Kurbeln Raubkopien das Musikbusiness an?

Kurbeln Raubkopien das Musikbusiness an?

Die Musikindustrie klagt ja schon seit langem, dass ihr durch Raubkopien potentielle Kunden und damit Umsätze in beträchtlicher Höhe durch die Lappen gehen würden. Ach, tatsächlich? Es gibt viele Anzeichen dafür, dass »Piraten« die besten Kunden der Musikindustrie sind, was selbst Douglas Merrill, zwischenzeitlich Chef von EMI Digital, bereits vor geraumer Zeit in den Raum stellte.

Nach dem erwähnten Urteil des spanischen Richters muss der Angeklagte keinen Schadensersatz an die Rechteinhaber zahlen. Denn Bezieher illegaler Downloads würden anfangs ganz bewusst auf den Kauf von Musik verzichten, wodurch von Einbussen potentieller Umsätze keine Rede sein könne. Umgekehrt sei es vorstellbar, dass sich die Hörer, die durch eine illegale Kopie auf ein musikalisches Werk aufmerksam wurden, anschließend das Original kaufen. Somit profitiere der Markt von der Verbreitung von Raubkopien, anstatt Schaden zu nehmen.

Sharing is Caring?Freilich, es ist nur ein Richterspruch in einem recht unbedeutenden Fall, doch stellt dies ein weiteres kleines Ereignis des Umdenkens dar, wonach der stark vereinfachende Standpunkt, der von großen Teilen der altbackenen Musikindustrie vertreten wird, bei näherer Betrachtung nicht haltbar ist. Auch die Parteien, die das File-Sharing einst erbittert bekämpften, locken ihre potentiellen Kunden nunmehr mit dem Download ganzer Songs oder Mini-Alben.

Und diese Appetithäppchen sind fast immer an ein Nutzerkonto geknüpft, mit dem weitere Kommunikationskanäle eröffnet werden, um Produktwerbung zu betreiben. Praktisch, gell?

Link zum Artikel bei TorrentFreak (mit Quellen)
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Lesermeinungen (37)

zu 'Kurbeln Raubkopien das Musikbusiness an?'

  • olisandammeer
    05. Nov 2011 | 10:08 Uhr Antworten

    Ein sehr interessanter Beitrag Felix.

    Die Gedanken hatte ich auch schon des Öfteren.

    Ein schönes Wochenende und liebe Grüße

    Oli

  • Jan Gerhard
    05. Nov 2011 | 12:28 Uhr Antworten

    Das ist ein billiger Versuch den Täter zum Wohltäter zu machen. Leute verzichten NATÜRLICH auf den Kauf – weil sie’s umsonst bekommen. Und da es mittlerweile gesellschaftlich “en vogue” ist, fehlt auch ein Unrechtsbewusstsein.

  • Jan Gerhard
    05. Nov 2011 | 12:31 Uhr Antworten

    Ein Chef einer Plattenfirma hat es mal mit einem simplen Vergleich gut getroffen: “Wenn bei Ihnen Coca Cola umsonst aus dem Wasserhahn kommt – was wären sie bereit noch dafür zu bezahlen?”

  • Kurzscheidt
    05. Nov 2011 | 13:03 Uhr Antworten

    “Umgekehrt sei es vorstellbar, dass sich die Hörer, die durch eine illegale Kopie auf ein musikalisches Werk aufmerksam wurden, anschließend das Original kaufen.”

    Warum sollten sie das tun, wenn sie schon das Werk in bester Qualität auf der Platte/iPod haben?

  • Marc
    05. Nov 2011 | 14:27 Uhr Antworten

    Ich finde, man muss das Thema in zeitlich unterschiedliche Sequenzen unterteilen.
    Kurzfristig stellt eine Raubkopie auf jeden Fall einen Verlust für den Künstler und das Label dar. Die zu erwartenden 99 Cent pro track werden nicht gezahlt. Das ist fact.
    Mittelfristig kann eine Raubkopie aber dazu führen, dass der Raubkopierer die Band oder den Künstler dann doch so gut findet, dass er aufgrund der Tracks auf seinem I-Pod oder Mp3-Player im Falle eines Konzerts in seiner Nähe, die ganze Sache doch gerne live sehen möchte und für die Tickets und dann auch das Merch zahlt.
    Langfristig betrachtet gehen viele Labels (momentan hauptsächlich aus dem Independent-Bereich) dazu über, ihre Tracks aus Promotiongründen zum freien Download anzubieten, um eine Aufmerksamkeit / Fanbase zu schaffen. Der Verkauf von Tonträgern im traditionellen Sinne ist nicht mehr als die Haupteinnahme-Quelle zu sehen. Hat man aber echte Fans generiert, kommen diese auf Konzerte, kaufen Merch oder Limited-Editions. Diese Fanbase sorgte aktuell wiederum dafür, dass das gerade erschienen Album von Thees Uhlmann (Label: Grand Hotel Van Cleef) 20% mehr digitale Verkäufe verbuchen konnte, als erwartet.
    Ein anderes Beispiel ist Bossasaurus aus den USA, deren erste CD wurde von ihnen komplett zum freien Download bereitgestellt und als die zweite kam, war ich als frisch gewonnener Fan gerne bereit, dafür zu zahlen.
    Was ich mit den Beispielen sagen will, ist, dass selbst die Produzenten im Musikbusiness das Geschäftsmodell “Musik gegen Cash und sonst nichts” aufweichen, Zwischen-Modelle entwickeln und ihren Fokus verlagern.
    Das Prinzip “Raubkopien sind böse” basiert imho auf der traditionellen Sichtweise des Musikbusiness. Es wäre also mehr als interessant, eine Studie in Auftrag zu geben, die das Konsumverhalten von Raubkopierern bezüglich der geleechten Bands untersucht. Mit Fragen wie “Du hast Album X gesaugt, bist Du dann aber aufs Konzert gegangen?” etc.
    Es wird natürlich immer einen gewissen Prozentsatz geben, der einfach nur saugt und von dem auch nichts an die Künstler in Form von Konzertbesuchen oder später gekaufter Limited Edition zurückgeht, das wäre auch sehr blauäugig. Aber die oben angegebenen Beispiele zeigen, dass freie Musik keine Einbahnstrasse sein muss.
    Und noch ein kleiner Torrent-Habitus ist zu berücksichtigen: Wer sich auf einschlägigen Torrent-Sites herumtreibt, der sieht sehr schnell auch die Rankings, der am meisten gesaugten Tracks und der wird dann auch sehr schnell neugierig was das wohl ist. Ne Torrent-Hitparade kann eine sehr gute Promo sein. Ich würde als Künstler nichts dagegen haben, wenn meine CD hunderttausendfach geleeched wurde, denn dann ist sie und somit auch ich in aller Munde, was für eine Promo!
    Und zuguter Letzt: “Batman the beginning” war der meist gesaugte Film im Erscheinungsjahr und gleichzeitig auch der erfolgreichste in den Kinos, weil die User sich das Spektakel dann doch eben “live” geben wollten.
    Fazit: Der Richter hat mit seinem Urteilsspruch nur gesagt, dass es hier kein reines “Schwarz-Weiss-Denken” mehr gibt und dass ein gesaugter Track nicht zwingend als wirtschaftlicher Verlust mehr anzusehen ist. Und ich denke, damit hat er gerade auch auf die aktuelle Veränderung im Musikbusiness Bezug genommen.

