Kunst vs. Kommerz: Konkurrierende Ziele?

Die Wahrheit über Kunst vs. Kommerz

Handelt es sich denn wirklich um konkurrierende Ziele? Muss die Kunst in der einen Ecke stehen und der Kommerz in der gegenüberliegenden? Darf etwa Musik, um als solche ernst genommen zu werden, nicht auch kommerziell erfolgreich sein? Folge ich der Argumentation der sich selbst als Künstler wahrnehmenden Musiker, dann verkaufe ich meine Seele, wenn ich an einem etwaigen Plan zum kommerziellen Erfolg meiner Songs feile.

Aber ich habe da so eine Theorie über die Erfahrungen der letzten Jahre entwickelt. Es gibt sie wirklich, die beiden Weltansichten an den Extremen von Kunst und Kommerz. Auf der einen Seite sind die Dieter Bohlens dieser Welt, die es vorzüglich verstehen, mit ihrer Musik sehr viele Menschen zu erreichen, emotional zu berühren, glücklich zu machen oder einfach nur zu unterhalten – und dabei richtig Geld in die eigene Kasse spülen. Am anderen Extrem sind dann die Künstler, die sich als solche verstehen und ihre Musik nur getrieben von ihrem eigenen Inneren kreieren.

Kunst vs. Kommerz

Kunst vs. Kommerz

Und jetzt kommt meine These: Die beiden Extreme können nicht nur friedlich koexistieren, sie zollen sich wahrscheinlich auch den nötigen Respekt.

Woher dann die Diskussion Kunst vs. Kommerz?

Der echte Künstler kreiert seine Kunst (lies: Musik) gänzlich intrinsisch motiviert. Sie ist einfach da, sie muss raus und er lässt sich nicht durch seine Umwelt beirren oder gar verleiten, auch nur ein Jota von seiner Vision abzuweichen. Er macht seine Musik um ihrer selbst willen und kümmert sich auch anschließend nicht darum, ob die Welt ihn oder seine Kunst versteht. Wenn sich der kommerzielle Erfolg einstellt, gut. Wenn nicht, auch gut – denn um diesen ging es nie.

Problematisch wird die ganze Geschichte nur, wenn wir die Künstler einbeziehen, die meiner Ansicht nach, ihre Kunst eben nicht bis ins letzte Detail ihrer selbst willen kreieren. Denn genau diese sind es dann, die den Streit über Kunst vs. Kommerz vom Zaun brechen.

Diese Musiker verstehen sich selbst auch als Künstler, wünschen sich im Gegensatz zum Extrem-Künstler, dass die Welt sie versteht und für ihre Werke ehrt. Dieser Typ kann dann auch kein Verständnis für die Musiker aufbringen, die der eigenen Ansicht nach zu Unrecht eine Menge Geld mit “minderwertiger Ware” verdienen – eine monetäre Ehrung, die ihrer Logik folgend ihnen selbst zustünde. Neid?

Und zu welcher Fraktion gehörst Du? Kunst oder Kommerz?

Lesermeinungen (28)

zu 'Kunst vs. Kommerz: Konkurrierende Ziele?'

  • Johan Takeabath
    30. Apr 2008 | 15:35 Uhr Antworten

    Meiner Meinung nach, gibt es keinen Menschen der nicht gerne Geld mit dem verdient was er gerne macht und auch keinen der nicht gern verdient mit dem was er nicht gerne macht.
    Dieses endlose Geschwätz darüber wie kommerziell Musik sein darf und wie nicht. Wann hört Kommerzmusik auf und fängt gute Musik an? Ist das vielleicht nicht das selbe? Oder wie lange ist etwas underground und der heißeste Tip unter den Independentleuten? Nur so lange bis irgendjemand sagt, das ist ein guter Song und den bringen wir in die Medien. Plötzlich ist der Song nicht mehr gute oder was?
    Ich finde nichts falsches daran mit Musik Geld zu verdienen. Selbst wenn es Leute gibt die eigentlich besser das geblieben wären was sie waren, Metzger z.B. und heute vor 15 000 Leuten singen.
    Ich glaube, wenn es einen von uns treffen würde mit dem Erfolg, würden wir dann sagen unsere Musik ist kommerz, nur weil sie der Masse gefällt?
    Ich denke nicht.

