Die Musik unserer Eltern

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Die Musik unserer Eltern

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Vererbter Musikgeschmack?

Die Psychologieprofessorin Carol Krumhansl hat 22 Männer und 40 Frauen getestet. Die im Schnitt 20-Jährigen hörten die Hits der amerikanischen Billboard-Charts zwischen den Jahren 1955 und 2009. Zu jedem Song mussten sie sich äußern: Gefällt ihnen der Titel? Verbinden sie irgendwelche persönlichen Erfahrungen mit der Musik? Hat diese etwas mit ihren Eltern zu tun? Die meisten Punkte vergaben die Testpersonen an Lieder aus ihrer Jugend. An solche aus der frühen Kindheit konnten sich nur noch wenige erinnern. Dieses Ergebnis stimmt mit der Erkenntnis überein, dass sich Erwachsene am besten an die Erlebnisse zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr erinnern können.

Die Musik unserer Eltern

Warum dies so ist, kann noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Mag es an einem leistungsfähigerem Gehirn in der Jugend, einem besseren Abspeichern der Erfahrungen in diesem Alter oder an der Identitätsbildung im Jugendalter liegen – sicher ist, dass unser Musikgeschmack zu dieser Zeit prägend ist.

Aber auch die Lieblingsmusik der Eltern – aus einer Zeit, zu der die jungen Probanden noch gar nicht geboren waren – beeinflusst den Musikgeschmack stark. Die Titel zwischen 1980 und 1984 haben die Testhörer überdurchschnittlich gut bewertet. Dies ist darauf zurückzuführen, dass wir mit der Musik unserer Eltern auch gemeinsam verbrachte Momente, in denen ihre Lieblingsplatten liefen, verbinden.

Es braucht sich also niemand zu schämen, wenn er bei »Wake me up before you Go-Go« ausflippt – einfach weitertanzen und auf die Eltern schieben.

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Lesermeinungen (35)

zu 'Die Musik unserer Eltern'

  • Pfau Thomas   23. Sep 2013   15:05 UhrAntworten

    Von den 50er Jahren nach dem 2.Weltkrieg bis zu den ende der 80er Jahren
    Da kam der Blues und Rock n Roll,Rock bis Hardrock und der Pop.Diese Musik war lebendig und spannend ob sie immer nur gut war das ist Geschmagssache.Das war aber alles Handarbeit !!
    Dem heute Techno oder was sich daraus gebildet hat z.B da fehlt das Lebensechte und das Abenteuer .

    • Pumping Iron   23. Sep 2013   16:36 UhrAntworten

      Bitte was??? Techno fehlt das Lebensechte und das Abenteuer?

      Selten so einen Blödsinn gelesen!

    • BreakCoreBitch   28. Sep 2013   20:54 UhrAntworten

      Du beweist mit deinem Kommentar ausschließlich, dass du keine Ahnung von elektronischer Musik hast. Auch Drum Machines, Synthesizer und Co. sind als Instrumente zu betrachten, die man in jahrelanger Arbeit erlernen und mehr oder weniger gut beherrschen kann.

      By the way: Auch Klassiker wie Pink Floyd und Depeche Mode wurden bereits elektronisch produziert.

      Denk mal drüber nach!

  • Milli Milhouse   23. Sep 2013   16:14 UhrAntworten

    ich bin mir bei mir sicher das es an der leistungsfähigkeit des gehirns liegt. meine jugend war in den 80ern, heute interessiere ich mich hauptsächlich für elektronische tanzmusik, erkenne aber dennoch oft bereits nach den ersten paar sekunden fast jeden pop/rock song aus der damaligen zeit. das hat sich damals irgendwie gut verankert.

  • Jo   23. Sep 2013   17:52 UhrAntworten

    Mir, fehlt zu diesen rockigen Sachen jegliche Verbindung. Die gefallen mir überhaupt nicht. Meine Eltern haben das aber auch nicht so wirklich gehört..(Jetzt sind se Mitte 40).
    Aber was ich merke: Ich feier die alten Deutschrap Sachen aus Stuttgart und Hamburg und auch die alten Berliner Technoanfänge, die eben meine Eltern total gefeiert haben..

