheisser dürfen dann vorab für Stimmung
    sorgen…”

    hinzufügen, dass es eine Riesenchance ist vor einem großen Künstler aufzutreten. In einer Halle mit 5000 Leuten hören dich eher 100 Leute die es gut finden, als auf einer Kneipentour mit im Schnitt 25 Leuten. Da bin ich gerne ein kleiner Scheisser solang mir der Mainact musikalisch zusagt.

  • H2G
    09. Mai 2008 | 12:47 Uhr Antworten

    Ich bin etwas erstaunt das die CD als überteuert angesehen wird, ist es nicht eher so das die Titel von legalen Portalen zu teuer sind?
    Wenn man mit wenig Aufwand ein Album mit Preisunterschieden von bis zu 5€ finden kann, dann dürfte man sich ausrechnen an wem der hohe Preis liegt.
    Bei dem Besuch 2 Läden eines Konzerns, die Luftlinie nichtmal 4km auseinander liegen, konnte ich bei einem Album einen Unterschied von 2€ ausmachen. Der Handel bestimmt den Endpreis, also kann eine CD nur zu teuer sein wenn diese Preise durch den Kauf bestätigt werden.
    Bleibt die Alternative der legalen Portale, die sich ja zum Glück von DRM und mnderwertiger Qualität gelöst haben, schade nur das der Konsument dies mit teilweise 0,30€ Aufschlag erhält.
    Wofür 0,30€ mehr? Dafür das man die Titel nicht mehr mit DRM ausstatten muß, die Umwandlung der Qualität rechtfertigen auch keine 0,30€.
    Dank der Propaganda durch die Musikindustrie was die Verfolgung von illegalen Downloads angeht, hat man natürlich (gewollt) die Konsumenten (zum Glück) wieder in den legeln Bereich gedrängt, weil dieser bekehrt wurde, darf er sich auch gleich wieder abzocken lassen.
    Ich bin für legae Portale weil ich auch denke das die Zunkunft eben mehr auf diesen Vertriebsweg liegt. Ich glaube aber auch das man dort die Preisgestaltung fairer gestalten kann und solange das nicht passiert, werden legale Portale für mich nur für den Erwerb einzelner Titel (meist Remixe) in Frage kommen.
    CD lassen sich langfristig nur bei bestimmten Zielgruppen absetzen. Ob man nun noch Alben, Maxis oder einzelne Songs veröffentlichen will muß jeder Künstler und sein Label selber wissen, am Ende ist es nur wichtig das ihre Veröffentlichungen über einen legalen Weg erworben werden. Für mich persönlich hoffe ich natürlich das es noch lange CD`s etc. gibt, da mein Gechmack aber eh am Mainstream vorbeigeht, bin ich da guter Hoffnung.

  • Marc Weissenberger
    09. Mai 2008 | 14:15 Uhr Antworten

    Hier mal ein paar Gedanken zu den neuen Vertriebsmodellen.
    Sicherlich gibt es dort verschiedene Möglichkeiten, die sich je nach Anbieter auch unterscheiden:

    Snocap bzw. Kazzong:

    Interessant für Bands ohne Label- bzw. Vertriebsbindung. Wurde vom Napster-Gründer Shawn Fenning ins Leben gerufen und als Verkaufsplattform in Kooperation mit myspace initialisiert. Das hat aber nicht ganz hingehauen, weil die Kaufbereitschaft der myspace User wohl viel zu gering war, so dass es bei Snocap/Kazzong zu massiven Entlassungen kam. Der deutsche Ableger Kazzong bietet nun Shop-Widgets an, die in diverse Plattformen (unter Einverständnis des Plattformbetreibers) eingebunden werden können. Der Künstler kann des Preis für den Song individuell bestimmen.

    Amiestreet:

    Bietet ein dynamisches Preismodell für DRM freie Songs an. Anfänglich kostenlos, steigt der Preis in Korrelation zur Anzahl der downloads bis maximal $ 0,98 / Song. Seit 2007 geht amistreet noch einen weiteren Weg über das social networking und hat z.B. eine Applikation für Facebook eingerichtet. Der Hauptinvestor von amiestreet ist Amazon. Ein ähnliches Modell bietet justaloud.com an.