    • Maik O.
      02. Nov 2012 | 09:57 Uhr Antworten

      Gut und kommerziell ist in meinen Augen auf gar kein Fall das selbe! Kommerz muss nicht schlecht sein und Untergrund nicht automatisch gut! Das eine schließt das andere nicht aus, aber nichts von beiden muss so oder so sein! Ich denke was die meisten stört ist, dass man mit kommerziell erfolgreicher Musik dicht geschissen wird und immer automatisch als besser verkauft wird, aber das ist nicht der Fall! Ich glaube was jeden Fan stört ist nicht das Musik kommerziell wird sondern wie sich dann meist Menschen und Musik ändern und darüber sollte man schon reden. Denn nun stellt sich die Frage mache ich Musik für Mich und die Menschen oder nur um zu gefallen. In diesem Fall wäre es eben keine Kunst mehr sondern künstlich!^^

  • Kontrovers
    30. Apr 2008 | 19:20 Uhr Antworten

    Sinnloser Artikel mit sinnloser Fragestellung.
    Weder Kunst, noch Kommerz an sich sind definierbar. Kunst kann kommerziell sein und Kommerz kann Kunst sein und dazwischen gibt es Millionen von Schattierungen, Definitionen und vor allem Meinungen.

    Ich schreibe dies deshalb, weil die Kommentare und Diskussionen auf delamar bisher, bei aller Meinungsvielfalt sachlich und fundiert gehalten wurden.

    Mit einer solchen Laberfrage solltet Ihr wirklich nicht aufschlagen. Das ist ja schlimmer als ne BRAVO-Umfrage: “Wer ist besser? Justin Timberlake oder Robby Williams?”

  • carlos (delamar)
    30. Apr 2008 | 20:15 Uhr Antworten

    @Johan
    Ganz genau. Jede CD aus dem Musikladen ist kommerziell – nämlich käuflich. ;)

  • klaus denker
    30. Apr 2008 | 21:21 Uhr Antworten

    Hi

    Vllt. OT. Kopiert aus online einer Stadtzeitung.

    Hamburg – Groß ist der Ansturm auf die neue Coldplay-Single “Violet Hill”, die am Dienstag zum kostenlosen Download auf der Homepage der Band zur Verfügung gestellt wurde. Über 600 000 Mal wurde der Song allein in den ersten 24 Stunden heruntergeladen, berichtet der “NME” auf seiner Website.

    Ich kenne die Band nicht. Kunst? Kommerz!

    Der gute K. ( wäre glaube in diesem Jahr ) 100 geworden – hatte Beides
    im Kopf.

    Was soll´s grüsst Klaus

  • carlos (delamar)
    02. Mai 2008 | 10:59 Uhr Antworten

    Hallo Klaus, Coldplay wird sehr gut vermarktet…macht aber auch gute Musik.

  • midi mike
    07. Mai 2008 | 16:48 Uhr Antworten

    Kunst kommt von Können
    käme sie von wollen hiese sie Wolst

  • jonathan
    16. Mai 2008 | 21:48 Uhr Antworten

    Gute Musik sollte kommerz sein. und ist sie auch. weil gute musik nur von vollblutmusikern kommen kann. und ein vollblutmusiker muss sich zu 100% auf seine musik konzentrieren und seine musik leben. das heißt er kann keinen anderen job haben. folglich muss er mit seiner musik geld verdienen um den arsch am kacken zu halten.
    Und trotz der ganzen kleinen Unfälle (DSDS,Popstars etc.), welche sich auch kommerziell vermarkten lassen und auch nur darauf ausgelegt sind (warscheinlich das was die meisten von euch mit kommerziell meinen), zeigt es sich das wirklich nur die richtig guten, also originellen und kreativen Musiker langfristig kommerzielle erfolge feiern können. (Egal ob es eine Band ist (U2 zB), oder ein Popstar mit einem genialen Produzenten (Robbie Williams mit Guy Chambers)…

    eine diskussion ohne ersichtliches ende…. man könnte auch fragen “was ist besser – hip hop oder rock?”… muss jeder für sich entscheiden.