  • Mex   23. Sep 2013   18:23 UhrAntworten

    Ich sehe das sehr ähnlich wie Kollege "Pfau Thomas".
    Die Musik zwischen 1950-1990 war auch um einiges vielfältiger und öffentlich abwechslungsreicher als der ganze Radio/Charts-Einheitsbrei von Heute.
    Ein wesentlicher Aspekt weswegen die Musik von früher auch als "lebendiger" empfunden wird, resultiert sicherlich auch auf die handwerklichen Künste... zumindest waren die Stars von damals vor allem hauptsächlich eines... Musiker, die ihr Handwerk auch beherrschten ! Heutzutage sieht man ja eher Performer (Solokünstler), die mit beherrschen eines musikalischen Handwerks m.M. nicht mehr wirklich viel am Hut haben ;-)
    Im Gegensatz zu Anno Dazumal sind heute die Masse der (solo)Künstler extremst austauschbar !

    • Maik O. (Jusdiz)   23. Sep 2013   19:52 UhrAntworten

      Vielfältiger war sie mit Sicherheit. Von Blues, über Schlager bis Pop und Rock-Songs war alles dabei. Natürlich werden auch heute verschiedene Genres im Radio gespielt aber diese nähern sich meist dem Radiosound an.

      Doch heute hat sich die Radiowelt auch verändert. Es gibt so viele Sender und Randmusik wird auf einen Spartensender geschoben. Also sollte man auch das bedenken.

      • Mex   25. Sep 2013   00:21 Uhr

        Hi Maik O. (Jusdiz)
        Es gibt heute eigentlich nicht mehr oder weniger Radiolandschaften als früher... bezüglich Online-Radios sogar eher ganz im Gegenteil- hinsichtlich "WWW" regional empfangbar viel viel mehr- aber in den USA hatte man herkömmlich 1957 dennoch deutlich mehr regionale Sender in z.b. Luoisanna als Heutzuage in ganz Deutschland anno 2000... ich denke aber, das sich die "Sparte" leider sehr viel mehr zu Unlasten verschoben hat... auch geschuldet wegen der Anteile der Plattenkonzerne an den Radiostationen, die heute sehr viel mehr bestimmen, was und wer gespielt (und insbesondere produziert) werden muß ;-)

  • Maik O. (Jusdiz)   23. Sep 2013   19:46 UhrAntworten

    Puuuh, das finde ich doch ziemlich an den Haaren herbei gezogen. Natürlich liebe ich auch Musik aus der Zeit meiner Eltern und ja ich hörte sie damals zu erst bei ihnen. Aber genau wie heute mochte ich Songs die ich dort hörte und andere (und da wohl nicht wenige) mochte ich gar nicht. Und oftmals eben nicht die Radiosingles. Die einem aber dann wieder zusagen, begleiten einen dafür aber ein Leben lang.

    Das die Jugendzeit am prägendsten ist kann ich nur unterschreiben. Ich denke jeder von uns erinnert sich am liebsten an die Musik aus der Jugend. Klar gefällt einem auch heute neue Musik, aber damals war doch alles neu und aufregend und irgendwie hat es einen mehr gefangen und mitgerissen. Mir persönlich fällt auf das ich nicht mehr so sehr begeisterungsfähig bin für Neues. Liegt vielleicht auch an der gereiften Meinung einer person oder ihrer Starrheit...
    Ich meine, ein Rocker bleibt doch ein Rocker, ein HipHopper ein HipHopper und jeder der elektronische Musik liebt wird sich dieser immer mehr hingeben. Natürlich hört man auch andere Genres aber der Favorit hat doch meist die Oberhand.

    Nichtsdestotrotz, liebe ich Musik und begeistere mich für fast alle Genres und das aus jeder Zeit. Und das liegt definitiv auch an dem Vorbild meiner Eltern. Mein Papa war musikverrückt und das färbte auch auf meine Schwester und mich ab. Also denke ich, die Art und Weise wie man mit Musik umgeht ist eher weitergegeben als die Musik selber.