    Finestunes:

    Besonders auf Bands ohne Labelvertrag abgestimmt. Bietet den Usern einen Zugang zu allen relevanten Downloadshops. Der Künstler behält aber weiter das Recht, seine Musik in Eigenregie zu vertreiben (kein Exklusivvertrag mit finetunes!).
    Finetunes selbst verfügt über ein eigenes Shopnetz, an welche weitere relevante Plattformen wie z. B. Tonspion angeschlossen sind. Die Bands und Musiker entscheiden selbst zu welchem Preis und in welchem Shop sie vertreten sein möchten. Ergänzend erhalten die Bands ein Shopmodul, welches in die eigene Webseite (oder sonstige Online Präsenzen) integriert werden kann. Hierüber kann in die einzelnen Songs reingehört und schließlich der Kauf getätigt werden und das, ohne sich vorher registrieren zu müssen.

    iMusicians:

    ähnlich wie finetunes, nur muss man jährlich 35€ Gebühren zahlen (bei finetunes gibt es eine einmalige Gebühr).

    rebeat digital:

    Kommt aus Österreich. Kostet 99 €. Man kann hier von daheim via PC direkt in den bekannten Shops vertreiben. Aber Vorsicht, es fallen zusätzliche Kosten an: 1€ Speicherkosten/Track, 1€ pro ISRC Code/Track, Telefonsupport kostet. Wichtig: Die Software dient einzig und alleine dazu, dem Content Aggregatoren Rebeat Musik das Album inklusiver sämtlicher Metadaten zu übermitteln. Nicht mehr und nicht weniger.

    Fazit:

    Also, wofür man sich auch entscheidet, man sollte grundsätzlich überlegen, ab wann es sich lohnt, seine Tracks über dritte in diversen Online-Shops anzubieten und dafür Kohle hinzulegen. Meine Meinung: Ab einem gewissen Bekanntheitsgrad, der mit hoher Wahrscheinlichkiet ausreicht, dass neue Kunden direkt in diese Online-Shops gehen und gezielt nach dem Künstler suchen, ist das schon eine Überlegung wert. Ansonsten zahlt man dafür, im Online-Regal zu stehen neben wirklich bekannten Acts und somit nicht wirklich interessant für den Käufer zu sein. Denn wenn wir mal ehrlich sind, geht mal in einen handelsüblichen Plattenladen und dann erzählt mir, dass ihr Euch sämtlichen Schmonzens der Rubrik „Nonames“ auch wirklich durchhört. Is ungefähr genauso interessant wie ein Plattenaufsteller neben der Kasse, wo zehn CDs der lokalen Band XY drin stehen. Interessiert keinen Mensch.

    Greetz Marc

  • carlos (delamar)
    09. Mai 2008 | 14:25 Uhr Antworten

    Wow, gute Einwürfe!

  • Ken Park
    23. Jul 2008 | 09:31 Uhr Antworten

    “Die CD ist im Übrigen noch lange nicht das Ende der Fahnenstange in Sachen Qualität: sie bietet nämlich nur 16bit und 44kHz.”

    Naja, das ist dann aber nur die Ansicht eines Profis. Im Consumer-/Stereo Bereich ist das mehr als ausreichend. Für höhere Abtastraten und Quantisierungen und die dadurch möglichen Qualitätsgewinne sind imho andere Ausgabegeräte als Standard-HiFi Anlagen und auch ein schon sensitives Gehör erforderlich. Außerdem arbeitet man ja im DVD- Bereich schon lange anders und Live-DVD’s in 5.1 und Super-CDs gibts auch schon. Den großen Markt von “Standard-Consumer” die auf hochfidele Audioqualität Wert legen sehe ich nicht. Billiger wird die CD dadurch nicht und die Ohren der Consumer sind doch schon lange an Komprimierungen < 265 kBit/s gewöhnt.

    Is traurig aber wahr.

  • e42b
    02. Nov 2008 | 04:21 Uhr Antworten

    Hi,

    die Gründe sind definitiv zutreffend, aber: Die Kompilation eines Albums ist schon etwas Anderes (Dichteres) als die aneinander Reihung von einzelnen Titeln, vor allen Dingen , wenn das nicht im Mainstream stattfindet. Ich zumindest habe zwar eine transportable Festplatte, aber auf dieser befinden sich viele Playlists mit kompletten Alben. Das Bild wird halt dichter, wenn mann sich z.B. den gesamten “Mirror Pool” anhört statt nur “Sanvean”.
    Abgesehen davon muss ich meinem Vorposter Recht geben: Es gibt eine Qualität jenseits von 128-Bit mp3.
    Das Dumme ist, dass der Markt vollkommen überfüttert ist. Es ist zu einfach geworden, an Musik zu kommen und das senkt ihre Bedeutung und ihren Wert. Es gibt eine breite Spanne von “to hear” bis to “listen to”. (Das Englische kennt den Unterschied.)
    Wenn man als Newcomer die Szene betritt, wird zunächst gefragt, ob man schon bekannt ist. Ist man das nicht, wird oft erst gar nicht hingehört. Man muss halt selbst für Nachfrage sorgen und mit was geht das bitte besser als mit einer CD aus einem Guss. Damit hat man wenigstens die Chance, dass beim Hörer was hängen bleibt. Ein gestaltetes Cover ist dabei ein Muss. Man muss halt mit der kompletten Gestaltung in Vorleistung gehen und das Ganze aktiv unterbringen. Leute, die auf neue Musik warten, sind eher schwer zu finden aber es gibt sie noch. Da bin ich ganz sicher. Wenn ich in den Spiegel schaue, sehen ich zumindest einen.