  • carlos (delamar)
    17. Mai 2008 | 11:46 Uhr Antworten

    Ich würde trotzdem gerne zwischen Vollblutmusiker und Profi unterscheiden. Es gibt durchaus echte Vollblut Musiker, die es nicht schaffen, von Ihrer Musik zu leben.

    Genau wie es auch Künstler gibt, die erst nach Ihrem Tod berühmt werden…

  • Dani
    22. Jul 2008 | 01:25 Uhr Antworten

    meiner Meinung nach gibt es einen gravierenden Unterschied zwischen diesen Welten. Meiner Meinung nach ist Kommerzmusik der letzte MÜLL. Nicht auf technischer, sondern emotionaler Ebene. Sie mag vielleicht zum Nachdenken anregen, die Richtung ist egal, so pingelig sind wir ja schon lange nicht mehr. Was versteht man unter einem Kommerzmusiker? Jemand der Musik der Geld macht? Wenn ja ist alle Hoffnung – sprich Emotion – verloren. Doch es spricht nichts dagegen, wenn ein Vollblutmusiker seine Platten vertreiben lässt. Geld verdienen mit etwas spassigem. Warum nicht? Aber das HERZ muss dabei sein, nicht der Geldbeutel – das Geld sollte von selbst kommen -.

  • Carsten
    26. Jul 2008 | 14:15 Uhr Antworten

    Kunst oder Kommerz?

    bei meiner Definition/Unterscheidung kommt es mir dabei auf die inneren Beweggründe an:

    “Benutze” ich die Musik, um auf eine möglichst geschickte Art möglichst vielen Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen? (=eher künstlich)

    oder:

    Mache ich Musik die mir und (vielleicht sogar dadurch) auch anderen gefällt und möchte davon leben? (=eher künstlerisch)

    noch ein paar Gedanken zum Thema:

    ‘In it for the love – or in it for the money’
    ‘Sein Handwerk beherrschen ist nicht mit Kommerz gleich zu setzen’
    ‘Ausgedehntes Solo weil ‘ich der geilste bin’ – oder weil das Solo schön ist?’
    ‘Stumpf ist Trumpf!’ (funktioniert immer…)

    aber merke: ‘Auch ein Indie darf mal seine Gitarre stimmen!’

    insofern: macht es wegen der Musik – und macht es oft!!

    Carsten.

  • Sib
    08. Sep 2008 | 00:46 Uhr Antworten

    Ich fände es toll, wenn viele Leute meine Musik mögen würden, je mehr, umso besser. Und wenn sie dafür auch noch bezahlen wollen: her damit.

    Es ist ja ein Unterschied, ob ich Musik mache, um sie zu verkaufen, oder ob ich Musik mache, um Musik zu machen, die sich dann aber auch noch verkauft.

    Und dieses ganze Gerede mit Kunst – die wenigsten Hörer haben ein Kunstbewusstsein. Sie hören Musik, weil sie ihnen gefällt, ganz einfach.

    Ein kluger Mann hat in etwa mal gesagt:

    “Die Leute verstehen die Musik zwar nicht, aber sie mögen die Geräusche, die sie macht.”

