Frankreich subventioniert Jugendkarte für den Kauf von Musik im Internet

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Frankreich subventioniert Jugendkarte für den Kauf von Musik im Internet

Stück für Stück kommen weitere Details durch, was die vom französischen Präsidenten versprochene Jugendkarte angeht. Am 21. Juni 2010 soll diese erstmalig verfügbar werden und Jugendlichen zwischen 12 und 24 Jahren Musik im Wert von 50,- Euro zugänglich machen. Die Karte ist eine Initiative, den geschätzten 10 Millionen Jugendlichen Frankreichs die legalen Möglichkeiten des Musikdownloads schmackhaft zu machen.

Die Karte wird über ein eigens hierfür ins Leben gerufene Portal erhältlich sein, wo die Jugendlichen ein Mininmum an persönlichen Daten eingeben müssen. Das Portal, über das die Musik bezogen werden soll, wird ausgesucht und daraufhin erhalten Interessenten einen Code via Post oder SMS, der zum legalen Download der Musik berechtigt. Es besteht auch die Möglichkeit, mehrere Dienste auszuwählen, es werden dann entsprechend viele Codes versendet.

Leider sind bisher nur wenige Informationen zur Karte bekannt. Die Gültigkeit der Karte soll ein Jahr betragen. Welche Musikdownloadportale unterstützt werden, ist bisher auch noch nicht bekannt.

 

Alle Internetnutzer sollen Kosten tragen

Bisher eine gute Idee. Doch die Polemik beginnt mit der Finanzierung der Jugendkarte. Die Franzosen planen hier natürlich, die Kosten für die Kampagne gegen Internetpiraterie wieder hereinzuholen. Zu Anfang war eien Gebühr für Suchmaschinen wie Google geplant. Doch es scheint, als würden die französischen Behörden diesen Weg nicht mehr einschlagen wollen und stattdessen die Mehrwertsteuer für Internet Service Provider erhöhen wollen.

Bisher zahlen diese 19,6% Mehrwertsteuer über die eine Hälfte und 5,5% über die andere Hälfte ihrer Einnahmen. Die französische Regierung plant, die erste Rate auf 55% der Einnahmen anzuwenden, was etwa 60-80 Millionen Euro Mehrreinnahmen bedeuteten. Diese Summe dürfte etwa die Hälfte der Kosten für die Jugendkarte tragen und würde dadurch auf alle Nutzer des Internets und von Telekommunikationsdiensten abgewälzt.

Die ISPs (Internet Service Provider) lehnen diese Pläne naturgemäss ab, da sie in Frankfreich bereits Abgaben in Höhe von 350 Millionen für die Finanzierung von Kino und anderen öffentlichen audiovisuellen Medien abzuführen hätten.

Es scheint, als hätte die Musikindustrie in Frankreich nach der Durchsetzung des Hadopi Gesetzes gegen Internetpiraterie (von dem übrigens einige Analysiten behaupten, es hätte nur bewirkt, das die illegalen Downloads noch weiter gestiegen wären) einen Weg gefunden, die eigenen Kassen wieder zu füllen – ohne mit neuen Ideen und Konzepten für die Zukunft aufwarten zu können.

Erinnere dich: Home eating is killing Fast Food.

Quelle

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Lesermeinungen (4)

zu 'Frankreich subventioniert Jugendkarte für den Kauf von Musik im Internet'

  • John Boe   18. Apr 2010   23:47 UhrAntworten

    Wird dies auch in Deutschland eingeführt?

    • Carlos (delamar)   19. Apr 2010   07:25 UhrAntworten

      Bisher habe ich nichts dergleichen gehört, aber mal abwarten, was die Lobbyisten der Musikindustrie hierzulande durchsetzen...

  • Seb   21. Apr 2010   13:38 UhrAntworten

    Ja klar muss das wieder die Allgemeinheit bezahlen - wie *jede* Investition des Staates.
    Ob das jetzt über die ISPs oder andere Steuererhöhungen reingeholt wird, spielt dabei doch keine Rolle, oder?
    Weiters stellt sich die Frage, ob die ISPs die Steuererhöhung auf den Endverbraucher abwälzen können oder ob der Preisdruck im französischen Markt nicht vielleicht so groß ist, dass einfach ihre Margen kleiner werden. (beworben werden ja meist Bruttopreise)
    Subventionen sind niemals "gerecht", weil sie einen Markt ja künstlich lenken.

    Letztendlich bleibt nur zu diskutieren, ob durch eine solche Aktion der Online-Verkauf dauerhaft stimuliert werden kann.
    Ich bin da auch skeptisch, würde der Aktion aber nicht von vornherein die Sinnhaftigkeit absprechen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, vielleicht wird ein Teil der Nutzer nach Ende der Aktion bei seinem Lieblingsportal bleiben - als Vollzahler.

  • Carlos (delamar)   21. Apr 2010   15:48 UhrAntworten

    Ich bin der Meinung, dass wir über zwei Dinge sprechen sollten:

    1) Kann der Onlineverkauf dauerhaft stimuliert werden? Nein, denn für die Jugendlichen sind die 50,- Euro wahrscheinlich nicht genug, um alle Musik zu kaufen, die sie gerne hätten. Und wenn das Guthaben aufgebraucht ist, geht die Geschichte von vorne los. Abgesehen davon muss die Plattenindustrie einfach mal etwas Grips investieren in neue Geschäftsmodelle. Das aktuelle hat die Halbwertszeit jedenfalls deutlcih überschritten.

    2) Warum werden die Sorgen der Musikindustrie mal wieder auf andere abgewälzt? Internetzugänge und Kommunikation betreffen auch 90-jährige Omis, die keine Musik mehr konsumieren oder Gewerbe, die ebenfalls nichts mit der Musik zu tun haben?

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