  • Frank Funk
    05. Nov 2011 | 15:03 Uhr Antworten

    Als die Kasette erfunden wurde ging ein Aufschrei durch die Musikindustrie. Selbige hat damals die gleiche Leier gedreht wie sie es heute auch wieder tut. Umsatzeinbrüche, Zerstörung von geistigem und wirtschaftlichem Eigentum usw. Und? Hat sie? Um es einmal kurz auf den Punkt zu bringen, im Osten wurde (dank politischer Begrenztheit) die Kasette zum Hauptmedium. 17 Millionen Raubkopierer…? Ich habe nicht das Gefühl, dass dies der Industrie oder irgend einem Künstler geschadet hat. Welt weit! Im Gegenteil.
    Und auch ohne Kasette wurden Schallplatten direkt im Laden geklaut. In einem nicht unerheblichen Ausmaß. War dies das Ende der Musikindustrie? Dann kam die CD und noch schlimmer die Möglichkeit eine CD selbst zu erstellen (brennen). Und? Ende der Musikindustrie? Auch wenn es jedem Künstler in irgend einer Weise schaden kann (ob kleiner oder großer Artist), so wird es IMMER eine Menge X geben, die man auch als Künstler / Label als Verlust akzeptieren MUSS, wenn diese “unrechtlich” erworben wird. Das ist nicht neu und wird sich NIE ändern. Mit oder ohne Krokodilstränen…
    Ich halte es für viel schlimmer, wenn sogenannte Musiker, Künstler das Netz mit halbgaren Ausdünstungen voll masturbieren. Das ganze dann gleich auf unzähligen, aberhunderten Portalen veröffentlichen und dann auch noch glauben das Zentrum der Kreativität darzustellen. Wobei hier nicht über Geschmack gestritten werden kann. Brauner Haufen bleibt brauner Haufen. Schon mal jemand darüber nachgedacht, wie sich ein potentieller Käufer überhaupt noch einen Überblick verschaffen kann oder soll? Ja, ich habe schon Raubkopien aus dem Netz gesaugt! Und ja, ich bin über diesen Weg auf wunderbare Künstler aufmerksam geworden und ja, ich habe anschliesend auch Geld für diesen Künstler ausgegeben. Wer kein Geld für Musik ausgeben will oder auch ausgeben kann (hier möchte ich auch einmal auf die Menschen verweisen, die sich das ganze Leben nicht so einfach selber finanzieren können), wird auch kein Geld auszugeben. Verlust? Null! Der Wertverfall von geistigem Eigentum wird heute mehr denn je durch den Geist selber erzeugt. Diese ganze sogenannte Musikindustrie stinkt vom Kopf her und im Moment wird der größte Schaden genau dort verursacht. Ob großes (Major) oder kleine Label oder auch die gute alte Tante GEMA…
    Kurz um, wer Geld verdienen will (egal durch was) muß heute mehr denn je dafür etwas leisten. Früher wurde der Spam durch die Labels gefiltert, heute filtert er sich durch die Faulheit und / oder Dummheit der Künstler selbst. Und dafür sollen Raubkopierer verantwortlich sein? Gute Entscheidung von diesem Richter.
    PS: Auch ich möchte gern meinen Lebensunterhalt mit meiner Musik bestreiten. Daran ändert auch eine Raubkopie nichts. Ein Weg ohne Steine fördert keine Kreativität.
    Danke.

  • polyaural
    05. Nov 2011 | 22:11 Uhr Antworten

    1. Ich kaufe keinen Film und keine Musik mehr, die ich nicht vorher gesehen/gehört habe. Da ich im Radio selten Anregungen finde, muss ich mich auf Empfehlungen verlassen. Da mir die 30-iTunes-Sekunden nicht reichen suche ich den Track halt woanders. Ich bin ein Raubkopierer? Nein, ich kaufe nur keine CDs mehr auf Verdacht. Da hat die Plattenindustrie zu viel verbrannte Erde hinterlassen.

    2. Welche CD soll ich in einem Plattenladen kaufen? Im lokalen Saturn stehen ca. 20.000 CDs im Regal. Vielleicht auch doppelt so viel. Welche davon soll ich kaufen? Wo mir das Cover gefällt? Ist ein mal bisher in meinem Leben gut geangen. Aber sonst …

    Das Problem scheint mir, dass der Musikmarkt gelinde gesagt „unübersichtlich“ geworden ist. Ich behaupte mal, der überwiegende Teil der gesaugten Alben ist schneller von der Platte verschwunden als er brauchte um drauf zu kommen. Womit ich wieder bei Punkt 1 bin.

  • Kurzscheidt
    05. Nov 2011 | 23:31 Uhr Antworten

    @Marc:

    Du hast einen wichtigen Punkt schlichtweg übersehen:

    95% der Musiker sind in keiner Band. Sie produzieren allein zuhause mit ihrer Kiste oder mit der Gitarre usw.

    Wie sollen die ein Konzert geben? Oder gar ein DJ-Set?

    Der Markt ist schon voll genug, stell Dir vor die würden auch noch alle live rumtingeln wollen (zwischen Millionen anderen Musikern/DJs/Bands).

    Gern würde ich zu Konzerten, Liveauftritten oder DJ-Sets meiner “Idole” gehen, jedoch kommen die nie in meine Stadt, geschweige denn auch nur in die Nähe. Und wenn ich dann dochmal in die Nachbarstadt fahre um DJ XYZ in einem Club zu hören, dann ist die Enttäuschung meist groß (hoher Eintritt, DJ legt nur 1 – 2 Stunden auf, Musik entspricht nicht seinen sonstigen Produktionen usw.).

    @Frank Funk:

    Du wirst es nicht glauben, aber in der DDR gab es auch genügend Schallplatten und bespielte Kassetten zu kaufen mit “westlicher” Musik ;)

    Falco, Depeche Mode, Madonna, Michael Jackson, Modern Talking, Moti Special, Nena, Sandra usw.

    “Auch ich möchte gern meinen Lebensunterhalt mit meiner Musik bestreiten. Daran ändert auch eine Raubkopie nichts.”

    Doch die ändert sehr wohl etwas daran: Du mußt Dir nämlich doppelte Mühe machen! Einmal “umsonst” produzieren und dann rumtingeln um es irgendwie zu finanzieren. Das wäre etwa das gleiche wenn einem Bäcker die Brötchen geklaut werden und er dann schauen muss wie er sie wieder reinkriegt…

  • Frank Funk
    06. Nov 2011 | 12:25 Uhr Antworten

    @Kurzscheidt:

    Ja, es gab in der DDR auch besagte Tonträger. Allerdings eher unter dem Ladentisch. Ohne Beziehungen zu deinem lokalen Plattenladen war es noch nicht einmal möglich die von Dir angesprochenen Produkte zu kaufen. Glaub mir, ich habe oft bereits Stunden vor Öffnung eines solchen Ladens verbracht, um am Ende direkt als Erster in der Schlange zu hören zu bekommen, …schon alles weg… oder …war nie da… (auch wenn besagte Titel offensichtlich vorhanden waren)

    Und zu dem 2. Punkt:

    Nein. Eine Raubkopie ändert überhaupt nichts an meiner Leistung. Bitte denk noch einmal darüber nach. Du hast Recht, dass ich mir durch die Raubkopie noch mehr Mühe geben muss. Ist das falsch? Wie in meinem vorherigen Beitrag schon erwähnt, es gibt schon viel zu viel und besonders viel Schrott.
    Wer seine Musik / Arbeit ernst nimmt, wird niemals etwas “umsonst” produzieren, denn er / sie hat etwas geleistet. Es sei denn, es geht mir nur um die Vermarktung des Produktionsaktes als solchen und nicht um die Musik. Und zum Thema “irgendwie zu finanzieren”, ich denke das ist der falsche Ansatz um ein Musikleben zu gestalten. Mir ist bewusst, dass ich noch viel zu lernen habe und nicht erwarten kann, das mein erst oder auch zweit Bester Erguss das non plus ultra darstellt. Es gibt Millionen? / Milliarden? von Musikern auf der Welt. Alle müssen überleben und evetuell 95% davon müssen einer anderen Tätigkeit nachgehen. Sind sie deswegen weniger Künstler? Noch einmal, Ja, ich möchte irgend wann mein Leben durch Musik bestreiten, aber nein, nicht auf Kosten meiner Musik.
    Der Vergleich mit dem Bäcker ist auch nicht so ganz richtig. (Wie die meisten dieser Vergleiche überhaupt, siehe Cola oben) Musik wurde schon immer auch “geklaut”. Wie bereits geschrieben, wurden früher auch Schallplatten in hoher Stückzahl geklaut und auch Label und / oder Manager haben Musik geklaut und auch Musiker haben Musik geklaut. Demnach sollten wir ja alle aufhören etwas neues zu schaffen… Hört der Bäcker auf zu backen?

    Ich gebe Dir aber auch Recht, dieses Thema kann nicht nur von einer Seite betrachtet werden. Schön wäre es, wenn jeder seinen persönlichen Weg findet…

    • Kurzscheidt
      06. Nov 2011 | 20:00 Uhr Antworten

      Angeblich gab es alles in der DDR nur unterm Ladentisch, ebenso waren überall Schlangen vor den Geschäften :) Also ehrlich so langsam kann ich solche Pauschalisierungen nicht mehr hören!

      Wegen der Raubkopie:

      Heute ist Dein fertiges Lied (das eigentliche Produkt) nichts mehr wert. Und das liegt alleine an den Raubkopierern, an nichts anderem. Klar wurde früher auch kopiert, aber doch nicht in dem Maße wie heute…

      “Hört der Bäcker auf zu backen?”

      Ja, weil er wirtschaftlich denkt. Wiegesagt es ist total unlogisch sein Produkt zu verschenken und es anderweitig irgendwie zu refinanzieren.