    Nachtgrüße
    Elmar

  • carlos (delamar)
    02. Nov 2008 | 11:21 Uhr Antworten

    Was in dieser Diskussion bisher noch gar nicht angeklungen ist, aber sicherlich auch für die sinkende Bedeutung und das etwaige Aussterben von Musik, CDs und Alben verantwortlich sein könnte ist eine Verschiebung der Gewohnheiten der Hörer.

    Wenn man sich den Markt bzw. die Verkaufszahlen anschaut, dann kann man seit einer ganzen Weile beobachten, dass es im Entertainment-Markt eine Verschiebung zu Gunsten von DVDs gegeben hat. Wie es scheint, geben die meisten Menschen lieber 15 EUR für eine DVD mit 4 Stunden Laufzeit aus als für eine CD mit vielleicht 45 Minuten.

    Wenn dann auch noch die Hälfte der Songs auf der CD mittelmässig oder in vielen Pop-Produktionen sogar mies ist, dann wird sich dieser Trend sicherlich noch weiter verstärken.

  • Andue
    09. Feb 2009 | 20:27 Uhr Antworten

    Zu den Gewohnheiten zählt sicher auch der I-Pod und die sonstigen Musikträger wie Mobiltelefone etc.

    Gerade diese Überall-Verfügbarkeit ist es doch was MP3 so nützlich und deshalb eben beliebt macht.

    Also ist der Kauf von MP3 an sich schon einmal sinnvoller als der Kauf eines Tonträgers, den man noch wandeln muss.

    Wir haben also die Kontroverse von Mobilität und Audioqualität. Und hier gewinnt MP3 klar, denn die Qualität ist nicht so viel schlechter als meine CD Sammlung untransportabel.

    Gruß
    Andue

  • Bodo
    09. Feb 2009 | 22:01 Uhr Antworten

    Ich will ja mich ja dem Fortschritt nicht verschließen, aber ein Discman ist / war auch mobil und dieses “alles muss immer und überall verfügbar sein” ist doch Käse. Warum muss ich eigentlich an jedem Ort der Welt telefonieren, simsen, mailen, surfen, spielen oder musikhören – und machen bzw. am besten alles gleichzeitig können ?
    mp3′s haben bei mir pers. letztlich nur dazu geführt, daß ich den Rechner voller Mist habe, den ich mir nicht anhöre und das auch zeitlich wegen der Masse gar nicht machbar wäre, statt mir bewußt eine bestimmte CD zu kaufen, die ich mir gern und immer wieder anhöre.
    Mag sein, daß mp3 nützlich und praktisch sind, letztlich stellt sie für den Konsumenten keinen Bezug mehr zum Künstler her, und dieser würde mir, aus Sicht beider Seiten, fehlen ;-)
    Beste Grüße
    Bodo

  • Flips
    12. Mrz 2009 | 11:22 Uhr Antworten

    Wenigstens mal eine vernünftige Band, die nicht in einer Traumwelt lebt.

    Ich persöhnlich denke, dass nur wirkliche Fans einer Band deren Alben kaufen.
    Leute die die Band nur von einem berühmten Song kennen sind meistens gar nicht daran Interessiert sich über diese Band zu informieren.

    Eine Lösung wäre eventuell Musikvideos zu veröffentlichen wo jeder Song vom Album mal angeschnitten wird. Lohnt sich jedoch nur, wenn das Album auch wirklich gut ist.

  • polyaural
    14. Apr 2009 | 14:16 Uhr Antworten

    Album und CD werden nicht aussterben. Vorerst nicht. Die CD wird möglicherweise als erste den Bach runtergehen. Wahrscheinlich im Zuge des digital broadcast, wenn alle Radio-Sender nur über (freies) WLAN zu empfangen sind (spart immense Kosten bei WDR & Co. für Sendeanlagen, wird also absolut sicher kommen) und der Sicherheitscode für das Aufnehmen einzelner Tracks geknackt ist. Auch das scheint mir sicher. Möglicherweise warten wir darauf noch 20 Jahre, aber das ist (wie ich aus eigener Erfahrung weiß) nicht übermäßig lange.

    Was das Album angeht, da bin ich skeptischer. Ich habe mal Karlos (nicht der Carlos, einen anderen) gefragt, ob er eine bestimmte Single schon gehört hat. Karlos sagte, er kaufe keine Singles. Da wurde mir klar: Alben sind ein Indikator für „erwachsen“ werden. Kinder kaufen Singles. Habe ich dann auch nicht mehr gemacht. Das war vor 30 Jahren und mag heute anders sein, aber mal im ernst: einzelne Songs werden doch nur von denen geladen, die früher immer schon Singles gekauft haben. Jeder, der Musik hört (engl.: listen) kauft ein Album. Alle anderen hören (engl.: hear) Musik nur en passent, und sind somit williges Kaufvieh der „big four“. Und da ist es egal ob das analog oder digital geschieht.

