Musik Marketing: Warum Blogs besser als Myspace sind

Musik Marketing: Warum Blogs besser als Myspace sind

Meine Meinung zu Myspace habe ich ja bereits in einigen Artikeln hier auf delamar und in diversen Podcasts kund getan. Die Plattform ist völlig überlaufen, wird von den Majors (und ihrem Geld) dominiert und die meisten Freunde dort sind nur darauf aus, ihre eigene Musik oder ihr sonstiges Angebot an den Besucher zu bringen. Keine gute Ausgangslage für die Selbstvermarktung der eigenen Band bzw. Musik, oder?

Und nun habe ich eine höchst interessante Studie der NYU Business School gefunden, die zumindest einen Teil meiner Aussage untermauert. Im Rahmen dieser Studie wurde die Veröffentlichung von 108 CDs / Alben untersucht. Die Studie interessierte sich für eine etwaige Korrelation zwischen CD Verkäufen und den unternommenen Maßnahmen in Sachen Musik Marketing. Untersucht wurde der Zeitraum vier Wochen vor bis vier Wochen nach der Veröffentlichung des Albums.

Als Basis der Studie wurden CD-Veröffentlichungen heran gezogen, die nur auf “normalem” Wege vermarktet wurden. Im Gegensatz dazu betrachtete die NYU Business School CD-Releases, deren Vermarktung durch Blogs und Myspace unterstützt wurden.

Die Ergebnisse der Studie waren erstaunlich.

 

Musik Marketing mit Myspace

Kaum verwundern dürfte die Erkenntnis, dass CDs, die zusätzlich über Myspace vermarktet wurden, mehr Verkäufe zu verbuchen hatten als die ohne zusätzliche Vermarktung. Viel interessanter war hier allerdings die Tatsache, dass das Wachstum der Freundezahl auf Myspace während der untersuchten Periode kaum Einfluss auf die Verkaufszahlen hatte.

Meine Interpretation hierfür ist etwas, das wir auch schon in den Podcasts erwähnt haben: Die schiere Menge an Freunden hilft Dir nicht weiter auf Myspace – es kommt auf die Qualität derselben an. Ein hochqualitativer Freund auf Myspace ist der, der ernsthaft an mir, meiner Musik oder meiner Band interessiert ist.

 

Musik Marketing mit Blogs

Und dann liefert uns die Studie eine noch wesentlich interessantere Information, die für die Selbstvermarktung der eigenen Musik einen Quantensprung bedeuten kann. CD-Veröffentlichungen über Myspace promoten ist gut, aber die Promotion mit Hilfe von Blogs ist wesentlich besser!

Hier die Fakten aus der Studie:

  • Wenn das zusätzlich über Blogs vermarktete Album von einem Major Label stammt, verfünffachten sich die CD-Verkäufe.
  • Wenn etwa 40 Artikel auf Blogs veröffentlicht wurden, verdreifachten sich die Verkäufe.
  • Wurden mehr als 250 Artikel geschrieben, so waren die Zahlen sechs Mal so hoch. Dieses Faktum übrigens unabhängig davon, ob es sich um ein Major oder Independent Label handelte!

Die Zahlen sprechen für sich.

 

Musik Marketing 2.0?

Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass Empfehlungen von vertrauenswürdigen Quellen ein exzellenter Weg zur Vermarktung der eigenen Musik sind. Hierbei helfen Freunde auf Myspace, die Kunde des neuen Albums rauszutragen und damit die CD-Verkäufe deutlich anzukurbeln (Musik Marketing 1.0 mit Hilfe des Internets, wie bisher). Ein durchdachtes Empfehlungsmarketing mit Hilfe von Blogs und Bloggern (Musik Marketing 2.0) erzielt hingegen noch viel bessere Ergebnisse, so dass der Einsatz des vorhandenen Budgets (oder Deiner Zeit) neu überdacht werden will.

Erwähnungen auf Blogs im Internet scheinen im direkten Vergleich mit gewöhnlicher (Banner-) Werbung das bessere Instrument zur Vermarktung zu sein. Wieder etwas, über das Du als Musiker oder Band nachdenken solltest – die Labels scheinen das zumindest zum Teil schon verstanden zu haben.

Apropos Empfehlungen

Auch wir leben von Deiner Empfehlung! Wenn Dir dieser Artikel gefallen hat, dann empfiehl uns bitte Deinen Freunden, Band-Mates und Bekannten in Foren und auf anderen Webseiten.
Danke!