      • Frank Funk
        07. Nov 2011 | 12:02 Uhr

        Du kannst solche Pauschalisierungen nicht mehr hören? Das tut mir sehr leid und trotzdem musste ich in besagter Schlange stehen und trotzdem gab es die von dir angesprochenen Produkte vorwiegend unter dem Ladentisch. Ich habe das nicht geträumt. Ob du es noch hören kannst oder nicht…
        Und weiter:
        Der Wertverfall der Musik liegt NICHT an den Raubkopierern! Glaub es oder laß es. Die Musikschwemme wird durch die Künstler selber erzeugt, die absolut jeden Scheißdreck (das muss ich jetzt mal so schreiben) veröffentlichen müssen. Wieso glaubt denn bitte jeder bei Myspace, Youtube, jetzt Facebook und absolut jedem im Netz verfügbaren Downloadportal erscheinen zu müssen? Ja, ja, ich weiß, Wirtschaftlichkeit… oder einfach Dummheit. Ich würde an dieser Stelle gern einmal ein Zitat los werden:
        …wer in die Fußstapfen anderer tritt hinterlässt keine eigenen Spuren… (eventuell Heinrich Heine)
        Wieso gibt es denn von allen Musikern auf der Welt auch Stücke die nie veröffentlicht wurden? Weil die Musiker der Meinung waren, das diese nicht gut genug sind / waren. Das stellt man dann heute wieder fest, wenn ein Label meint auch noch das aller kleinst Husten eines Michael Jackson veröffentlichen zu müssen. -> Raubkopierer sind daran schuld?
        Auch hier noch einmal, das ist die Dummheit der Musiker selber. und ich glaube auch mehr denn je, das die Betrachtung eines Kulturstückes (ob Musik oder Bilder oder sonst etwas) als Wirtschaftsprodukt für den Wertverfall verantwortlich sind. Und in diesem Sinne finde ich es auch besonders gut, das heute nicht jeder der eine DAW sein eigen nennen darf gleich ein Studiobetreiber sein kann. In der Vergangenheit haben sich 4 große Firmen weltweit ca. 80% (habe ich mal gehört und gebe ich nicht als Weisheit heraus)den gesamten Umsatz im Bereich Musik unter den Nagel gerissen. Mit welchem Recht? Danke liebes Internet, du hast dies zerstört. Kulturgut ist nicht mehr elitär. Jeder, egal wo auf der Wlet, bekommt seine Chance. Das ist gut. Raubkopien ändern daran überhaupt nichts.
        Noch einmal Thema Diebstahl, zuerst sollten die ganzen “Studiobetreiber” die geklaute Software vom Rechner löschen, bevor Sie die Probleme den Raupkopien unter schieben.

      • Kurzscheidt
        07. Nov 2011 | 14:21 Uhr

        Ja mag sein das DU in der Schlange gestanden hast, aber das war kein Dauerzustand wie er immer beschrieben wird. Vielleicht zeitweise in dörflichen Regionen… ist aber auch egal. Solche Schauermärchen werden immer gerne auf die gesamte DDR bezogen und dort war das ja angeblich 40 Jahre am Stück so…

        “Der Wertverfall der Musik liegt NICHT an den Raubkopierern! Glaub es oder laß es.”

        Auf Vinyl und CD hatte Musik einen gewissen Wert. Eine MP3-Datei auf der Festplatte hat nunmal keinen richtigen Wert mehr. Man kann nichts anfassen, man kann nichts auflegen, man kann kein Booklet durchstöbern usw.

        Es liegt somit am Format (und natürlich den dadurch sprunghaft angestiegenen Raubkopien).

        “Die Musikschwemme wird durch die Künstler selber erzeugt, die absolut jeden Scheißdreck (das muss ich jetzt mal so schreiben) veröffentlichen müssen.”

        Und deswegen hat keinen Musik keinen Wert mehr? Mist gab es früher auch schon, aber wesentlich weniger als heute.

        Die Leute sind einfach nicht mehr gewillt Musik zu kaufen. Nicht weil sie schlecht ist oder weil es zuviel gibt, sondern weil sie kostenlos verfügbar ist. Selbst wenn die Portale alle Tracks für 50 Cent verticken würden, dann würde sich umsatzmäßig kaum etwas tun.

  • Marc
    06. Nov 2011 | 13:00 Uhr Antworten

    @Kurzscheidt Ich bezweifle Deine Zahl von 95% von Musikern, die in keiner Band sind. Woher hast Du diese Zahl? Ich betreibe seit 8 Jahren eine Radiosendung, in der ich Newcomerbands vorstelle. Das Verhältnis Bands-Solokünstler ist mindestens 70:30 und diese Zahl rekrutiere ich aus über 5000 Bemusterungen.
    Und selbst wenn jemand ein Solokünstler ist, wo bitte steht geschrieben, dass der nicht auch auftreten muss? Die Aussage “Wo bitte sollen die Konzerte geben” ist vollkommen an der Realität vorbei. Es passiert vielleicht alle Schaltjahre mal, dass es Phänomen wie “Yello” gibt, die ein einziges Konzert gegeben haben und trotzdem ihre Platten verkaufen. Der Rest,egal ob Solo oder als Band, muss touren.
    Ich kann ebenfalls nicht nachvollziehen, wie Du darauf kommst, dass dann überall Gigs en Masse wären, weil jeder Künstler / DJ dann ja auftritt. Ja, ich stimme Frank Funk zu, im Netz wird man mit allerhand Müll von so ziemlich jedem, der zwei Akkorde greifen oder einen A-B-A-B-Reim kritzeln kann, zugeschissen. ABER das heisst noch lange nicht, dass dieser Müll auch tatsächlich gebucht wird. Das ist wie in jeder anderen selbständigen Tätigkeit da draussen auch. Bist Du gut, kriegst Du Aufträge, bist Du Scheisse, gehst Du pleite. Blos, weil sich jemand Webdesigner oder Musiker schimpft, ist das noch lange keine Garantie zum Gelddrucken. Da muss man schon was auf der Pfanne haben, damit da auch mal Geld fliessen soll.
    Und ich wiederhole mich noch mal. Ja, man produziert immer erst umsonst und tingelt dann, um die Kohle reinzubringen, zumindest am Anfang, da kannst Du jede Band oder jeden Solokünstler fragen. Die Beatles haben 1200 Gigs absolviert, bevor sie erfolgreich wurden.
    Und noch zu Deiner Retrospeltive, was die DDR betrifft, ja, es gab die Platten und Tapes zu kaufen, aber die Nachfrage nach Mixtapes und Bootlegs war in der DDR enorm und diese Raubkopien kamen alle in Massen über die damalige Tschechoslowakei in die DDR. Und sieheda, als die Mauer fiel, gab es gerade im Independent-Bereich enorm viele Kooperationen und Konzertvermittlungen aufgrund der Mixtape- und Raubkopien. Das hat das Business zum Beispiel angekurbelt. Ich bleibe also dabei, dass es kein Schwarz-Weiss mehr in diesem Thema gibt und man wirklich differenziert das Thema beleuchten sollte.

    • Kurzscheidt
      06. Nov 2011 | 20:08 Uhr Antworten

      Welche Musikrichtung stellst Du denn im Radio vor? Rock? Pop? Aber sicherlich keine elektronische Musik, weil das sind wiegesagt größtenteils alles Einzelgänger.

      “Der Rest,egal ob Solo oder als Band, muss touren.”

      Müßte er aber nicht, wenn die Leute die Musik kaufen würden.

      “Bist Du gut, kriegst Du Aufträge, bist Du Scheisse, gehst Du pleite.”

      Die Clubs buchen doch nur Leute, die auch entsprechend für Besucheransturm sorgen. Ergo werden bekannte Bands genommen und nicht irgendeine Newcomerband aus dem Nachbardorf (auch wenn die noch so gut ist).

      Sprich die Band muss mit ihrem Album in Vorleistung gehen und dann bis zur Besinnungslosigkeit touren, um überhaupt irgendwie wahrgenommen zu werden.

      “Ja, man produziert immer erst umsonst und tingelt dann, um die Kohle reinzubringen, zumindest am Anfang, da kannst Du jede Band oder jeden Solokünstler fragen.”

      Ich rede aber von Studioprojekten. Die machen einen Großteil der Charts aus, davon kann keiner “touren”. Wiegesagt Du gehst ausschließlich von Bands und Sängern oder sowas aus…

      “Und sieheda, als die Mauer fiel, gab es gerade im Independent-Bereich enorm viele Kooperationen und Konzertvermittlungen aufgrund der Mixtape- und Raubkopien. Das hat das Business zum Beispiel angekurbelt.”