    LG Maik

    P.S.: Ich liebe Rap seit nun fast 20 Jahren und mein Daddy hasst diese Musik immer noch wie die Pest! Also denke ich Jugendmusik prägt mehr als Kindheit. :-)

  • Pitrell   23. Sep 2013   21:33 UhrAntworten

    "Lebender" lässt sich sicher neben der Stilistik auf die Produktionsmittel zurückführen. Es ergibt einfach einen anderen "Groove" wenn ich Takes per Hand aneinander kleben muss und keiner, mangels Rechner, einen tatsächlich exakten Beat auf die Kette bekommt. Das kann durchaus seinen Reiz haben und der übliche autogetunte Popschmutz auf Radio Hitantenne XQZ verspürt auch keinerlei Bildungsauftrag vorhanden Perlen der Neuzeit zu heben um dem was entgegenzusetzen.

    Dennoch bin ich gewiss, dass heutige "Superstars" um Längen besser singen können als die meisten ihre Vorgängersternchen in den 80ger (zumindest die gecasteten). Ja sie sind austauschbar. Noch viel austauschbarer als je zuvor aber der Wettbewerb ist auch härter. Es reicht nicht (mehr) mit dem Hintern zu wackeln um den "Poptitan" zu beeindrucken.

    Trotzdem versteh ich diese ewige: "Damals war noch alles **** und jetzt ist es nur noch *****! nicht.
    Das ist persönliche Wahrnehmung. Zu jedem Zeitpunkt lässt sich geile Musik finden. heute mehr als je zuvor.

    Solche Meinungen zeigen einfach, dass man selber stehen geblieben ist im Jahr 1982/1992/2002/2012. Also in exakt dem Jahr wo der echte Underground aufhörte zu existieren....

    • Jenny   24. Sep 2013   03:20 UhrAntworten

      da muß ich dir total widersprechen da du ja der ansicht bist das heutige gecastete superstars um längen besser singen als vorgängersternchen aus den 80ger.
      es sind doch zumeist die stars aus den 80ger die die gesanglichen vorbilder für die stars von heute sind die sie größtenteils ja auch gesanglich immer imitieren wollen.
      außerdem war die musik in den 80ger viel melodielastiger als heute und gesang ging über mehrere oktaven.
      heute geht gesang doch kaum noch über eine oktave hinaus.
      ich finde die gecasteten superstars von heute vor allem aus deutschland ein witz.
      da sollen sie toll und perfekt singen und techniken können wie whitney houston usw. und am ende bekommen die einfach nur bumm bumm bumm clubmusik wo sie die gesangstechnik doch gar nicht brauchen.sie müssen nur laut sein.ich glaube du überschätzt die stars von heute gewaltig!!!
      nehme mal frank sinatra.der mann ist monatelang tauchen gegangen um sein lungenvolumen zu vergrößern.sein orchesterleiter hat sogar gefordert das er stücke mit nur einmal luft holen komplett durchsummen sollte.so irre ist doch heute keiner mehr.
      jetzt erzähle mir noch das frank sinatra kein großartiger sänger war :D

  • Nick Whad   24. Sep 2013   07:34 UhrAntworten

    Sehr beengt diese Sicht. Blendet sie doch die eigentliche Wirkung von Musik aus.

    Wie kommt es, dass wir noch immer Monteverdi, Bach, Händel, Mozart, Beethoven, Debussy, Brahms, Mahler, Messiaen, Ligeti, Rihm hören?

    Und last not least: Trommeln kommt nie aus der Mode ; -)

    Die Sahce ist: Musik an sich ist Zeitlos!
    Nur die Komponisten unterliegen einem Zeitgeist. Einer Strömung in der Kunst, von dem was gesellschaftlich "akzeptiert" ist und was nicht. Dem können sie sich beugen (Bohlen) oder auch nicht (Beatles) .

    Musik ist Entwicklung.

    Grandios die Entwicklung der Beatles: vom 2,5 Minuten 5 Akkord Liebesgeplänkel bis zum experimentellen Weissen Album in nur 6 Jahren.

    Ein experimentelles bahnbrechendes Album von Lady Gaga oder Nickelback bzw de nmeisten eigentlich, wird man vergeblich warten.