  • Marias
    19. Nov 2008 | 14:46 Uhr Antworten

    Ich denke, dass Kunst nicht mit Kommerz in Zusammenhang gebracht werden sollte – dadurch wird Kunst die Ernsthaftigkeit genommen. Am Beispiel Musik zeigt sich nur allzu oft, wie Kommerz dominiert und Kunst auf der Strecke bleibt…

  • Syn[Æ]/sthetiq
    29. Jan 2009 | 09:31 Uhr Antworten

    Hi erstmal,

    ich denke das grundlegende Problem, dass diese Diskussionen erst aufkommen lässt, ist nicht ob Leute produzieren um zu produzieren oder ob sie produzieren um zu kassieren. Lediglich die Techniken die zum Erreichen dieses Ziels eingesetzt werden, werden immer fraglicher. Wenn z.B. für einen großen Teil unserer Populärmusik (im übrigen auch Politik und Marketing etc.) nicht mehr die Musik, sondern viel mehr Phänomene der Massenpsychologie relevant sind (Rotationorgien, Ankauf von eigenen Scheiben zur Chartplatzierung, Prominenz um der Prominenz Willen), sieht es düster aus, weil sich in letzter Instanz mit geschicktem Marketing JEDES Produkt an eine große Masse verkaufen lässt, nicht zuletzt durch die “self-fulfilling-prophecy” (der Erfolg gibt mir recht ^^).

    Gruß mit Bedacht,
    ein Freund der “Kunst-” Musik

  • Sib
    06. Mrz 2009 | 02:01 Uhr Antworten

    Der Kommerz fördert aber auch die Kunst, weil er es dem Künstler ermöglicht, noch mehr Kunst zu machen.

  • IrgendeinThomas
    05. Jun 2012 | 08:15 Uhr Antworten

    Mit der hier in den Kommentaren genannten Definition das man anhand der Absicht unterscheiden kann bin ich nicht einer Meinung. Dann müßte man nämlich auf jeden Fall “Kunst” durch “nicht-kommerziell” ersetzen da es ja noch lange keine Kunst sein muß wenn man einfach nicht gezielt kommerziell produziert. Es gibt auch über Kunst keine allgemeingültige streng abgrenzende Definition, was es schwer macht. Für manche Menschen ist zB nur klassische Musik Kunst, andere hingegen läßt das kalt und meinen vielleicht “Katzeklo” von H.Schneider würde es verdienen Kunst genannt zu werden, da er so eine schöne Jingle-Bells-Variation geschrieben hat.
    Somit kann man nur zwischen kommerzieller (sich nach einem gewissen Einheitstrend zu orientieren und den eigenen Geschmack hinten anstehn lassen) und nicht-kommerzieller-Einstellung (ohne Kompromisse nach ausschliesslich eigenem Geschmack zu produzieren) unterscheiden.
    Das aber Zweiteres die besseren Karten hat auch mal etwas originell, “kunstvolles” (je nach Geschmack) entstehen zu lassen liegt dann natürlich auf der Hand da man sich weniger an gewissen Massengeschmacks-Richtlinien halten muß – zB nicht unbedingt bei ca. 3 Minuten liegen zu müssen, nicht unbedingt das Schema Intro-Strophe-Refrain-Bridge usw. folgen zu müssen oder abändern zu können und einfach kreativ zu sein ohne ständig im Hinterkopf zu haben es möglichst simpel, eingängig, aalglatt daherkommen zu lassen um ja “everybodies darling” sein zu können.;-) Für mich persönlich schließt sich sowieso meist Kommerz und Kunst aus (zum. was die letzten beiden Jahrzehnte an Chartserfolgen anbelangt)

  • Micha Benjamin
    31. Okt 2012 | 14:54 Uhr Antworten

    Wie wird denn die Qualität von Kunst bewertet? Wenn ich mich nicht täusche, doch auch dadurch, wieviel Menschen sich durch sie angesprochen werden, sich berührt fühlen und von ihr beeinflusst werden.

    Was zu der Frage führt: Ist Kunst nicht auch eine Art von Kommunikation? Die wäre nach dem klassischen Kommunikationsmodell dann erfolgreich, wenn die Intention/Aussage des Künstlers (Sender) durch sein Werk (Sendeweg) vom Publikum (Empfänger) verstanden wird. Vermittelt ein (Kunst-)Werk nicht nur einem Rezipienten, sondern gleichzeitig mehreren Empfängern das Anliegen des Künstlers, ist das zumindest einer der Maßstäbe, der die Qualität von Kunst bestimmt.