    Wer Musik als Ware sieht, wird mit dem Single-Download-Konzept sein Freude haben. Wer Musik macht, sei es als Kunst oder Unterhaltung — von mir aus auch intelligente Unterhaltung — der wird weiterhin Alben produzieren. Den der Kontext ist für den einzelnen Song wichtig. Man kann „Another Brick in the Wall (part two)“ als einzelnen Song kaufen, aber als Teil eines Albums ist er um ein vielfaches wertvoller. Ein schönes Beispiel dafür, dass ein Album der bessere kommerzielle Weg ist.

    Das Album stirbt erst dann aus, wenn Musik als Ausdrucksform einzelner Menschen uninteressant geworden ist. Dann trommeln alle wieder um das Lagerfeuer herum, hüpfen ekstatisch über den staubigen Boden, und hoffen auf Regen …

  • Carlos (delamar)
    01. Mai 2009 | 13:07 Uhr Antworten

    Kinder kaufen Singles. Das ist mal eine interessante Aussage. Und wahr wohl auch noch. Alben werden als Gesamtwerk nie aussterben. Nur das Medium, auf dem sie ausgeliefert werden, wird sicherlich noch viele Gestalten annehmen.

    Im Entertainment-Bereich streiten sich ja auch schon die Gelehrten, ob Blue-Ray nicht auch schon eine Totgeburt ist.

  • Pfau Thomas
    14. Jun 2009 | 20:38 Uhr Antworten

    Also,
    ich denke nicht das die Musik CD in nächster Zeit verschwinden wird.
    Es gibt nostalgiger die noch auf Schallplatte stehen siehe U2 hat erst eine neue Schallplatte veröffentlicht.

  • sally
    01. Sep 2009 | 14:59 Uhr Antworten

    wie jetzt? songs für einen euro verkaufen oder kostenlos von myspace herunterladen lassen?

  • Chris
    01. Nov 2009 | 09:45 Uhr Antworten

    Tja, einerseits denke ich auch, dass es die CD irgendwann nicht mehr geben wird. Dies hat aber auch wirklich damit zu tun, dass heutzutage selbst von den “großen Bands” anscheinend wenig Wert auf die Alben gelegt wird. Da freut man sich auf eine Neuerscheinung und findet dann gerade mal die Hälfte der Songs gut. Da ist man schnell versucht zu sagen, “ich schau mal bei iTunes rein und kauf mir halt nur den und den Song”. Denn, warum sollte Jemand für etwas bezahlen müssen, was er gar nicht (hören) mag?
    Andererseits muss ich als “Endverbraucher” sagen, dass ich immer gerne “etwas materielles von meiner Lieblingsband in der Hand halte”. Bei Mp3 fehlt mir einfach dieser Bezug. Allerdings kann ich mir auch gut vorstellen, dass sich evtl USB-Sticks durchsetzen könnten. Diese nehmen weniger Platz weg und lassen sich sogar schon an viele neue Autoradios und Hifi-Anlagen anschliessen.
    Ich denke, dass sich die Musikindustrie ein völlig neues Konzept ausdenken muss. Klar ist iTunes eine tolle Sache. Aber, entweder man kauft einzelne Songs à 0,99 Cent oder ein Album für einen Gesamtpreis. Das wird den meisten Leuten zu einschränkend sein. Da ist man schnell versucht zu sagen “dann kauf ich mir lieber gar nichts von dem Musiker”! Warum also nicht Song-Packages? z.B. 5 beliebige Songs eines Künstlers à 3,99 oder so. Sowas wäre doch viel ansprechender für einen Verbraucher/Hörer, oder nicht?

  • Stefan Loger
    26. Mrz 2010 | 17:18 Uhr Antworten

    Solange es CD Player geben wird wird es auch noch CD´s geben, das Problem ist ja meißtens, du kaufst dir eine CD und musst sie dann erst in Mp3 umwandeln weil du ein mp3 player hast, dann funktionierst es nicht wegen kopierschutz…usw.

    Eine Innovation gibt es, ich war CeBIT Sounds und war am musiXcard Stand über den ich in den RTL Nachrichten aufmerksam geworden bin.
    Die stellen Karten her mit denen man als Band seine Musik, Videos etc.verkaufen kann…hat mich sehr beeindruckt und ist meiner Meinung nach ein gute Alternative zur CD. Hab mir gleich ein paar Karten zum testen mitgenommen, hat alles geklappt..gutes Konzept und auch gute Webpräsens www.musixcard.de

    Jetzt wollen die Majors wohl in den usa zum ersten mal CDs unter 10$ anbieten, der Zug ist meiner Meinung nach abgefahren. Das hätten die schon vor zehn Jahren machen müssen…

  • Mark
    13. Dez 2010 | 19:07 Uhr Antworten

    Die Musikindustrie wird es in den nächsten Jahren schwer haben. Bei Single-Auskopplungen werden die CD-Verkäufe immens zurückgehen, solange man diese für 10 % des Preises im Netz herunterladen kann. Und einen MP3-Player hat heute wirklich jeder.