Was aber bedeutet das für Dich als Musiker, der nicht bei einem Label unter Vertrag steht? Bei den in der Studie zitierten Blogs handelt es sich laut den Machern um vertrauensvolle und themenrelevante Blogs. Natürlich wird es nicht einfach für Dich werden, bekannte Blogs zur Kooperation zu bewegen. Hier gilt es, viel Zeit in das Networking zu stecken (wer hätte das gedacht). Und das ist wahrscheinlich auch das ausschlaggebende Kriterium: Zeit.

Als Label mit (viel) Geld kann ich diese einfach bei Anderen einkaufen (out sourcing). Als Band oder Musiker muss ich eben über den Einsatz meiner Zeit nachdenken. Musik Marketing ist ein ebenso wichtiger Teil des Musiker-Daseins wie das Musik machen an sich. Und wenn ich sowieso Zeit in Myspace, Facebook und die andere Communities stecke – warum dann nicht mal diesen Weg versuchen und die CD-Verkäufe vervielfachen?

Lesermeinungen (17)

zu 'Musik Marketing: Warum Blogs besser als Myspace sind'

  • Steve
    08. Aug 2009 | 11:57 Uhr Antworten

    Ja, das ist sehr interessant. Könntest Du vielleicht noch die Quelle angeben (also, wie heißt die Studie und ihr Verfasser und wo findet man sie)? Oder habe ich da etwas übersehen? Danke!

    • Carlos (delamar)
      08. Aug 2009 | 12:11 Uhr Antworten

      Schau mal im Artikel, da stehen alle Informationen zu den Machern und der Link ist auch drin (such nach dem Wort “Studie” als Link).

  • Steve
    08. Aug 2009 | 14:39 Uhr Antworten

    Ich will ja nicht ausschließen, dass ich blind bin, aber ich finde es nicht. Das Wort “Studie” taucht häufiger auf, aber kein Link. Scheint so, als hätten wir hier verschiedene Artikel auf dem Bildschirm :-).

    • Carlos (delamar)
      08. Aug 2009 | 15:56 Uhr Antworten

      Sorry, Du hast recht. Ich habe den Link jetzt nachgetragen. Anscheinend war der in dem Teil, der beim Schreiben verloren gegangen war und den ich neu schreiben musste (der Nachteil, wenn man die Artikel online schreibt und dann den falschen Knopf drückt).

      Hier auch nochmal: Link

  • Steve
    08. Aug 2009 | 18:54 Uhr Antworten

    Thanks!

  • dave
    08. Aug 2009 | 22:44 Uhr Antworten

    Mit den Blogs sind fremde Blogs gemeint, wo neue Tracks vorgestellt werden mit Link zum Artist, Hörbeispiel und kurzer Kritik oder?

  • Carlos (delamar)
    08. Aug 2009 | 23:15 Uhr Antworten

    Ja, auch. In welcher Form die Blogs das neue Album vermarktet haben ist nicht ganz klar, aber natürlich haben 40 Artikel im eigenen Blog eine andere Reichweite als 40 Artikel in 40 Blogs.

  • dave
    09. Aug 2009 | 00:33 Uhr Antworten

    Also ich kenn solche Blogs, die bekommen von den Artists direkt die MP3s in bester Qualität gestellt (legal!). Und wem’s gefällt, der soll sie sich bei Beatport kaufen.

    Kann mir aber kaum vorstellen das dies dann auch noch jemand macht wenn er die Tracks schon in bester Quali hat…

  • DrNI
    09. Aug 2009 | 13:31 Uhr Antworten

    Eigentlich ist das auch nichts anderes, wie es hinzukriegen, sich selbst (bzw. eine Review der neuen Platte) in einer Musikzeitschrift zu platzieren, oder? Nur eben online. Dass das erfolgreicher ist, liegt auf der Hand. MySpace ist nicht nur ein echter Unfall in Usability und verzeichnet nicht umsonst stagnierende Anmeldezahlen, es ist auch noch eine Selbstempfehlung. Und Eigenlob stinkt eben viel mehr als Fremdlob, auch wenn dieses womöglich ebenso selbst verfasst wurde. Das ist ja die Regel, vor allem bei Gig-Ankündigungen in der Presse. Man schickt halt einen Text hin, den unser sog. “Qualitätsjournalismus” 1:1 abschreiben kann, und schon ist man drin.