  • Uli   24. Sep 2013   10:09 UhrAntworten

    Letztendlich ist es doch klar, dass man spontan nur die Musik(stile) genießen kann, an die man bereits herangeführt wurde. Erwachsene, die als Kinder und Jugendliche nie an klassische Musik herangeführt wurden, werden sehr selten von sich aus zu Klassik-Liebhabern.
    Gerade komplexe Musikstilistiken wie Jazz und Klassik oder auch Musik aus anderen Kulturkreisen wie orientalische oder asiatische Musik stellen das "ungeübte" Gehirn/Gehör vor eine Reizüberflutung, so dass man diese Musik beim ersten Hören vielleicht interessant und stimulierend findet, aber wegen der "Überforderung" doch eher selten sofort genießen kann.
    Ich stelle bei mir selbst immer wieder fest, dass verschiedenste Stilistiken immer dann ihren Reiz entfalten, wenn ich mich näher mit ihnen beschäftige bzw. selbst Musik in dieser Richtung mache. Als Gitarrist kann ich mittlerweile sogar den Reiz von elektronischer Musik nachvollziehen, wobei mich dann zwar selten die Kompositionen faszinieren, sondern eher die Akribie des Sound-Designs beeindruckend ist.
    Da im heutigen Mainstream-Radio kaum Experimente gemacht werden, wird der Musikgeschmack (bzw. die Empfänglichkeit für Musikstile) der breiten Masse leider vereinheitlicht, da fast ausschließlich Musiker oder Musik-Fanatiker sich die "Mühe" machen, sich ggf. neue Musikstile zu erschließen.
    Ich kann mich erinnern, dass vor 25 Jahren auf einem lokalen Mainstream-Sender (zugegebener Maßen nicht zur PrimeTime) noch die 11-Minuten live-Version von Led Zeppelins "No Quarter" gespielt wurde - heute halte ich so etwas für eher unwahrscheinlich - nicht weil keine Oldies gespielt werden, sondern weil psychedelische extended-live-Versionen die meisten Hörer überfordern würden...

  • Hanse   24. Sep 2013   11:59 UhrAntworten

    Musik aus der Jugendzeit ist oftmals mit bestimmten Erinnerungen verbunden. Außerdem finde ich sie viel melodischer. Musik und Gesang passen oftmals hervorragend zusammen. Die Stimmen sind einprägsamer und nicht so austauschbar wie heute.

  • Jay   24. Sep 2013   13:32 UhrAntworten

    Uli etc.: Also ich weiss nicht, ob das mit dieser Eltern-Prägung wirklich stimmt. Meine haben immer bloß Klassik gehört, ich selbst hab einige Jahre Klavier gelernt, based on classics. Aber als ich mit acht (noch vor dem Klavier) ein Tape mit der Belle-Epoque-Version von "Black is Black" in die Finger bekam, haben mich Discosound, Soul, Funk und später die elektronische Musik so sehr fasziniert, dass ich ihr sowohl als DJ als auch als Produzent bis heute treu geblieben bin - sie reisst mich einfach vom Hocker.
    Klar hör ich auch 80er und 90er, allein weil man mit vielen Hits persönliche Erinnerungen verbindet. Und ich habe auch durchaus Pink Floyd, ACDC etc. im Schrank und dröhn mir auch damit die Ohren zu.
    Fazit: Musik ist universell, Geschmäcker sind verschieden, flexibel, die meisten haben wohl Schwerpunkte, andere eher nicht. Finde es eigentlich nicht wichtig, darüber eine Einteilung vornehmen zu wollen.
    Ich bin aber trotzdem der Ansicht, dass gerade im Pop-Bereich heute der Sound weniger neue Strömungen aufzeigt und gerade im Chartbereich austauschbarer ist als noch Anfang der 90er, was einerseits mit der Selbstdarstellung der Interpreten (Video!) und andererseits mit der Nivellierung gesellschaftlicher Strömungen zusammenhängt. Trotzdem: Das "Pflaster" von "Ich und Ich" reisst mich genauso mit "Hells Bells" von ACDC oder "Jealous Guy" von Roxy Music - je nach Stimmung. Auch wenn ich mich in der elektronischen Clubszene nach wie vor am wohlsten fühle...

  • Der Ulli   24. Sep 2013   17:02 UhrAntworten

    Na da bin ich aber froh dass ich nicht vom Musikgeschmack meiner Eltern beeinflusst bin. Da läuft nur üble Schlagermucke und WDR 4. Ich hingegen bin seit meinem 13. Lebensjahr gnadenloser Metal Maniac und werde das auch bis zu meinem Ableben bleiben...