      Ja aber das war vor 20 Jahren! Die Leute aus der DDR haben sich natürlich nach dem Mauerfall erstmal auf ALLES gestürzt was in irgendeiner Form westlich war.

  • Yfreet
    06. Nov 2011 | 20:35 Uhr Antworten

    Ich bin auch der Meinung dass “Raubkopie” durchaus das Musikbusiness ankurbeln kann. Vor allem was eher unbekannte bzw nicht promoutete Bands/Künstler angeht. Ohne solche illegalen Portale wäre ich nie auf Künstler wie Notwist, Apparat, Kwoon, Amon Tobin usw gekommen, deren CDs jetzt meine Regale schmücken. Zudem muss man berücksichtigen dass es Leute gibt, die, wie schon erwähnt, kein Einkommen haben um die CDs, Konzerte usw zu bezahlen, Schüler zB. Wenn man denen dann doch noch klar machen kann dass Leute dafür gearbeitet haben und ohne Bezahlung nicht weiter produzieren können, sind diese meist bereit dafür Geld auszugeben, sofern sie welches übrig haben.
    Was ich noch anmerken möchte – der Vergleich mit Brötchen hinkt gewaltig. Eine Raubkopie ist immer noch eine Kopie und kein Raub.

    • Kurzscheidt
      07. Nov 2011 | 00:40 Uhr Antworten

      Natürlich wird es immer wieder mal Fans geben, die sich dann die CDs kaufen. Aber das ist ja eigentlich nur was für die Schrankwand. Jemand der einen illegalen Download schon auf der Platte hat, wird garantiert nicht nochmal das gleiche Lied legal als Download kaufen.

      Ich habe als Schüler/Azubi damals auch all mein Geld für CDs ausgegeben. Würde das heute jemand als Schüler machen, dann würden sie ihn vermutlich alle nur auslachen bzw. frech um eine Kopie bitten.

      Es interessiert die Konsumenten auch nicht mehr, wieviel Aufwand hinter einer Produktion incl. Promo steckt.

      Selbst wenn jetzt 25 bekannte Musiker aufgeben, werden ihre Plätze einfach sofort wieder durch andere gefüllt und die Musik deswegen nicht zwangsläufig schlechter.

      “Eine Raubkopie ist immer noch eine Kopie und kein Raub.”

      Warum kommt dann “Raub” im Wort “Raubkopie” vor? :-)

      • Yfreet
        07. Nov 2011 | 15:36 Uhr

        Alle mir wichtigen Sachen habe ich in der Schrankwand zu stehen. Ja, ich bin so altmodisch. Und einen mp3-Download kaufe ich schon aus Prinzip nicht, da kann ich mir gleich einen Stream aus dem Radio speichern.
        Und es interessiert die “Konsumenten” schon “wieviel Aufwand” – wenn sie selbst arbeiten. Schüler können den Aufwand einfach noch nicht einschätzen und werden auch weiter kopieren.
        “Raubkopie” – wer hat denn dieses Unwort in Umlauf gebracht? Wer hat als erster geschrien er würde ausgeraubt? Bei Plattenverträgen mit 15-85 Aufteilung waren es bestimmt nicht die Musiker.

  • jojoon
    07. Nov 2011 | 07:59 Uhr Antworten

    “Der Rest,egal ob Solo oder als Band, muss touren.”
    “Müßte er aber nicht, wenn die Leute die Musik kaufen würden.”

    - ist völliger käse…wer keine aufmerksamkeit generieren kann, kann auch keine musik verkaufen, so läuft das nun mal. und aufmerksamkeit generierst du durch gigs, konzerte oder in der elektroschiene durch auflegen bzw. live-djing. ohne das nicht drauf zu haben, brauchst du nicht drauf warten, dass du nur eine cd verkaufst. es weiss halt einfach keiner von dir, wie willst du dann genug cds verkaufen, selbst wenn du noch so gute “hits” produzierst.

    “Bist Du gut, kriegst Du Aufträge, bist Du Scheisse, gehst Du pleite.”
    “Die Clubs buchen doch nur Leute, die auch entsprechend für Besucheransturm sorgen. Ergo werden bekannte Bands genommen und nicht irgendeine Newcomerband aus dem Nachbardorf (auch wenn die noch so gut ist). Sprich die Band muss mit ihrem Album in Vorleistung gehen und dann bis zur Besinnungslosigkeit touren, um überhaupt irgendwie wahrgenommen zu werden.”

    das ist leider auch käse…clubs buchen natürlich leute, die besucherzahlen generieren. ABER: wenn du gut verhandelst (und in vorleistung gehst)…kannst du auch als unbekannte band einen gig in einem club machen. verhandelt wird üblicherweise ein mindestumsatz, wenn der nicht generiert wird, zahlt die band drauf. wenn er höher ist, wird die band an den einnahmen beteiligt. die cd-produktion wird meist von solchen einnahmen finanziert. bist du scheisse wirst du ökonomisch scheitern, hast dann aber im business auch nichts verloren. und ich rede hier nicht von hobbymusikern, die sich mit ihrem richtigen job mal ne cd-produktion gönnen.

    “Ich rede aber von Studioprojekten. Die machen einen Großteil der Charts aus, davon kann keiner “touren”. Wiegesagt Du gehst ausschließlich von Bands und Sängern oder sowas aus…”

    wo hast du denn das gehört…ohne promotion, merchandising, autogrammstunden und touren wären die allermeisten projekte in den charts nicht einmal vertreten.

    “Ja aber das war vor 20 Jahren! Die Leute aus der DDR haben sich natürlich nach dem Mauerfall erstmal auf ALLES gestürzt was in irgendeiner Form westlich war.”

    auch hier zeigst du, das du eigentlich keine ahnung hast. was bitteschön hat das mit westlich zu tun. fakt ist, das die musikalische welt zwischen ost und west sehr verschieden war. sehr viel reifer als im westen war im osten die wave- und postpunk-szene, die massiven einfluss auf die entwicklung des deutschen indie-bereichs hatte: z.b. nina hagen, pankow, city…chartstechnisch schau dir mal and one und rammstein an!

    • Kurzscheidt
      07. Nov 2011 | 14:28 Uhr Antworten

      Erst einmal danke das alles von mir “Käse” ist :)

      ***
      “und aufmerksamkeit generierst du durch gigs, konzerte oder in der elektroschiene durch auflegen bzw. live-djing. ohne das nicht drauf zu haben, brauchst du nicht drauf warten, dass du nur eine cd verkaufst.”
      ***

      DAS ist nun wirklich Käse! :) Ich erinnere an viele Dancehits aus den 90ern wo niemand irgendwie auftreten ist (z.B. Felix) und die trotzdem richtig dick verdient haben.

      ***
      “es weiss halt einfach keiner von dir, wie willst du dann genug cds verkaufen, selbst wenn du noch so gute “hits” produzierst.”
      ***

      Dazu ist doch das Internet da!

      ***
      “wo hast du denn das gehört…ohne promotion, merchandising, autogrammstunden und touren wären die allermeisten projekte in den charts nicht einmal vertreten.”
      ***

      Na dann guck Dir mal die Charts genauer an… die Dance/House-Projekte touren i.d.R. erst WENN sie in den Charts gelandet sind um eben das Geld mitzunehmen. Vorher hätten z.B. keiner einen Sak Noel gebucht. Erst NACHDEM sie Erfolg haben, interessieren sich Discos für dere Auftritte.

  • dj Putin
    07. Nov 2011 | 08:38 Uhr Antworten

    raubkopien sind gut!
    promo bleibt promo.
    die spreu trennt sich vom weizen- musik die eine breite masse anzieht wird konsumiert. konzerte werden besucht (diese kann man nicht “kopieren”). so funktioniert das system heute. erfolg hat der, der um diese umstände weiß.
    kleine bands profitieren viel mehr von raubkopien als gierigem geldscheffeln durch verkauf. meine band kennt kaum eine sau. dennoch haben wir mehr als 30k klicks monatlich. wir verkaufen unsere musik nicht. die leute kommen dennoch zu unseren konzerten.
    wer nicht investiert, der kapituliert.

    • Kurzscheidt
      07. Nov 2011 | 14:30 Uhr Antworten

      “musik die eine breite masse anzieht wird konsumiert.”

      Deswegen produzieren ja alle nur noch Mainstream :) Ansonsten würden ihre Lieder ja überhaupt keine 100 Euro Umsatz mehr machen :)

      “konzerte werden besucht (diese kann man nicht “kopieren”).”