  • Mike Neuse
    16. Mrz 2011 | 22:39 Uhr Antworten

    Die Musicindustrie hat selber schuld. Sie hat den Trend verpennt.
    Und nun jammert sie rum und sagt es liegt an den Raupkopien.
    Es gibt nur wenige Künstler die fast ihr gesammtes Album als Single auskoppelungen veröffentlicht haben. Maxi´s liefen schon damals besser da man sich nur auf den song konzentrieren konte den man auch gut fand plus diverse remix versionen von dem Track.
    Auch selbst die Compilations sind meistens ehr weniger gut zusammen gestellt und von 18 titeln sind meistens nur 3-5 gute dabei der rest ist müll. Also find ich den trend zum einzel Track angebot wesendlich besser als ganze Alben wo dann sowie so nur drei gute songs drauf sind. Es entwickelt sich halt alles weiter wer weiss was die Zukunft noch so alles bereit hält für uns. Hinzukommt noch das das Konsumverhalten sich auch zu größten teil wegen der leistungsfähigen smartphones und mp3 player geändert hat. Damals gabs nur den guten alten Walkmann und jetzt ist die abspiel möglichkeit für unterwegs riesig geworden. Alles ne frage der entwicklung.

  • Faith Blanche
    05. Apr 2011 | 12:54 Uhr Antworten

    Hi,

    also ich würde mal sagen, CDs (gepresst) und Vinyls sind MP3 und allen digitalen Formaten in Bezug auf die Langlebigkeit, überlegen. Habt ihr euch mal überlegt was passiert wenn eure selbst gebrannten CDs nach 15 Jahren bis 20 Jahren nicht mehr richtig lesbar sind. Oder eure DVD oder BDs. Von Festplatten mal ganz zu schweigen, ein HD-Crash und die Musiksammlung ist futsch. Denn die wenigsten sichern regelmässig auf Speichermedien ihre Sammlung und selbst wenn, diese halten auch nicht lange.

    Schallplatten halten solange sie nicht gebrochen werden und nur selten abgespielt werden ewig; direkte Sonne und Säure mal ausgenommen*g. Als Archivformat sind sie jeder CD jeder Harddisk jeder SSD überlegen. Verdammt sogar Noten, Texte die in Stein gehauen wurden sind in 1000 Jahren noch da. Die alten Ägypter, ja selbst die Höllenmenschen konnten etwas länger archivieren als wir heute. Aber wir bekommen es nicht mal hin ein Speichermedium zu entwickeln das in 60 Jahren noch 1:1 lesbar ist ohne Fehler oder Datenverlust. Selbst die digitale Speicherung auf Microfilm die dafür quasi wieder entdeckt wurde, ist nur ein Tropfen auf einen sehr, sehr heißen Stein. Was die Bucharchivierung angeht.

    Es spricht nichts gegen digitale Musikformate, aber wie, ausser alle paar Jahre alles neu überspielen, auf neue Speichermedien, behält man seine Musik über Jahrzehnte. Ich habe noch alte Schellackplatten von meiner Großvater gefunden. Die laufen noch und sind mehr als 80 Jahre alt. Jede Schallplatte lebt länger als jedes digitale Speichermedium. Ich jedenfalls bin immer noch für gepresste CDs und LPs, weil diese wenigstens mein ganzes Leben lang halten. (wobei es bei CDs auch gewaltige Unterschiede gibt, denn die frühen gepressten CDs der Anfangsära der CompactDisc waren mangelhaft in ihrer Zusammensetzung)

    Also mein Fazit Leute:
    Mp3 & Co gut Vertrieb über Internet auch gut, Speicherung und Haltbarkeit ungenügend aufgrund der Speichermedien. Virtuelle Festplatten oder Clouds nur vermeintlich sichere Lösungen. Server können ausfallen und in denen sind wiederum Harddisc etc.

    Persönliche Gedanken:
    Abgesehen davon ich liebe die Zugänglichkeit von digitalen Medien und hab selbst ein großes Musikarchiv auf Festplatten und Co. Aber ich hab soviel Musik das ich davon schon garnicht mehr weiß das ich sie hab. Und merke sie verkommt immer mehr zum Junk”food”. Muss ich haben , lade es bei bei Musicload oder Beatport etc. Höre es ein paar Mal auf’m Mp3 Player. Lösche es dort wieder und es verschwindet in den Tiefen des digitalen Musikarchivs. Und nur durch Shuffleplay aufm PC/MAC kommt es mir nach frühstens einem Jahr wieder zu Ohren. Und ich denke: Verdammt, stimmt das hab ich ja. Tja, stimmt mich das traurig? Irgendwie schon. Denn Musik war mal mehr als nur schnell zu konsumieren und wenn vom Player weg vergessen.