  • Skellington   24. Sep 2013   18:18 UhrAntworten

    Wie sehr einen die Musik aus der Kinder- und Jugenzeit prägt, hängt m.E. stark vom Individuum ab. Mit der Musik, die meine Eltern gehört haben, konnte ich nie etwas anfangen. Stones, damalige Hits (70er), Rocky Horror Show – das finde ich heute noch genau so scheiße wie damals. Nur "Du die Wanne ist voll" von Dieter Hallervorden und Helga Feddersen ist bei mir hängengeblieben.

    Dann kamen die 80er, und die haben mich sicher irgendwie beeinflusst und triggern so ein bisschen Nostalgie in mir, auch wenn ich viele Titel von damals, vor allem den Sound, heute ganz schrecklich finde.

    Jetzt bin ich über 40, und wenn ich es recht bedenke, höre ich eigentlich nur Musik, die ich in den letzten 10 Jahren kennengelernt habe. Da ist allerdings wiederum fast nichts aktuelles dabei, sondern u.a. viel Klassik.

    Ansonsten gebe ich diversen Vorrednern recht damit, dass die Musik bis ca. 1990 erheblich abwechslungsreicher und "musikalischer" war. Das waren eben noch richtige Songs, von denen es heute aufgrund der Erschöpfung der brauchbaren Kombinationen (Akkorde / Melodien) nicht mehr viele gibt und geben kann.

    Die ganzen elektronischen Stile der Neuzeit leben nicht von guten Songstrukturen oder irgend einer traditionell-handwerklichen Leistung, sondern von Sound und Produktion. Das ist nicht grundsätzlich besser oder schlechter, aber es ist abstrakter, und es ist Musik, die man nicht mal so eben mit einer Klampfe oder nem Klavier spielen und mitsingen kann. Für mich ist das durchaus ein Kriterium.

    Wenn ich noch kurz etwas weiter abschweifen darf:

    Eine interessante Beobachtung in diesem ganzen Zusammenhang ist, dass mit der Explosion der Produktionsmittel die Musik nur anders, aber nicht besser geworden ist. Es wird aller Voraussicht nach kein neues Sgt. Pepper's mehr geben, und auch keine Beethoven-Sinfonie.

    Und dann führe man sich mal vor Augen, wie einfach die Produktionsmittel damals waren. Kein Ableton Live! Da würde eine ganze Generation von heutigen Musikproduzierenden nur ratlos mit den Schultern zucken und nach hause gehen.

    • Pitrell   25. Sep 2013   16:42 UhrAntworten

      Zu jeden Zeitpunkt gab es wahnsinnig begabte Menschen. Und nicht nur 2 pro Jahrhundert. Aber heute gehen die viel schneller unter, in der Masse anderer hervorragenden Veröffentlichungen. (Wer sucht der findet). In den 90er hatte man seine 3 Kassetten die man immer wieder hörte aber heute bin ich persönlich von Musikempfehlung nur noch genervt. Nicht weil sie schlechter ist, sondern weil ich genug liegen habe.

      Ein Beethoven gehörte sicher zu diesen talentierten Menschen aber diese einzigartigen Stellung in der Weltgeschichte verdanken diese talentierten Menschen einem Privileg welches Millionen andere zu diesem Zeitpunkt nicht besaßen. Sie hatten eine große „Plattenfirma“ im Rücken (Fürsten/König/Kirche) die sie förderten. Im heute nehme diese Stellungen die sozialen Netzwerke ein.

      Außerdem werden die Klassiker unter einer nicht legitimen Hypeblase gehalten, die uns suggeriert, sowas gäbe es nie wieder. Ich persönlich hab kein Bock eine barocken 45 min Symphonieklüngel zu hören bis endlich die eine geile Stelle kommt. Die heutigen „Klassiker“ machen ihre Musik für Hollywoodfilme. Das ist genauso Kommerz wie damals. Und es sind dabei wahnsinnig schöne Werke entstanden die es auch verdienen in 200 Jahren noch gespielt zu werden. Diese nachträgliche Überhöhung der alten Klassik halte ich für nicht legitim.