    Natürlich lässt sich weiterhin darüber streiten, was denn nun Kunst ist was nicht (wozu es zahlreiche skurile Beispiele aus nahezu jeder Kunstform gibt).

    Und genau dafür ist Kunst auch mit da: als ein wichtiger Teil einer Gesellschaft und Kultur, dank dem Gedanken, Ideen und Forderungen friedlich zur Diskussion gestellt werden können. Es kann ausprobiert, verändert, unkonventionell gedacht und sich mit Themen auseinandergesetzt werden, ohne dass eine unmittelbare reale Bedrohung statt findet.

  • Andreas Orlik
    31. Okt 2012 | 16:44 Uhr Antworten

    Die Frage ist eigentlich eine ganz andere:

    Im Ursprung von Musik haben Menschen Musik gemacht, weil ihnen der Vorgang des Musikmachens als solches Freude bereitet hat:

    “Ich singe, weil mich das glücklich macht.”, “Ich spiele Gitarre, weil mich das glücklich macht.”

    Im Laufe der menschlichen Geschichte wurde der Erfolg des Resultats immer wichtiger und der Vorgang des Musizierens wurde dem zunehmend untergeordnet.

    Heute haben wir mit Musikproduktion einen Stand erreicht, bei dem das Musizieren an sich komplett wegfällt. Es werden am PC Musikstücke konstruiert. Nur noch das Resultat zählt.

    Ich weiß, dass die Computer-Musik-Produzenten auch für sich in Anspruch nehmen zu musizieren. Aber das ist nicht wahr. Jeder der mal echte Kreativität mit einem Instrument oder der eigenen Stimme erlebt hat, weiß, dass das ein magischer Vorgang ist, bei dem der Körper, das Instrument und der Bezug zum Instrument eine zentrale Rolle spielen. Das findet am PC noch nicht mal ansatzweise statt. Es wird ein Resultat zusammengebaut.

    Die Perfektion produzierter Musik löscht das natürliche Musizieren aus, weil das eben nicht auf Perfektion, sondern auf Freude ausgerichtet ist.

    Es geht nicht um die Frage, ob man damit Geld verdienen darf. Sondern es geht um die Frage, warum Menschen mit Sucht und Depression zu kämpfen haben. Und das liegt eben daran, dass sie gar nicht mehr wissen, was wirklich glücklich macht. Das wäre zum Beispiel das Musizieren. Nur kennt das kaum noch jemand.

  • Marcel
    31. Okt 2012 | 17:17 Uhr Antworten

    Also wenn man von Kunst spricht, spricht man grob immer erst mal von Dingen die aus dem Geiste entstanden sind. Sie dienen sowohl der Unterhaltung anderer. Theater, Film, Musik, Poesie, Lyrik (im Allgemeinen) usw. Bei all diesen verschiedenen Berreichen handelt es sich um künstlerische Berreiche, ergo = KUNST!!!

    Die Art und Weise wie man nun aus der Kunst auch noch Geld macht ist eine völlig andere. Man kann Bohlen heißen und aus schei… Geld machen und sich doof verdienen und auch in erster Linie eine derartige Absicht haben. Man kann aber weiterhin die Kunst als solche im Vordergrund sehen und trotzdem damit Geld verdienen. Die Autorin von Harry Potter hat durch Zufall mit ihrem Buch (ebenfalls Kunst) Millionen verdient.

    Um mal einen anderen Denk anstoß zu geben: Was macht Kunst aus, was definiert sie und wer sagt denn überhaupt was Kunst ist und was nicht?

    Das ein Künstler von seiner Kunst vielleicht auch leben muss/möchte ist eh klar. Nur nicht jeder “Künstler” trifft mit seiner Kunst auf entsprechend viele Menschen die an dieser auch Teilhaben wollen ;-).