    Liebe Grüße
    Faith

    • Faith Blanche
      05. Apr 2011 | 14:33 Uhr Antworten

      PS: Nachtrag in eigener Sache ich meinte Natürlich die Höhlenmenschen ;) und nicht die Höllenmenschen, obwohl die bestimmt auch Musik für die Ewigkeit archivieren können, sind ja quasi Experten neben den Engelsmenschen *fg

  • Wvlf
    21. Aug 2011 | 00:43 Uhr Antworten

    Meiner Meinung nach ist diese Entwicklung weniger das Produkt neuer Hörgewohnheiten oder der neuen Möglichkeit des Online-Vertriebs, die Ursache für diesen vermeintlichen jungen Wandel liegt viel weiter zurück.

    Einige Kommentatoren haben es bereits erwähnt: Es ist die immer bessere Verfügbarkeit – immer und überall Musik hören zu können. Natürlich haben digitale Musikabspielgerät diese Entwicklung extrem forciert, aber begonnen hat es eigentlich bereits mit dem Radio.

    Meines Wissens hat man ja bereits in den 70er – gezielt für die Charts – Songs für die Single-Auskopplung produziert und den Rest des Albums mit Mittelmäßigkeit aufgefüllt.

    Dem Broadcasting folgte schließlich eine Single-Manie, die nun unausweichlich im Einzelsong-Vertrieb gipfelt. Die Hörgewöhnheiten mögen sich verändert haben, doch sie haben sich nur der eigentlichen, “wahren” Mentalität der Masse der Durchschnittshörer angenährt. Der digitale Online-Einzelsong-Vertrieb feiert deshalb so große Erfolge, weil er dieser Mentalität am ehesten entspricht, nicht weil sich der Hörer daran angepasst hat. Das Musikbusiness hat sich also nicht erst seit den neuen Vertriebsmöglichkeiten sondern eigentlich schon seit bestehen langsam an die Masse der im Grunde eher “uninteressierten” Musikkonsumenten angepasst.

    Insofern hinkt die Musikindustrie schon immer den Bedürfnissen der Durchschnittshörer hinterher, nicht erst seit dem Boom der digitalen Formate. Die Online-Plattformen scheinen lediglich diese Bedürfnisse des durchschnittlichen Musikkonsumenten am ehesten erfüllen, weshalb es so wirkt als haben sie diese Entwicklung ausgelöst. Online-Plattformen sind also nur eine logische Folge; sie ermöglichen nur einer Entwicklung, die ohnehin stattgefunden hätte. Die Masse hat sich nicht an die neuen Vertriebsmöglichkeiten angepasst, vielmehr passt sich der Musikmarkt an die wahren Bedürfnisse der Masse an.

    Ich bin zwar nicht sonderlich froh darüber, aber es ist wohl der natürlich Lauf der Dinge. Nur die Hoffnung, dass es weiterin Produktionen im Albumsformat geben wird – zumindest abseits der kommerziellen Melkkühe der Musikindustrie -, tröstet mich über diese Entwicklung hinweg.

  • Felix
    08. Okt 2011 | 21:26 Uhr Antworten

    16-jährige lassen sich heute von ihren Großeltern beraten. Zumindest ist das bei uns in der Familie so. Die sind verzweifelt, weil sie keine gute Musik mehr finden, alles nur autogetuneter Schrott oder elektronischer Kram mit sich endlos wiederholenden Patterns.
    Sie hören lieber Beatles, Peter Tosh, Bob Marley, SOS Band, Funcadelic, Arthur Conley, usw.

    Ich selbst bin 40 Jahre alt und habe schon seit mehr als 10 Jahren kein Album mehr gekauft – es gibt einfach nichts mehr Neues, dass es lohnt gekauft zu werden. Ich mache lieber selbst Musik mit den Kids und Freunden.

    Für Leute mit einem halbwegs musikalisch geschultem Gehör ist doch die Musik spätestens seit ende der 90ger unerträglich. Da ist doch jede elektronische Grußkarte musikalischer als das, was uns die Musikindustrie heute auftischt. Die einzige Chance gute Musik zu finden sind Livekonzerte lokaler, wenig bekannter bzw. unkommerzieller Gruppen.

    Musik ist und bleibt eben ein Hobby. Für mich ist die beste Musik immer die, die man selber macht.