    • Carlos (delamar)
      09. Aug 2009 | 16:54 Uhr Antworten

      Ja, das ist sehr ähnlich. Es geht hier schlicht um Empfehlungsmarketing. Dieses ist mithilfe von Blogs effektiver als die Empfehlung über MySpace. Das hat diese Studie herausgefunden und eigentlich lag das nahe (s. a. Artikel).
      Ich vermute im Übrigen, dass diese Art von Musik Marketing am besten über private Blogs gehen sollte. Denn hier ist das Vertrauen der Leser am höchsten. Bei großen, kommerziellen Musikmagazinen gehen viele Leser davon aus, dass die Rezensionen “subventioniert” werden (was im Übrigen oft gar nicht stimmt, aber das ist ein anderes Thema).

  • Christian
    10. Aug 2009 | 12:25 Uhr Antworten

    Ich bekomme auch immer wieder Anfragen von Künstler und Künstlerinnen, obwohl mein Blog noch sehr, sehr klein ist. Dennoch denke ich das beide etwas von einer Rezension haben und eine Win-Win Situation geschaffen wird. Gerade unbekannte Künstler können sich so, mit relativ geringen Kosten, eine entsprechende Bekanntheit aufbauen.

  • Carsten
    14. Aug 2009 | 16:55 Uhr Antworten

    Ich finde, man muß einfach beides machen. Dazu noch Twitter und der ganze Kram. Web 2.0 wird noch viel zu stark vernachlässig, zu verkrustet sind die alten Gedanken. Auch Creative Commons ist als Merketingstrategie nicht ungeeignet. Man muß en nur gut anstellen.

    • Carlos (delamar)
      14. Aug 2009 | 17:12 Uhr Antworten

      Wie kann Creative Commons an sich eine gute Musikmarketing-Strategie sein? Ich sehe CC eher als Möglichkeit, meine Musik kostenfrei an Interessierte und potenzielle Fans weiterzugeben und dennoch Geld damit zu verdienen (im Falle, dass jemand meine Musik kommerziell nutzen möchte).
      Insofern könnte man CC eher als Teil eines Gesamtkonzepts, als Teil in meinem individuellen Musikmarketing sehen.

  • Bass-Music
    15. Jun 2010 | 18:58 Uhr Antworten

    Also meine Meinung warum Blogs als Musik Vermarkter sehr gut geiegnet sind: Blogs werden meist persönlich geschrieben und die Autoren stellen sich meistens auf einer About Me Seite vor. Das weckt vertrauen bei den User und wen einer ein Album Review schreibt mit persönlicher Meinung ca. ein HipHop Blog der über das neue Azad Album schreibt und ein kenner in der Szene ist dan bewirkt sich das bestimmt positiv oder negativ auf den Verkauf.

    Ich selber habe ein Musik Magazin und bekomme von Musik Labels CDs damit ich Reviews schreibe oder neue oder alt bekannte Bands wieder vorstelle damit die wieder ins Gespräch kommen.
    Ein Compilation Label schickt mir die neuesten CDs vor Release Datum zu und ich schreibe mit einem Hier kaufen Link via Amazon und bei Google ist mein Artikel meisens an erster Stelle und wahrscheinlich wirkt sich das positiv auf die Verkaufszahlen.

    Aber ich selber nutze auch andere Blogs in meinem Netzwerk um etwas neues bekannt zu machen.

  • Carlos (delamar)
    17. Jun 2010 | 11:00 Uhr Antworten

    Genau, Blogs funktionieren wie klassisches Empfehlungsmarketing auf Augenhöhe. Ich glaube einer “privaten” Empfehlung eher als der Werbung im TV.

  • Ro’
    14. Jul 2010 | 20:04 Uhr Antworten

    Ich finde, dass Blogs eine gute Sache sind und kann mir gut vorstellen, dass darüber die Vermarktung ganz gut klappt, jedoch muss man hier auch mal erwähnen, dass Blogs schon ein wenig der Vergangenheit angehören. Das Bedürfnis sich mitzuteilen wird zunehmend über facebook und twitter befriedigt.

    Allerdings werden sich auch weiterhin gute Blogs mit qualitativen Beiträgen halten.

  • Stimmwunder
    21. Jan 2011 | 14:46 Uhr Antworten

    Stimmt. Neutralität ist Voraussetzung. Die sind in den Blogs ja vorhanden, obwohl es auch die Meinungen der Autoren sind.

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