  • Tonstudio0815
    01. Nov 2012 | 09:12 Uhr Antworten

    Hier wird gar nicht mehr diskutiert, sondern eher philosophiert! Das liegt daran, das es keine festen Definitionen und damit keine Fakten gibt.

    Zum wesentlichen: Die Überschrift ist falsch. “Kunst” und “Kommerz” haben miteinander nichts zu tun, sondern sind 2 unabhängige Größen. Da könnte man auch noch “Erfolg” einwerfen. Erfolg hängt auch nicht von der “Kunst” oder vom “Kommerz” ab.

    Worauf ich hinauswill: Es gibt alle möglichen Kombinationen:
    - Musik, die Kunst ist und trotzdem Kommerziell
    - Musik, die keine Kunst ist und kommerziell
    - Musik, die kunst ist und nicht komerziell
    - Musik, die weder Kunst noch Kommerziell ist

    … und noch alles dazwischen :)
    man könnte das Spiel jetzt noch mit “Erfolg” weiterspielen, aber das würde den Rahmen sprengen.

    Und noch etwas:
    Man könnte die Diskussion ausweiten, denn diese “Eigenschaften” können nicht nur nur “Musiker” und “die Musik” haben, sonder auch Prozutenten, Tontechniker, Designer, Autohersteller, Websiten (ist Delamar Kunst oder Komerz ;-)

    Der letzte Punkt:
    Viele Leute denken bei dem Wort “Kommerz” sofort an den “Deutschen Single Charts”. Das stimmt nicht. Die Singles ab Platz 101 sind genauso Kommerziell, im Durchschnitt auch genauso “künstlerisch” und nur fast so erfolgreich.

    Schaut über den Tellerrand!

  • polyaural
    01. Nov 2012 | 12:39 Uhr Antworten

    Kennt jemand einen kommerziell erfolgreichen Musiker, der in der Kunst-vs-Kommerz-Debatte die Seite der Kunst einnimmt? Naja, ausser Brian Eno jetzt …

    Auf der Seite der Kunst ist üblicherweise immer nur der, der nicht kommerziell erfolgreich ist, oder tatsächlich Kunst macht.

    Mit anderen Worten: Die Pro-Kunst-Diskutanten sind weder künstlerisch noch kommerziell erfolgreich. Sie reden sich ihren Misserfolg aber gerne schön, in dem sie einfach das nicht eindeutig definierbare Etikett „Kunst“ an ihre Werke hängen, um wenigstens das Gesicht zu wahren.

    Dabei ist die Kiste ganz einfach. Wenn ich mit etwas erfolgreich bin (entweder in der Kunstszene oder im Kassenbereich) das mir Spaß macht und das ich gerne mache, dann ist doch alles ok. Und wenn ich der Einzige bin, der meine Musik mag, und ich davon nicht leben kann, dann muss ich entweder meinen Lebenstandard runterschrauben, oder zusätzlich arbeiten.

    Aber ich arbeite lieber neben meiner Musik, als das ich der Wendler bin …

  • T
    05. Nov 2012 | 18:59 Uhr Antworten

    Ich finde es ist eine Kunst, schlechte Musik kommerziell zu verkaufen und dabei den Hörern noch das Gefühl zu geben es handle sich um kulturellen Beitrag.

  • A. Spemann
    06. Nov 2012 | 19:47 Uhr Antworten

    Also, ich muß da dann mal meine Meinung dazugeben: Kunst gegen Kommerz ist eigentlich kein Gegensatz. Wenn einer Kunst macht, tut er das aus dem Bedürfnis heraus, sich “veräußern” zu müssen. Bei einem Künstler ist das kein “kann”, es ist ein “muß”. Wenn er das Glück hat, damit seinen Lebensunterhalt verdienen zu können, muß er sich sicher auch mal dem Markt anpassen, aber nur so weit, wie er als Künstler unersetzbar und unverwechselbar bleibt. Übertreibt er die Anpassung, verfällt sein Wert UND seine Kunst.
    Soviel von mir, der da als Opernsänger und Kleinkünstler sein Leben finanziert.