      Jo aber die Liveaufnahmen gibt’s schon wenige Stunden später im Netz in MP4…

      • TiKay
        11. Feb 2012 | 11:03 Uhr

        Sorry, aber zu deiner Aussage:

        “Jede Sekunde,die man sich ärgert,kostet einen sechzig Sekunden des Glücks!”

        Muss ich jetzt mal sagen, dass das totaler Bockmist ist. Jeder der schon mal bei Rage Against the Maschine, Metalica usw. auf nem Konzert war, weiß, dass dieses Erlebnis keine Leindwand und kein Soundsystem ersetzen kann. Wer schon mal mit seiner Liebsten im Nieselregen “Nothing else Matters” gehört hat, oder mit 40.000 anderen Leuten zu “Killing in the Name of” abgedgangen ist kann dir das bestätigen.

        Außerdem sind die Preise für die Musikdownloads viel zu hoch, wenn man betrachtet, wie schnell ein Titel ausgelutscht ist.
        In den Clubs, im Radio und im Fernsehen werden neue Titel bis zum Exzess gespielt, solange bist der größte Fan und gar die Künstler selber keinen Bock mehr haben den Titel zu hören oder zu spielen.

        Wieso soll ich also horende Summen für ein Stück zahlen, das ich 2 Wochen später ohne Eigenverschulden nicht mehr hören kann?!
        Noch dazu wenn ich weiß, dass dieser Betrag einen erheblichen Teil meiner Einnahmen schluckt, und sich Produzenten und Künstler (Mainstream, TOP 100) ein schönes Leben mit dicken Autos und Häusern machen.

        Ich besitze viele Platten von Nachwuchskünstlern und Bands. Wenn ich sie gut finde werden sie unterstützt. Nur haben es David Guetta Britney Spears und Co leider nicht nötig von meinem Einkommen als Student zu leben.

        Ich kenne keinen Wissenschaftler der dicke Autos fährt und 5 Häuser hat. Egal wie gut seine Idee war, und egal wie weltbewegend sein “geistiges Eigentum” ist.
        Diese ganze kapitalistische Musiklobby muss einfach mal wieder landen, bzw gelandet werden.

        Schönen Tag!

  • Marc
    07. Nov 2011 | 10:15 Uhr Antworten

    @jojon: WORD!
    @Kurzscheidt:
    1. Ich stelle unter anderem eine Menge elektronischer Solokünstler (DJ/Producer) vor, nicht nur Bands. Und für die gilt ebenfalls: Haste was drauf und promotest es gut, gibts am Ende Kohle und zwar bei beatport zum Beispiel, weil sämtliche DJs ihre tracks kaufen und nicht so Depp sind, ne Raubkopie auf ihren Laptop zu ziehen. Und von all den E-Musikern arbeiten so viele aus Promotiongründen mit freien Downloads und ja, sie touren ebenfalls sau viel, legen auf etc. und machen ihr Geld damit.

    Und nochmal zur Realität, was die “gute alte Zeit” betrifft: Wenn ich früher in den Plattenladen ging, dann hab ich mir 2 Stunden lang alles angehört, was micht interessierte. Hatte ich dann keine Kohle,hab ich bei nem Kumpel nachgefragt, ob er mir die Scheibe auf Tape ziehen kann. Fertig aus. Wenn die Mucke aber derart geil war, dann hab ich gespart um eben doch die Platte mein eigen nennen zu können.
    Und ich bleibe dabei, wenn mein Track zehntausendfach geleeched wurde, dann hab ich es eigentlich geschafft, denn dann hab ich nen sau guten Track gemacht und jeder kennt ihn. Was für ne Promo!

    Bei allen anderen Deiner Antworten schliesse ich mich jojon an

    • Kurzscheidt
      07. Nov 2011 | 14:39 Uhr Antworten

      “Haste was drauf und promotest es gut, gibts am Ende Kohle und zwar bei beatport zum Beispiel, weil sämtliche DJs ihre tracks kaufen und nicht so Depp sind, ne Raubkopie auf ihren Laptop zu ziehen.”

      Erzählen sie Dir das wirklich so?

      1. Die Umsätze bei Beatport gehen in den Keller, zumal Beatport knapp 50% abzwackt. Es wird verstärkt “woanders” gekauft.

      2. Die Charts bei Beatport sind gepusht, also ohne Promo kommt man dort selten rein.

      3. Die meistens DJs kaufen keine Musik sondern lassen sich KOSTENLOS bemustern.

      4. Gibt es wesentlich mehr “Deppen”, die sich via Amazon, Musicload und iTunes eindecken.

      “Und ich bleibe dabei, wenn mein Track zehntausendfach geleeched wurde, dann hab ich es eigentlich geschafft, denn dann hab ich nen sau guten Track gemacht und jeder kennt ihn. Was für ne Promo!”

      Von den 10.000 haben locker 90% Deinen Track nach dem runterladen gleich wieder gelöscht ;)

      Die restlichen 10% knallen Dich in irgendeinen Ordner zu den anderen hunderten Liedern. Dein Name bleibt vielleicht kurzzeitig im Gedächtnis, aber ich bezweifel das dadurch mehr Umsätze oder Giganfragen kommen.

  • Marc
    07. Nov 2011 | 19:28 Uhr Antworten

    @ Kurzscheidt: Kann es sein, dass all deine Argumente auf der Vergangenheit basieren? “Ich erinnere an die 90er…” Wir leben im Jahr 2012, da gibt es den Majorlabel- und Mainstream-Medien-Flaschenhals nicht mehr.
    Bitte schau dir mal die Elektroszene an, Cato Lindberg, Zak Elektrohead Kilmister, Bossasaurus etc. pp. die verdienen alle ihr Geld, weil sie das Netz, freie Downloads und das Live-Geschäft richtig verstanden haben und nutzen. Girl Talk ist das Beispiel schlechthin, dass “Raubkopien” eben nicht ins Armenhaus führen.
    Die 90er und ihre Exzesse sind vorbei!
    Und bitte tu nicht so, als ob man damals richtig Asche machen konnte, wenn man als unbekannter Producer auf nem Whitelabel rausgekommen ist. Wenn Du nen Hit gelandet hast, dann evtl. ja aber in den meisten Fällen bekamst Du dann Kohle durch die Veranstalter- und GEMA-Gebühren. Frag mal die Produzenten von Snap wie das Verhältnis von gekauften Alben zu raubkopierten Tapes war. Ich verrats Dir, die Tapes lagen weit vorne und trotzdem haben sie ihr Geld gemacht. Die Verwertungskette sieht nämlich etwas anders aus als “Track auf Platte gibt Asche durch Kunden”.

    Metallica hat Napster verklagt und will jetzt sein nächstes Album selbst vermarkten mit freien Downloads inklusive. Sebst die alten Säcke haben den Wandel begriffen. Muss ich hier wirklich Nine Inch Nails, Radiohead oder die Beastie Boys auspacken, die mit DRM-freien Tracks arbeiten, CC-Lizenzen und trotzdem ihre Kohle machen? Du kannst deren Alben für lau und legal saugen als mp3, bezahlst n bisschen was für die wavs, oder latzt richtig für die Super-Sonderedition in Vinyl mit DVD etc.
    Und so unsäglich das Beispiel auch ist, ohne die “Raubkopien” wäre “Schnappi” kein Geldregen gewesen, genauso wie “Mein Block” von Sido. Die tracks wurden alle geleeched wie blöd und dann hat sich daraus ein Business entwickelt.
    Wenn FeedMe nen track umsonst raushaut, und das rockt richtig, dann macht der damit die Clubs voll. Und da kommt die Kohle locker wieder rein. Nicht zu vergessen, dass es heute mittlerweile einfacher ist, sich den Track übers Handy legal und schnell downzuloaden als auf ne Tauschbörse zu gehen.
    Du tust gerade so, also ob die Welt nur aus Raubkopierern besteht. Schau Dir mal bitte die Steigerung der legalen Downloads in den letzten Jahren an. Ja glaubst Du ernsthaft, dass alle Künstler ihr Album auf i-tunes stellen würden, wenn sie keinen wirtschaftlichen Sinn darin sähen? “Neee, wird doch eh kopiert, das lohnt sich nicht”…Komisch, dass es sich doch irgendwie zu lohnen scheint. Nicht für alle, aber das hat es noch nie!
    Der Begriff “Ladenhüter” traf und trifft auf die Tonträger immer noch zu. Wenn das Zeug da drauf nicht gut ist, wird es nicht verkauft.
    Lies dir mal n paar us-amerikanische Musik-Business-Blogs wie MTT durch, in denen Major Label CEOs selbst sagen, dass Raubkopien das Business nicht wirklich gefährdet haben, sondern dass sie es verpasst haben, sich den neuen Technologien und dem neuen Konsumentenverhalten anzupassen.