  • Kurt aus b
    03. Nov 2011 | 14:59 Uhr Antworten

    Ich glaube das Problem kommt von ganz woanders her, es gibt immer weniger Menschen die überhaupt fähig sind Musik wirklich zu hören. Der Mega Anteil und der ist für die Musikindustrie wichtig lässt sich doch nur noch von Musik berieseln. Ich habe gerade bei einem meiner letzten Konzertbesuche diese Feststellung extrem gemacht. Ich war bei Josh Groban, wer den Typen nicht kennt, geniale Stimme mit leichter Tendenz zur Klassik aber halt doch sehr modern. Ich mag diesen Künstler jedenfalls. Aber nun zum eigentlichen Thema, kaum das der Künstler auf der Bühne war gingen hunderte Handys, Pods und Pads an das man halb blind wurde. Vor meinen Augen leuchteten dann den ganzen Abend irgendwelche Displays und es wurde aus allen Ecken gequatscht. Für mich als Musiker und leidenschaftlicher Musikhörer war das Konzert wirklich versaut. Ähnliches, nicht ganz so extrem, hatte ich auch bei einen Eagles Konzert (die spielten aber zum Glück lauter). Nun stellt sich bei mir die Frage was sollen denn solche Menschen mit einem kompletten Album, wenn sie nicht fähig sind ein Lied lang nur zu hören? Zeiten und Menschen werden sich immer ändern und folglich auch die Art Musik zu hören.
    Gruß
    Kurt

    • Carlos San Segundo (delamar)
      03. Nov 2011 | 16:53 Uhr Antworten

      Das ist eine spannende Feststellung, Kurt. Ich habe die Feststellung auch schon gemacht, dass Menschen sich ein komplettes Konzert durch ihr Handy anschauen, statt einfach direkt auf die Bühne zu schauen.

      • Felix
        06. Nov 2011 | 13:24 Uhr

        Ich glaube, dass die Leute das Konzert durch ihr Handy nicht nur anschauen, sondern gleich komplett abfilmen und später auf ein Videoportal stellen.

    • Felix
      06. Nov 2011 | 13:30 Uhr Antworten

      Hallo,
      das Problem, dass sich die Menschen mit Musik nur noch berieseln lassen wollen gibt es seit dem Siegeszug des totalen Kapitalismus und der gnadenlosen Industrialisierung.

      Genau darin lag der Grund des Aufkommens der seichten Discomusik der 70ger Jahre. Die Leute schuften nur noch für den Beruf, in den 60gern und 70gern standen sie noch am Fließband, heute schuften sie in Callcentern, in der Verwaltung, machen sich in IT-Jobs die Augen kaputt oder müssen im Vertrieb den ganzen Tag Kunden in den Hintern kriechen, um ihnen Sachen zu verkaufen.
      Die Leute sind voll mit Distress und abgerackert. In der Freizeit und an Wochenenden gehen sie daher den Weg des geringsten Widerstandes: Spaß haben und berieseln lassen. Nur kein Anspruch! Die Leute suchen Zerstreuung, sie wollen einfach mal für ein paar Stunden ihren Job und den Gedanken an ihre widerwärtigen Vorgesetzten, raffgierige Vorstände usw. vergessen.

  • Felix
    06. Nov 2011 | 13:53 Uhr Antworten

    Andererseits gibt es eine Gegenbewegung:
    Vor 30 Jahren noch waren Musikinstrumente sehr teuer. Auch Musikunterricht war rar. In meiner Stadt gab es nur das Konservatorium. Die Preise waren für Normalverdiener kaum erschwinglich und es gab lange Wartelisten. Die einzige weitere Möglichkeit als Kind Musikunterricht zu bekommen war der Karnevalsverein und der Harmonikaspielring. Dort wurden Melodika, Akkordeon und die Spielmannszuginstrumente unterrichtet.

    Seit den letzten Jahren hat sich das völlig gewandelt. Fast jedes Kind, und viele Jugendliche scheinen heute selbst Musik zu machen. Dank günstiger asiatischer Fertigung gibt es in Deutschland eine große Zahl von günstigen und brauchbaren Musikinstrumenten. In meiner Stadt gibt es heute mindestens ein Duzend freier Musiklehrer, angefangen von Gesang, Klavier bis Jazzgitarre. Außer dem Konservatorium gibt es noch zwei freie Musikschulen und eine Pop-Akademien.

    Als ich mit 14 Jahren E-Gitarre begonnen habe gab es kaum brauchbares Lehrmaterial über Rock, Pop und Jazz. Ich habe mir damals alles selbst rausgehört – Akkorde, Soli usw.
    Die ganzen guten Lehrwerke kamen erst in den 90ger Jahren auf. Das erste brauchbare Buch war “Die Schule der Rockgitarre” von Andreas Scheinhütte, später kamen dann die Bücher von AMA heraus wie Rock-Guitar-Secrets usw. Inzwischen gibt es kein Instrument, für das es keine Literatur gibt, die so detailliert ist, dass man auch autodidaktisch lernen kann, das geht ja hin bis zu Videokursen auf DVD.