  • Micha Benjamin
    07. Nov 2012 | 01:20 Uhr Antworten

    Ich möchte zwischendurch allen danken, dass diese Diskussion so rational geführt wird! Und danke an Delamar dafür, dass ihr diese Diskussion anstoßt, ernöglicht und fördert! Weiter so!

  • audiobus
    12. Nov 2012 | 16:51 Uhr Antworten

    Wer hätte gedacht, dass eine Badewanne voller Fett einerseits als Kunst betrachtet wird und andererseits kommerziell erfolgreich ist? Wer hätte gedacht, dass ein buntes Haus mit tausend verschiedenen Fenstern, keiner einzigen genormten Tür und Bäumen auf den Dächern eine der bekanntesten architektonischen Kunstform wird, für die Städte bereit sind, richtig viel Geld zu zahlen, um ein solches Bauwerk ihr Eigen nennen zu dürfen?
    Die Debatte um Kunst vs Kommerz leidet imho schon in der Grundlage an folgenden Problemen:
    1. Was ist Kunst? Das liegt im Auge des Betrachters.
    2. Was ist Kommerz? Wirtschaftlicher Erfolg? Massenkompatibilität?

    Aber zurück zu Hundertwasser: Der Künstler/Architekt entwirft ein Haus, welches man durchaus als Kunst bezeichnen kann. Dann wird es bekannt. Dann baut er weitere Häuser im selben Stil, weil es eine Nachfrage dafür gibt und auch Geld. Und dann kommen sofort die ersten “Kunst-Faschisten”, die ihm in diesem Moment Kommerzialisierung vorwerfen oder von “beliebiger Replizierbarkeit” sprechen. Und schon wird der Künstler zum Kommerzarchitekten.
    Auf der anderen Seite wird das Wort “Kunst” of allzu gerne als “Schutzschild” für kommerziellen Nicht-Erfolg verwendet. Da gibt es dann wieder salbadernde Feuilleton-Berichte über abstrakte Freejazz-Kompositionen, die ja so was von Kunst sind, dass sie niemals ins vom Kommerz verstopfte Ohr der Massen gelangen werden.
    Und an alle, die so sehr über den Kommerz schimpfen. Ja, Kunst kommt von “Können”. Und wer etwas kreieren KANN, das ihn oder sie ins Geld bringt, dem darf man nicht böse sein. Einfach ist das nämlich nicht, ansonsten würden wir hier alle ein bis zwei Top-Hits schreiben, schön Asche einsacken und uns davon ein bis zwei völlig “authentische” und “künstlerisch wertvolle” Konzeptalben leisten.

    • Carlos San Segundo (delamar)
      12. Nov 2012 | 19:09 Uhr Antworten

      Word.

  • Der Ulli
    14. Dez 2012 | 17:15 Uhr Antworten

    Kunst ist zuerst einmal die Idee. Wenn es noch Erfolg hat… warum nicht? Nettes Beispiel ist für mich die schwedische Band Meshuggah . Ihre Form des polyrhythmischen atonalen Metals ist meines Erachtens Kunst. Jetzt haben die Jungs aber auch noch kommerziellen Erfolg.Schon geht das Geschrei vom Ausverkauf los. Meshuggah lassen sich durch solche Störfeuer nicht irritieren und ziehen weiter ihr Ding durch. Eine starke Verbindung zwischen Kunst und kommerziellem Erfolg.

  • Davd
    16. Dez 2012 | 07:18 Uhr Antworten

    Viel zu kurz angerissen. Interessant wäre es gewesen zu vertiefen wie diese Motivationen letztlich unter einem Hut funktionieren, denn die wenigsten der erfolgreichen Künstler sind ausschliesslich in einem dieser Extreme verhaftet.

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