    • Kurzscheidt
      07. Nov 2011 | 21:17 Uhr Antworten

      Ich will mit den 90ern nur sagen, dass da eben das Verhältnis Verkäufe/Raubkopien noch in Ordnung war.

      Danach kamen die CD-Brenner, dann das Internet, dann MP3.

      Und deswegen soll jetzt auf einmal die Musik nichts mehr wert sein? Und der Künstler sich trotz Vorleistung (Album) abstrampeln um überhaupt bischen Umsatz zu machen?

      “Cato Lindberg, Zak Elektrohead Kilmister, Bossasaurus”

      Sorry, noch nie gehört die Namen. Selbst wenn man seine Tracks verschenkt, beschert das noch lange keine garantierten Liveauftritte. Auch wenn sie gut sind.

      Ja und “Girl Talk” ist ja ein super Beispiel: Ohne geklaute Samples wäre er aufgeschmissen. Kein Wunder wenn er seine Musik lieber verschenkt anstatt zu verkaufen, ansonsten gebe es sicher rechtlich bald Probleme.

      “Die 90er und ihre Exzesse sind vorbei!”

      Ja dank der Raubkopierer.

      “Metallica hat Napster verklagt und will jetzt sein nächstes Album selbst vermarkten mit freien Downloads inklusive.”

      Ja 2-3 schlechte Tracks vom Album gibt’s umsonst. Klasse!

      “Muss ich hier wirklich Nine Inch Nails, Radiohead oder die Beastie Boys auspacken”

      Das sind 1) alles Bands die live auftreten können und 2) schon vor der “Krise” gut im Geschäft waren.

      “Nicht zu vergessen, dass es heute mittlerweile einfacher ist, sich den Track übers Handy legal und schnell downzuloaden als auf ne Tauschbörse zu gehen.”

      Tja dann sag das mal den Raubkopierern :)

      “Du tust gerade so, also ob die Welt nur aus Raubkopierern besteht.”

      Zu 90% ja :)

      “Ja glaubst Du ernsthaft, dass alle Künstler ihr Album auf i-tunes stellen würden, wenn sie keinen wirtschaftlichen Sinn darin sähen?”

      Man will eben den Kleinviehmist auch mitnehmen. Besser als gar nichts.

      • Carlos San Segundo (delamar)
        07. Nov 2011 | 23:59 Uhr

        Von welcher “Krise” sprichst Du? Das letzte Mal, dass ich in die Statistik der MI geschaut habe, hatten sie mehr Verkäufe denn je. Nur der Verkauf von Singles und Maxis auf CD ging zurück…

  • Marc
    07. Nov 2011 | 19:33 Uhr Antworten

    Und noch was zu Beatport: “Die Charts dort sind gepushed, ohne Promo kommt man da nicht rein” ja und wenn schon, wo ist denn da der Unterschied zu den Mediacontrolcharts? Da kommste ohne Promo auch nicht rein, was ist denn das für ne Logik?

    • Kurzscheidt
      07. Nov 2011 | 21:19 Uhr Antworten

      Was ich damit sagen wollte:

      Ohne direkte Promo bei BP verkaufst Du dort nichts.

      BP ist außerdem ein Downloadportal, kann man mit MCC nicht vergleichen.

  • Frank Funk
    07. Nov 2011 | 20:58 Uhr Antworten

    @Kurzscheidt
    Dann habe ich sicher nur Pech gehabt, wenn ich selbst beim Plattenladen in der Schlange stehen musst und im Gemüseladen, gelegentlich im Konsum… oder auf dem Dorf gewohnt habe. Darum geht es hier aber überhaupt nicht.
    Es ist auf jeden Fall nicht so einfach wie du es gern siehst. Musik hatte früher einen Wert weil sie sich auf Plastikscheiben befand? Ich denke nicht. Die Plastikscheiben (und deren Maschienerie) haben den Wert nur in die Höhe getrieben. Mehr nicht. Wenn du nur allein darin einen Wert siehst, muss ich dir leider unterstellen selber kein Wertgefühl für Musik als solche zu haben. Das kann ich mir aber nicht wirklich vorstellen, sonst würdest du hier nicht mitreden. Also wo ist das Problem? Musik hat heute den exakt gleichen Wert wie früher.
    Leider schnappst du dir immer nur Fragmente aus unseren Kommentaren heraus, ohne auf eine komplette Aussage einzugehen oder gar nachzudenken. Zumindest kommt bei mir dieser Eindruck zustande. Das macht es mir persönlich sehr schwer deinen Aussagen zu folgen. Du hast nur einen einzigen Standpunkt und kannst mir nicht ansatzweise ein vernünftiges Argument liefern, damit ich über meinen Standpunkt neu nachdenken muss. Das würde ich gern. Niemand ist frei von Irrtümern.
    Deiner Aussage zu den Dance Act´s muss ich auf jeden Fall auch widersprechen. Künstler wie Felix z.B. waren zu ihrer Erfolgszeit fast jede Woche gebucht. Ich gebe dir dabei sogar soweit recht, das diese Bookings zu einem extrem großen Anteil zu dem Charterfolg in Abhängigkeit standen. Aber, dieser Erfolg war durch eine entsprechende Vorleistung entstanden. VORLEISTUNG. RISIKO. VERLUSTMÖGLICHKEIT. VERLUST. Jeder Act hatte damals mit dem gleichen Risiko für die Plattenfirma zu kämpfen. Die Aussage der Plattenbosse selber war:
    …ein erfolgreicher Act finanziert 9 erfolglose Versuche…
    Das hatte schon damals oder besser gerade damals bewiesener Maßen nichts mit Raubkopien zu tun.
    …zum Schluss…
    Ich finde es schön von dir dich, trotz unserer hartnäckigen Meinung, zu stellen. Danke. Auf einen gemeinsamen Nenner werden wir nicht kommen. Müssen wir auch nicht. Die Zeit wird zeigen, wohin die Reise geht. Ich wünsche mir Vielfalt. Dazu gehören auch solch unterschiedliche Wege wie die unseren. Es wird niemals nur DEN EINEN richtigen Weg geben. Dank Internet haben sich unglaublich viele Türen geöffnet und ich bekomme als Musiker die Möglichkeit bei den Fans meiner Musik direkt die Klinke zu putzen. Das macht sogar jetzt richtig Spaß. Da sind ein paar darunter, die meine Musik stehlen oder weiter geben? Wen juckt´s…

    • Kurzscheidt
      08. Nov 2011 | 01:27 Uhr Antworten

      Du wirst es nicht glauben, selbst in der BRD stand/steht man gelegentlich in der Schlange vor der Kasse, oder die Leute stehen vor 8 Uhr schon vorm ALDI wegen irgendeinem angeblichen Schnäppchen. Auch sind ständig meine Lieblingsprodukte ausverkauft oder noch gar nicht geliefert worden etc.

      Zum Thema:

      Selbst wenn die CDs damals nur 5 Mark gekostet hätten, dann hätte die Musik darauf für mich den gleichen “Wert” gehabt.

      Man hatte extra CD-Regale für seine Sammlung usw.

      Heute wirfst Du die MP3-Datei in irgendeinen Ordner.

      Also für mich hat eine MP3-Datei keinen wirklichen Wert :(

      “Leider schnappst du dir immer nur Fragmente aus unseren Kommentaren heraus, ohne auf eine komplette Aussage einzugehen oder gar nachzudenken.”

      Ich ziehe mir nur das raus was relevant ist :) Warum sollte ich auf eine “komplette Aussage” eingehen, wenn ich mit ihr absolut nicht einverstanden bin und der Autor sich 10000%ig im Recht wähnt? :)

      Wiegesagt für mich sind die Raubkopierer an den sinkenden Umsätzen schuld. Deswegen muss ich mir jetzt Gedanken wegen DJ-Sets und Liveauftritten machen. Obwohl legale Downloads heute so billig wie nie und sofort verfügbar sind.

      Das ist eben meine Meinung… die Kids kann ich aber verstehen, sie wurden ja in dieses “System” einfach reingeboren.

      “Künstler wie Felix z.B. waren zu ihrer Erfolgszeit fast jede Woche gebucht.”

      Sicher? Francis war damals der Mann der auf keinen Fall in der Öffentlichkeit stehen wollte. Also sind dann wohl höchstens die Co-Producer getourt.

      “Ich gebe dir dabei sogar soweit recht, das diese Bookings zu einem extrem großen Anteil zu dem Charterfolg in Abhängigkeit standen.”