      Auch die Meinung das praktisch schon alle Akkorde und geilen Melodien erfunden wurden, ist bekannt und einfach nicht wahr. Bitte sei nicht pissed. Aber das zeigt nur, dass du die Musik von heute nicht wirklich kennst. Geh auf die Suche und hebe die Schätze. Sie liegen die im Netz zu Füßen ;)

      • Skellington   25. Sep 2013   18:32 Uhr

        Eine Äußerung wie "die eine geile Stelle" ist leider symptomatisch für eine Kultur, in der sich kaum jemand wirklich Zeit für irgend etwas nimmt (ob nun Essen oder Musik), und in der die Reize aufgrund einer allgemeinen Überflutung / Inflation immer stärker werden müssen, damit überhaupt noch jemand was merkt. Hörst du viel Chart-Radio?

        Davon abgesehen, was sind denn für dich sozusagen die heutigen Beatles? Ich meine eine Band / ein Künstler, deren Musik so dermaßen relevant für so viele ist (und am besten auch genau so innovativ), dass auch folgende Generationen sie immer wieder neu entdecken und sie sich auf einem vergleichbaren Platz etablieren?

        Klar, es gibt viel mehr als früher, und auch sehr viel Schrott; aber du kommst doch recht kompetent daher. Dein Tipp?

      • Pitrell   27. Sep 2013   16:17 Uhr

        Für mich bedeuten die Beatles eher wenig. Genau genommen kann ich keinen einzigen Song benennen. Let it be? vielleicht. Und der andere war Sadisfaction.... ach nein.

        Das ist zwar wahr. Aber lass dich bitte nicht ärgern. Sicher baut Musikgeschichte immer auf einander auf. Vom Saxophon Rock n Roll der 50er bis zum Death Metal der 80er ist einiges passiert und doch lässt sich eine gerade Linie ziehen.

        "Die eine geile Stelle" war sicher provozierend aber ob das Symptomatische in meinem Fall gleich negativ zu werten ist, stell ich in Frage.

        Ein zeitgenössischer Komponist wie Ludovico Einaudi bringt Themen auf den Punkt. Kein Füllwerk, kein Verarbeiten von 10 Themen auf einmal. Stattdessen Reduktion, Konzentration auf ein musikalischen Thema. Spricht mich persönlich viel mehr an. Und ja, dann ist eine Thema nach ein paar Minuten durch. Das ist nur ehrlich.

        Gleichzeitig verkenne ich nicht das es ohne die Alten, die "Jungen" nicht gäbe. Deswegen sind die Alten aber nicht automatisch besser.

      • Skellington   27. Sep 2013   17:33 Uhr

        "Für mich bedeuten die Beatles eher wenig. Genau genommen kann ich keinen einzigen Song benennen."

        Und das beweist jetzt was…? Dass wir hier eine kompetente Diskussion führen können?

        Mit "Let it be" hast du sogar richtig geraten, aber "Satisfaction" ist, wie wir alle wissen, von Elton John.

      • Pitrell   30. Sep 2013   12:26 Uhr

        Ich dachte bei Satisfaction eher an die Rolling Stones.
        Aber das war nur der Icebreaker. Oder hast du dort schon aufgehört zu lesen :)

      • Skellington   30. Sep 2013   13:25 Uhr

        Die Stones? Bist du ganz sicher?

        Spaß beiseite: Wenn ich dich richtig verstehe:

        1. ist für dich eine der wichtigsten und einflussreichsten Bands der Popgeschichte im Grunde irrelevant, obwohl du nach eigener Aussage nicht einmal ihre Musik richtig kennst;

        2. hältst du Ludovico Einaudi für einen bedeutenden Komponisten, der in deinem persönlichen Universum nicht nur den selben Rang hat wie Bach, Beethoven, Mozart, Wagner etc., sondern der auch noch alles richtig macht, was Generationen von Komponisten vor ihm falsch gemacht haben (=leeres Geplänkel).

        Das ist natürlich stark vereinfacht, damit nicht der delamar-Server unter der Kommentarlast zusammenbricht, aber du präsentierst hier ein paar wirklich starke Thesen.

        Erlich gesagt zweifle ich aufgrund deiner Aussagen ein wenig an deiner Sachkenntnis, und ich frage mich, was ich aus dieser Diskussion an neuen Erkenntnissen mit nach hause nehmen kann. Außer vielleicht dass heutige Musik "einfach geiler" ist.