    Und ich denke, dass hier das Verdienstpotential der Zukunft für Musiker liegt. Musikveröffentlichungen sind nur noch Werbeträger, mit denen Musiker ihre Qualifikation einer breiteren Masse bekannt machen. Geld verdient wird dann mit dem Veröffentlichen von Lehrbüchern, Unterricht geben, Signature-Instrumenten, anfertigen von Audioloops für die Homerecording-Fraktion usw. Ich meine also, dass in Zukunft mit Dienstleistungen durch Musiker verdient wird, die unkopierbar sind. Sagen wir einmal so: Die Aufnahme eines Liedes ist kein knappes Gut, sie kann ohne Aufwand beliebig oft kopiert und verteilt werden. Wenn dieser Musiker jedoch Gitarrenunterricht erteilt, dann kann nur er diesen Unterricht geben. Je bekannter er ist, desto höhere Preise kann er verlangen.

    Es ist einfach zu billig zu verlangen, dass man mit dem Kopieren und Verteilen von Audiodateien Geld einnehmen kann. Audiodateien sind kein knappes Gut, das Unterfangen dafür Geld zu verlangen wird langfristig scheitern.

    Die Zukunft des Musikbusiness liegt in unkopierbaren Dienstleistungen.

    Und darin sehe ich eine große Zukunft für die Musiker selbst.

    Das unnütze Kroppzeugs wie Musikmanager, sogenannte Produzenten usw, wird absterben, weil sie einfach überflüssig sind. Musiker können sich heute dank Internet direkt an die Öffentlichkeit wenden. Dazu brauchen sie keine Plattenindustrie mehr!

    Wer das Internet nutzen kann, der verdient auch Geld. Lady Gaga ist doch ein prominentes Beispiel. Und ich kenne viele Musiker, die ihr Auskommen durch das Internet haben – ohne davon etwas ein eine wie auch immer geartete Musikindustrie abgeben zu müssen.

    Insgesamt betrachtet werden die Schmarotzer wie Musikmanager usw. vom Internet ausgetrocknet, die tatsächlichen Leistungsträger – die Musiker selbst – werden dagegen mehr Verdienstchancen haben.

  • Norman
    01. Sep 2013 | 21:57 Uhr Antworten

    @polyaural,
    ich bin 38 Jahre alt und kaufe auch Singles, weil es leider zu viele CDs gibt, auf denen mir nur zwei oder drei Lieder gefallen. Viele (auch bekannte) Bands produzieren in meinen Ohren leider viele Dinge, die mir halt nicht gefallen. Und genau da bin ich froh, dass auch ich als Erwachsener einzelne Singles kaufen kann. Diese höre ich mir dann allerdings sehr bewusst an, achte auf die Texte und gehe dann ins Internet, um mehr über die Musiker zu erfahren. Die Alben kaufe ich mir aber trotzdem nicht, weil es leider immer noch so ist, dass mir immer nur eine kleine Zahl der Songs auf den Alben gefällt. So habe ich alles, was ich möchte. Ein “Listen to”, Infos über die Musiker und ausschließlich die Songs, die mir gefallen. Geht also alles – und das sogar als Erwachsener. :)

  • Norman
    01. Sep 2013 | 22:05 Uhr Antworten

    @polyaural,
    früher habe ich übrigens Alben gekauft, weil es ja kaum anders ging. Wenn man Glück hatte, gab es die Single, die man gut fand, als Auskopplung. Aber den Rest konnte man ja nur in Album-Form kaufen. Also waren da zwangsweise auch Alben bei, auf denen ich Songs mit gekauft habe, die ich nicht haben wollte. Heute bin ich froh, dass man gezielt die einzelnen Songs kaufen kann, die man haben möchte und nichts mehr mit kaufen muss, was man nicht haben möchte.

    @all,
    wenn ich ein Musiker wäre, würde ich gar nicht erst anfangen, Alben zu produzieren, sondern nur noch einzelne Songs, die abgeschlossene Kunstwerke für sich wären. Die würde ich in mehreren Format zum Download anbieten und wahrscheinlich sogar noch verschenken. Denn wer zahlt auf dem übersättigten Markt schon Geld für einen Newcomer? Gepresste CDs würde es von mir jedenfalls nicht geben.

  • Pingback: Die Highlights der Woche 17

    [...] MusikBiz: Sterben Alben und CDs aus? Die Band “The Smashing Pumpkins” scheint die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und werden nach eigenen Aussagen kein weiteres Album veröffentlichen. Sie sehen die Zukunft des Musik-Business‘ eher darin, einzelne Songs zu veröffentlichen. [...]

Sag uns deine Meinung!