      Richtig, denn “normale” DJs gibt es an jeder Ecke für 100 Euro. Aber die ziehen eben nicht mehr Publikum (mehr Umsatz).

      “Aber, dieser Erfolg war durch eine entsprechende Vorleistung entstanden.”

      Naja ohne Produkt (Album/Track) kann man natürlich nicht touren oder irgendwas verkaufen :) Es ist logisch das man erstmal was produzieren muss. Aber ich verweigere mich eben diesem “Du mußt das Geld anderweitig reinbekommen”.

      Wenn ich meine Facebook-Fans mit den Verkäufen vergleiche, dann stimmt da irgendwie was nicht ganz :) Es ist zwar schön wenn alle jubeln und dich loben, aber davon kann man sich eben nichts kaufen.

      Und stell Dir vor: Deinem letzten Absatz stimme ich sogar zu ;)

  • jojoon
    07. Nov 2011 | 21:16 Uhr Antworten

    “DAS ist nun wirklich Käse! :) Ich erinnere an viele Dancehits aus den 90ern wo niemand irgendwie auftreten ist (z.B. Felix) und die trotzdem richtig dick verdient haben.”

    das ist nun bald schon käse mit edelschimmel.
    junge, junge, wo hast du denn deine infos her ?
    lies z.b. nur kurz hier: http://www.myspace.com/felixmusicmyspace
    francis wright hat schon ein paar jahre vorher djing betrieben und rap-combos am start gehabt. danach wurde er unter vertrag genommen und hat nen kickstart hingelegt. bekannt werden musste er vorher. ausführlichere biographie gibt dir sicher noch ein paar mehr beispiele.

    ***
    “es weiss halt einfach keiner von dir, wie willst du dann genug cds verkaufen, selbst wenn du noch so gute “hits” produzierst.”
    ***

    “Dazu ist doch das Internet da!”

    genau…und dann landest du im internet, nicht umsonst auch der digitale äther genannt. wer dich nicht kennt, wird nicht nach dir suchen. bloss weil du eine eigene webseite hast, heisst das noch lange nicht, dass du von google&co gefunden wirst, weil nämlich dein pagerank etliche hundert plätze unter den letzten metacrawlern liegen.

    ***
    “wo hast du denn das gehört…ohne promotion, merchandising, autogrammstunden und touren wären die allermeisten projekte in den charts nicht einmal vertreten.”
    ***

    “Na dann guck Dir mal die Charts genauer an… die Dance/House-Projekte touren i.d.R. erst WENN sie in den Charts gelandet sind um eben das Geld mitzunehmen. Vorher hätten z.B. keiner einen Sak Noel gebucht. Erst NACHDEM sie Erfolg haben, interessieren sich Discos für dere Auftritte.”

    na gut, ich dachte wir sprechen hier von musikern. und nicht tanzmarionetten. entschuldige, aber die von dir genannten “projekte” haben meist einen von zwei hintergründen.
    1. sie sind schon bekannt und werden nun mit vertrag bei einem major label massiv gepusht. vorher müssen sie aber zeigen, dass sie massen begeistern können.
    2. sie sind zusammen gecastet auf ein projekt. irgendein hitproduzent hat den song schon längst fertig und wartet nur auf eine passende stimme mit hübschem gesicht und möglichst wenig ausgeprägter bewegungskatatonie und fertig ist der chart-hit. der produzent ist schon seit jahren im geschäft, nur die teenies würden bei einem 40-jährigen eben nicht mehr so mitgehen. das ist kommerz.

    • Kurzscheidt
      08. Nov 2011 | 01:34 Uhr Antworten

      Mal ehrlich: Felix war vor seinem 1. Hit vielleicht höchstens in seiner Stadt in einer kleinen Szene bekannt.

      Es ist nicht so das er sich hochgearbeitet hat… dann müßte es zumindest noch paar andere Produktionen VOR “Felix” geben.

      “wer dich nicht kennt, wird nicht nach dir suchen.”

      Ich glaube aber ich erreichte rein virtuell mehr Leute als wenn ich jetzt irgendwie in kleinen Clubs touren würde…

      “na gut, ich dachte wir sprechen hier von musikern. und nicht tanzmarionetten.”

      Guck Dir die Charts doch an – sie sind (Deinen Ausführungen zufolge) voller Marionetten. Aber viele dieser Marionetten halten sich komischerweise über Jahre.

      Ich produziere auch “nur” Projekte, bin ich deswegen wohl kein richtiger Musiker? :)

  • Marc
    08. Nov 2011 | 00:32 Uhr Antworten

    @ Kurzscheidt: You made my day :-) “Danach kamen die CD-Brenner, dann das Internet, dann MP3.” Ja, das kam dann und das nennt man Fortschritt!
    Kennst Du die Fabel vom Lasten-Esel-Verkäufer, der sich beschwert, dass er weniger verdient, weil das Rad erfunden wurde? Und dabei wundert er sich noch, warum sein Konkurrent immer noch Geld verdient, weil er seine Esel vor die Karren spannt?
    Ich danke Dir ebenfalls für Deine Beiträge hier, Vielfalt gehört zu diesem Magazin.

    • Kurzscheidt
      08. Nov 2011 | 01:42 Uhr Antworten

      Gegen den Fortschrift gibt es ja nichts einzuwenden :)

      Aber ich schrieb oben bereits: Noch nie war es so einfach und billig wie heute an legale Downloads zu kommen!

      Deswegen sehe ich eben nicht ganz ein, wenn eine gute Dancenummer “überall” läuft aber nichtmal 4-stellige Umsätze einfährt (und das bei Eigenvertrieb ohne Labelabzug!). Wären da nicht GEMA und Sampler dann könnte man das fast schon als komplett “unwirtschaftlich” einstufen.

      Die Lasten-Esel-Fabel trifft es ganz gut aber eigentlich auch wieder nicht :)

      Wenn die Leute das MP3-Format nicht massiv durch Raubkopien missbrauchen würden, dann könnte man damit noch ein gutes Geschäft machen.

      Und die Musiker die nun einfach ihre Musik kostenlos abgeben und touren, die fallen den anderen in irgendeiner Form in den Rücken :) Man wird sozusagen förmlich gezwungen auch zu touren…

  • jojoon
    08. Nov 2011 | 08:14 Uhr Antworten

    “Mal ehrlich: Felix war vor seinem 1. Hit vielleicht höchstens in seiner Stadt in einer kleinen Szene bekannt.
    Es ist nicht so das er sich hochgearbeitet hat… dann müßte es zumindest noch paar andere Produktionen VOR “Felix” geben.”

    die relevante aussage dahinter war, dass er seinen ersten hit hatte, NACHDEM er bei einem label unterzeichnet hat. die promotion für on-air, single etc. wurde durch das label (UND seinen erfahreneren co-produzenten) gepusht. aber um an den vertrag zu kommen, musste er zeigen, dass er was drauf hat. er wird nicht von nem label einen vertrag zugesteckt bekommen, ohne dass er sich vorher irgendwie einen namen gemacht hat.

    “Ich glaube aber ich erreichte rein virtuell mehr Leute als wenn ich jetzt irgendwie in kleinen Clubs touren würde…”

    potentiell ja, auf jeden fall. die frage ist, wie man das in wirtschaftlichen erfolg umwandelt. da ist das internet ein sinnvolles hilfsmittel in einer welt, die sich drastisch gewandelt hat. das geht nur mit einer ordentlichen fanbase. und wo bekommst du eine stabile, nicht-flüchtige fanbase her ? – richtig, durch touren, auflegen, was auch immer – jedenfalls direkten nah- und livekontakt mit deinen fans.
    es gibt einige wenige ausnahmen davon. und alle diese haben heute den status von musikpionieren, weil sie ausnahmekünstler waren, und die gibt’s nunmal nicht wie sand am meer (z.b. yello, kraftwerk).

    “Guck Dir die Charts doch an – sie sind (Deinen Ausführungen zufolge) voller Marionetten. Aber viele dieser Marionetten halten sich komischerweise über Jahre.
    Ich produziere auch “nur” Projekte, bin ich deswegen wohl kein richtiger Musiker? :)”

    ich schaue mir die charts an und sehe, dass die meisten titel von erfahrenen produzenten gemacht und geschrieben wurden, nicht jedoch dem act selbst, dessen name auf der single steht. diese produzenten sind zum teil gute, richtige musiker. und in der combo mit der passenden sängerinterpretation und show ist es erfolgreich, auch lange erfolgreich. die frage ist, wie kommt man in die charts ? – als newcomerband OHNE produzenten mit schon einigen top100-hits hast du fast keine aussicht auf erfolg. einfach weil dich keiner kennt, müsstest du dich selbst massiv promoten und vermarkten und die ausgaben dafür (videodreh, cd pressen, vernünftiges booklet, interviews etc.) trägst du selbst als finanzielles risiko. welches magazin setzt sich denn mit dir als no-name-künstler hin bitteschön – irgendein webblog wird’s geben, aber in mainstream-magazine wirst du es nicht schaffen – und da ist nunmal der markt zuhause.