      • Pitrell   30. Sep 2013   14:14 Uhr

        1. Deswegen reden wir doch hier. In wie fern haben sie Kraftwerk oder KRS One beeinflusst? Etwas aus meinem Universum. Das erschließt sich mir als relativer Jungspund zuerst nicht. Das heißt nicht das es nicht dennoch stattgefunden hat. Also: lass mich an deinem Wissen partizipieren.

        2. Das war jetzt ein kleiner fieser rhetorischer Versuch mich in die Assiecke abzuchieben. Das nehm dir aber nicht krum. Wo Expertewissen auf Emotionen treffen liegen Unterstellungen nah. Das hab ich in einer Familie wo der Vater 2 Dr. Titel zum Thema Richard Wagner hält, auf die harte Tour gelernt.

        Meine Meinung (und nur das ist sie immer): Musik (Kunst) muss gefallen. Ein "was will uns der Musiker damit sagen" sollte nicht viel längere Zeit in Anspruch nehmen als die Zeit die das Stück lang ist. Personenhintergründe sind faszinierend aber im Bezug auf das Werk sollten sie nicht im Vordergrund stehen.

        Nochmal: Musik muss gefallen. Wenn ich sie erklären muss. Wenn ich mich verneigen muss. Wenn ich kein Recht mehr habe zu wählen, weil XY aus dem Jahre Z nun Mal der geproofte Shit ist und danach nix Gutes mehr kam, stinkt der Fisch.

        Ich stelle also niemanden auf "eine Stufe". Genauso wenig wie ich mein eines Kind weniger liebe als das andere.

        Ein Bach Oratorium kann mich tief berühren. Aber das kann ein Stephan Bodzin im Club ebenso. Die gegeneinander ausspielen. Warum?

        PS: Vielleicht korrigierst du bei Gelegenheit mal diesen Wikipediaeintrag: http://is.gd/Dpq2Yr

      • Skellington   30. Sep 2013   16:59 Uhr

        Ich habe keine Lust, mich mit Stones-Fans anzulegen, die alle keine Ahnung haben, deshalb lasse ich den Wiki-Artikel jetzt mal so stehen, auch wenn er nichts als Lügen enthält ;-)

        Zur Sache:

        Die Beeinflussung eines Künstlers duch einen anderen ist nicht zwangsläufig linear oder unmittelbar. Man ist doch auch immer, oft unbewusst, durch die Kultur beeinflusst, in der man aufgewachsen ist.

        Manchmal ist es auch einfach das Wegbereiten, das den Einfluss eines Künstlers ausmacht, auch wenn es keinen so einen erkennbaren stilistischen Einfluss gibt.

        Wiki sagt über Kraftwerk:

        "At their beginning, The band was inspired by the avant-garde compositions of Karlheinz Stockhausen. Hütter has also listed The Beach Boys as a major influence."

        Bitteschön, das sind zwar nicht die Beatles, aber eine andere sehr wichtige Band der 60er. Und die Beach Boys und die Beatles haben sich gegenseitig beeinflusst. Das Bild ist ein bisschen komplexer.

        Es geht mir hier auch gar nicht darum, die Beatles oder sonst irgend einen einzelnen Künstler auf einen Thron zu stellen, sondern darum, dass ich einen völligen Bruch mit jeglicher Tradition (sofern überhaupt möglich) als sehr einschränkend empfinde, vor allem wenn man mit dem vermeintlichen "Füllwerk" auch noch einen Großteil des musikalischen Vokabulars über Bord wirft.

        Ich gebe dir völlig Recht, dass Musik in erster Linie gefallen muss. Aus keinem anderen Grund höre ich Musik. Ich verordne weder mir noch irgend jemand anderem irgend eine Musik, nur weil ich sie für wichtig oder wertvoll halte; ich plädiere einfach nur für eine grundlegende Offenheit und für Respekt vor dem, was andere in der Vergangenheit gemacht haben, auch wenn es aus heutiger Sicht nicht "hip" erscheint.

        Das erfordert allerdings manchmal, und hier bin ich nicht ganz deiner Meinung, ein etwas tieferes Einlassen auf die Musik, etwas Zeit, wiederholtes Hören, bis man zu enem tieferen Verständnis kommt. Da sehe ich in der heutigen Zeit, wie gesagt, bei vielen ein großes Defizit.

