Früher ging es darum, entdeckt zu werden

Früher ging es darum entdeckt zu werden

Songs schreiben, Gigs spielen, Labels anschreiben und hoffen entdeckt zu werden war so gut wie alles, was man als Musiker machen konnten. Die eigene Karriere war von wenigen “Torwächtern” bei den Labels abhängig, die den gesamten Output der Musikindustrie lenkten. Um Erfolg zu haben und seine Musik der Weltöffentlichkeit präsentieren zu dürfen, musste man einen dieser Leute von sich und seiner Musik überzeugen, um dann doch nur nach ihrer Pfeife zu tanzen.

Und dann kam der Siegeszug des Internets, das uns Musikern alle notwendigen Werkzeuge an die Hand gibt, um mit unserer Musik erfolgreich zu sein. Alles, was jetzt noch zwischen uns und dem Erfolg steht, sind wir selbst.

Ob man den Weg mit oder ohne Labels gehen möchte, bleibt einem selbst überlassen. Genug Bands haben in der Vergangenheit gezeigt, dass man auch ohne die Unterstützung eines Labels bekannt und erfolgreich sein kann.

Und die Labels selbst? Die brauchen heute nicht mehr in die Kristallkugel schauen und hellsehen, ob ein Künstler den Weg nach ganz oben schaffen könnte. Labels schauen heute in das Internet, auf die beliebten Musikerportale und nehmen nur noch in den Katalog auf, was sowieso schon funktioniert. Ihr Job besteht heutzutage nur noch darin, die CDs in die Läden zu bringen.

Heute obliegt es den Bands, selbst eine großartige Aufnahme zu machen, tolle Shows zu spielen und sich selbst ein Image zu geben. Wir, die Musiker, müssen mit einer eigenen Marketing-Strategie dafür sorgen, dass tausende Musikliebhaber die eigene Musik hören wollen und dazu bereit sind, diese auch noch zu bezahlen.

Nie war es mehr wahr, dass ein jeder seines Glückes Schmied ist. Und was ist Dein Plan?

Lesermeinungen (7)

zu 'Früher ging es darum, entdeckt zu werden'

  • Heiko
    28. Mrz 2008 | 18:08 Uhr Antworten

    Musik machen und dabei Spaß haben. Mehr brauch ich nicht :)

  • carlos (delamar)
    28. Mrz 2008 | 22:23 Uhr Antworten

    Klar, ist eine gute Devise. Vielleicht sogar nicht mal die Schlechteste!

  • Thomas “thommytulpe” Nimmesgern
    23. Feb 2011 | 01:10 Uhr Antworten

    Hallo!

    Dazu kann ich eine (vielleicht provokante) Frage stellen, die mir schon bei Podcast Nr. 93 in den Sinn kam, als Jan-Simon Wolff -A’n’R bei Universal Music- zu Gast war:

    Brauchen wir überhaupt noch Labels? Brauchen wir ein Label, das dem Musiker Geld wegnimmt, das er bei erfolgreicehr Selbstvermarktung sowieso selber behalten könnte?

    Oben im Text steht es ja schon: “Labels schauen heute in das Internet, auf die beliebten Musikerportale und nehmen nur noch in den Katalog auf, was sowieso schon funktioniert” – und auch Wolff hat in seinem Podcast-Interview ähnliches gesagt, zumindest hab’ich ihn so verstanden: Als Newcomer-Band, die sich bei einem Label bewerben will, musst Du dem Label erstmal beweisen, dass Du es wikrlich willst und wirklich kannst.
    Soll heißen: Eine Newcomer-Band muss noch vor ihrer Bewerbung beim Label sich eine ordentliche Fanbase geschaffen, richtig gute Lieder geschrieben, eine nette Internetpräsenz gestaltet, die Lieder in guter Qualität aufgenommen und (halbwegs) erfolgreich verkauft, das eigene Merchandising in die Hand genommen und gewinnbringend geführt, die bandinternen Strukturen geklärt, schöne Werbefotos organisiert, gute Grafiker angeheuertund überhaupt alles richtig gemacht haben – DANN und nur dann kann sich eine Newcomerband bei ‘ner Plattenfirma bewerben. (Ich befürchte, dass ich nicht übertreibe.)

    Kürzer gesagt: Eine Newcomerband muss also deutlich in Vorkasse treten und viel Zeit, Geld und Nerven in den eigenen Erfolg investieren, bevor eine Bewerbung bei der Plattenfirma sinnvoll ist.

    Wenn eine Newcomerband dsa alles _alleine_, ohne Plattenfirma schafft – warum braucht sie dann noch eine Plattenfirma? Die oben beschriebenen Aufgaben schrieb man früher (bis vor vielleicht 10 oder 15 Jahren) den Labels zu – aber das scheinen viele Plattenfirmen nun von den Bands selbst zu erwarten.

    Man mag antworten, dass Plattenfirmen heutzutage als Serviceplattformen und Vermittler dienen könnten:
    - eine Plattenfirma kann bespielsweise einer Newcomerband aufzeigen, mit welchem guten Produzenten sie zusammenarbeiten kann, welche Werbefachleute infrage kommen usw.;
    - dazu sollte eine Plattenfirma auch wissen, welche Werbekanäle genutzt werden sollten und wie Werbung aktuell funktioniert (und sei es, dass -ganz tarditionell- Promos an Radiosender verschickt werden).
    Eine Plattenfirma kann der Band also bewährte Beziehungen und Netzwerke bieten.

    Damit eine Band die oben aufgeführten Aufgaben erfolgreich bewältigt, muss sie nciht nur fit in Selbstvermarktung sein, sondern auch schon von selbst Kontakte zu den “richtigen Leuten” geknüpft haben – es kann also gut sein, dass der Erfahrungsvorsprung von Plattenfirmen auch auf dem Gebiet der Vermarktung und Beziehungen klein und kleiner wird.

    Deswegen meine abschileßende Frage: Wozu soll sich eine Newcomerband bei einer Plattenfirma bewerben, wenn sie die dazu nötige Selbstvermarktung eh schon beherrscht?
    Vielleicht gibt’s ja doch noch Antworten dazu. :-)

  • DdXX
    07. Mrz 2011 | 17:09 Uhr Antworten

    Der Zwang zur Selbstvermarktung raubt viele Energien, die in der Kreativität oder Entspannung besser investiert wären.

    Wer heute mit Musik Erfolg haben will muss ein knallhartes Medienprofil mitbringen und Technik sowie Business im Griff haben. Irgendwann ist man dann so smart, so tough und so zielstrebig, dass alles funktioniert …. bis auf das schreiben von Songs.

  • MehrAuftritte
    23. Jan 2012 | 09:20 Uhr Antworten

    @DdXX: Ich gebe dir teilweise recht – das Business hat sich gewandelt. Ich bin der Meinung, dass ein kreativer Mensch der zB in der Lage ist geniale Songs zu schreiben, sicher auch in der Lage ist kreative Ideen für seine Selbstvermarktung zu entwickeln. Und in dieser Hinsicht hat sich dann doch nicht so viel gewandelt. Derjenige mit den meisten, neuen, innovativen Ideen wird die Nase vorne haben.
    Es gibt geniale Songs, die nie einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden und es gibt weniger geniale, mit welchen die Brieftaschen gefüllt wurden. Es kommt darauf an wo man mit seiner Musik hinwill. Welche Ziele man verfolgt.

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