    “Noch nie war es so einfach und billig wie heute an legale Downloads zu kommen!”

    ok, und noch nie waren die absatzzahlen für legale downloads so hoch wie heute. und nebenbei bemerkt, noch nie waren die einnahmen der labels so hoch wie heutzutage, siehe z.b. hier:
    http://www.basicthinking.de/blog/2010/02/25/musikbranche-sorgenfrei-weniger-kunden-aber-mehr-einnahmen/

    und hier:
    http://www.gulli.com/news/742-musikindustrie-im-uk-prs-meldet-47-prozent-mehr-einnahmen-2009-07-27

    das hauptproblem ist doch folgendes: wenn das produkt stimmt, wird es auch gekauft. wenn das produkt scheisse ist, wird es nicht gekauft. das beste beispiel dazu ist apple. die hardware ist masslos überteuert, aber die leute kaufen trotzdem alle wie bescheuert. warum, weil das drumherum stimmt und das marketing gut ist.
    de facto ist es doch so: warum kaufen die leute denn keine alben mehr, sondern nur noch einzelne songs ? richtig, weil nur einzelne songs wirklich gut sind. heutzutage hat man leichter die wahl VOR dem kauf den müll wegzulassen. wie oft hat man sich damals ne scheibe gekauft und stellte fest, dass nur die singleauskopplung und ein weiterer song wirklich gut waren. diese überbevorteilung der labels verschwindet nun langsam und ja, damit auch das bisher vorherrschende vermarktungskonzept.

    UND: der pool der leute, die musik kaufen bleibt in etwa konstant. dank garageband und co kann heute aber jeder depp in stunden sachen zusammen klicken, für die du noch in den frühen neunzigern lange tage mit tapeschnippseln und dubbing verbracht hast. die vielfalt und quantität der angebotenen musik steigt heutzutage auch exponentiell an. das damit weniger geld für den einzelnen artist übrig bleibt ist simple mathematik.

  • Musikus
    25. Dez 2011 | 02:17 Uhr Antworten

    Ich habe ein sehr gespaltenes Verhältnis zum Thema. Wie oben bereits geschrieben war der Aufschrei in der MI jedes Mal gross, wenn neue Technologien herauskamen. Vor einiger Zeit habe ich eine alte Bravo als PDF im Netz gefunden, in der die MI über die Kassette “hergezogen” hat, als würde sie deswegen “jede Minute Pleite gehen”. Komisch, dass es sie immer noch gibt… Man darf also mal ganz unabhängig von seiner eigenen Position festhalten: Die MI ist in erster Linie selbst schuld, dass ihr niemand mehr etwas glaubt.

    Dann gab es auch ganz lustige Phänomene, z. B. Sony, die einerseits Musikproduktionen released haben, andererseits mit der zum Brennen notwendige Hardware samt Rohlingen Kasse gemacht hat (natürlich über eine andere Division, aber Firma bleibt Firma).

    Und kaum hatte sich iTunes mit dem 0,99 Cent Modell etabliert und die legalen Downloads nach oben gepusht, hat die MI so massiven Druck ausgeübt, dass Apple vom Originalmodell abrücken und drei Preisstaffel anbieten musste. Nun kann man natürlich über 0,99 Cent denken was man will, Tatsache ist aber, dass heute so gut wie kein aktueller Titel mehr zu diesem Preis zu finden ist. Nahezu alles liegt bei iTunes zwischen bei 1,29 EUR – wobei Portale wie Beatport mit deutlich über 2,50 EUR den Vogel abschiessen. Mal ehrlich – erinnert sich noch jemand, was vor Jahren eine Single gekostet hat? Und damals kamen deutlich höhere Produktionskosten hinzu (heute Vorproduktion im Homestudio) plus Pressung plus Vertrieb und Distribution, teurere Werbekampagnen usw. Die MI hat also hier wahrlich nichts gelernt. Waren 0,99 Cent für den Impulskauf ideal, wird sich bei einem 30% höherem Preis so manch einer wieder überlegen, ob er zuschlägt, wenn ihm das Gehörte nicht 100% gefällt.

    Und das Problem der MI wird auch deutlich, wenn man mal versucht, ältere Titel legal zu kaufen: Viele Produktionen sind “out of print”, d. h. wenn man sie haben möchte, kann man sie maximal illegal herunterladen (und das trifft auch auf Titel zu, die man legal auf CD erworben hatte, wo aber die CD nicht mehr abspielbar ist). Anstatt die minimalen Kosten einer digitalen Distribution zu nutzen und den gesamten Katalog zu veröffentlichen (und anschliessend nur noch den virtuellen Geldbeutel aufzuhalten), werden Titel weiterhin im “Keller eingeschlossen” und der kaufwilligen Kundschaft vorenthalten. Noch schlimmer ist das Thema bei Produkten, die künstlich nur in einem Land angeboten werden (und dort mit viel Glück auch noch über nur einen Vertriebsweg). Insofern möchte ich sagen: Liebe MI, macht Euren Job einfach besser, dann klappt´s auch besser mit den Käufern (natürlich, früher hatte man alles besser im Griff, weil nämlich ohne Internet niemand wusste, welche Alben veröffentlich worden sind – wenn ich heute so schaue, was meine Lieblingsbands alles gemacht haben, möchte ich am liebsten alles Nachkaufen und gerne auch fragen, warum ich damals so “veralbert” worden bin – aber siehe oben, es geht halt nicht).

    Und zum Thema GEMA: Sorry, aber wer hier mit Ausschüttungen durch die GEMA argumentiert, ist entweder schon in einer anderen Liga oder spricht nur vom Hörensagen. Ich habe meinen Gema-Vertrag wieder gekündigt, nachdem ich jahrelang nur bezahlt und trotz kleineren VÖs keinen müden Euro gesehen habe. Dafür veranstaltet die Gema mit den eingenommenen Gebühren weiterhin Feste und Galas, steckt ordentlich Geld in Webdesigner und lebt auch sonst offenkundig nicht eben sparsam. Zweifelsfrei profitieren hier – wie an vielen anderen Stellen – nur diejenigen, die bereits ordentlich im Brot stehen. Dass dann auch noch verkaufsfördernde Mechanismen, wie etwa 90 Sekunden Previews (statt 30 Sekunden) Jahre der Verhandlung bedürfen, ist einfach nicht nachvollziehbar. Und dass Bands, die ihre eigenen Songs auf ihrer Website promoten möchten, zusätzlich an die GEMA bezahlen müssen, obwohl sie so gut wie nichts zurück bekommen, ist einfach unfassbar.

    Nur am Rande: Ein Bekannter hat mit einem seiner Titel Dank Facebook & Co. innerhalb von 1 Monat über 2.000 Downloads via iTunes realisiert (trotz “illegaler” Downloads”. Das wäre noch vor Jahren für einen total unbekannten Künstler unmöglich gewesen, er hätte erst mal der Plattenindustrie Geld für die Produktion zurückzahlen müssen, ehe er auch nur im Ansatz etwas verdient hätte.

    Fazit: Klagen kann die MI prima und täglich neue Statistiken aufstellen auch, aber richtig machen scheint schwer. Ich frage mich zum Beispiel auch, wo denn das ganze Geld hin geht, das wir beim Einkauf eines CD-Rohlings bezahlen (Rohlinge, die ich i.d.R. zu 99,9% zur Datensicherung oder für eigene Musik verwende) – oder die Gebühren für die Vervielfältigung auf MP3 Player, Smartphones, Tabletts & Co.?

    P.S.: Dass übrigens auch in anderen Branchen längst nicht mehr das verdient wird, was noch vor Jahren Usus war, scheint die MI nicht wahrnehmen zu wollen. Beim Aufräumen habe ich Einkaufspreisliste für die ersten Laptops (damals von Toshiba) gefunden. Als diese herausgekommen sind, hat der Händler an einem Gerät eine Marge von weit über 50% auf den Nettolistenpreis bekommen. Heute sind es – bei dramatisch geringerem Preis – noch zwischen 3% und etwa 10% mit sehr wenigen Ausnahmen. Und mit dieser Entwicklung müssen ganze Industrien leben!

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