        Wenn man Musik als eine Instant-Massenware auffasst, die sofort konsumiert und verstanden werden will, führt das zwangsläufig zu einer gewaltigen Verödung und Entwertung. Genau das ist in den letzten 20 Jahren im Mainstream-Radio passiert.

      • Pitrell   01. Okt 2013   13:55 Uhr

        Cooler Beitrag.
        Thx.

  • Jay   26. Sep 2013   14:48 UhrAntworten

    Skellington:
    "Die ganzen elektronischen Stile der Neuzeit leben nicht von guten Songstrukturen oder irgend einer traditionell-handwerklichen Leistung, sondern von Sound und Produktion"

    Das ist strittig. Hätte Beethoven Ableton o. ä. zur Verfügung gehabt, wären seine Sinfonien sicher anders produziert worden. Ob sie auch anders geklungen hätten, steht 50:50, denn letzendlich kommt es auf die Instrumente an. Damals gab es eben keine anderen als die "klassischen", daher konnte man Töne auch nicht anders reproduzieren. Das, was man schafft bzw. die Idee für einen Sound hängt auch immer von den Möglichkeiten ab, durch die man geprägt wurde und die man sich zu Nutze machen kann in einer bestimmten Epoche. Wer nie auf einem Synthie gespielt hat, wird wohl auch weniger Spontanideen liefern für einen solchen Sound als im anderen Fall. WIE man dann produziert, ist eine ganz andere Sache. Daher kann man weder die heutige Musik noch die damalige hinsichtlich dieser Kriterien auf- oder abwerten.

    • Skellington   26. Sep 2013   15:09 UhrAntworten

      Jay, du hast Recht mit dem, was du sagst, und es ist ein beliebtes Gedankenspiel, was Beethoven oder Mozart mit XYZ gemacht hätte.

      Das ist aber reine Theorie und hat außerdem mit meiner von dir angezweifelten Aussage überhaupt nichts zu tun. In schwerpunktmäßig elektronischer Musik geht es weniger um "Songs", sondern mehr um Klänge, (minimalistische) Muster, Zustände, Stimmungen. Harmonie und Melodie sowie damit einhergehende Spannungsbögen (welche einen "Song" im klassischen Sinne ausmachen) sind, wenn überhaupt, oft nur extrem rudimentär vorhanden.

      Das ist für sich gesehen zunächst einmal keine Wertung, sondern eine analytische Betrachtung. Ich glaube zwar, dass traditionelle Musik sich länger in den Köpfen hält, und zwar weil man sie nachsingen kann und sie damit näher am menschlichen Empfinden ist; es ist aber hinsichtlich aktueller Musik noch ein paar Jahrzehnte zu früh, um das wirklich zu beurteilen.

  • Jay   27. Sep 2013   13:42 UhrAntworten

    Widerspruch:)! Natürlich geht es bei elektronischer (Club)Musik in erster Linie um Klänge und Muster (mal abgesehen davon, dass es x Styles und Untergruppen in der elektronischen Musik gibt - was beim Minimalismus auf das Wesentliche reduziert wird, ist bei Vocal-House oder Uplifting Trance sehr wohl in einer songähnlichen Struktur vorhanden), aber wenn man davon ausgeht, dass die elektronische Musik im engeren Sinne nun schon ca. 25 Jahre existiert und schon heute von "Klassikern" gesprochen wird, kann man durchaus genauso von einer Einprägsamkeit sprechen, wie sie bei anderen Richtungen vorhanden ist.

    • Skellington   27. Sep 2013   17:08 UhrAntworten

      Ich streite die Einprägsamkeit jeglicher Musik nicht ab, worauf immer sie beruht. Und ja, song-*ähnliche* Strukturen sind auch vorhanden. Ein A-Teil und ein B-Teil, die sich irgendwie voneinander unterschieden, und sei es nur durch ein einzelnes Element – das ist schließlich technisch gesehen auch eine Struktur, stimmt's?

      Der Unterschied ist, dass traditionelle Musik in der Regel "portierbar" ist, das heißt, sie kann in anderen Stilen und auf anderen Instrumenten wiedergegeben /interpretiert / gecovert werden. Elektronische Musik (im weitesten Sinne, eingerechnet eben auch House und ähnliches) ist da erheblich mehr aufs Medium fixiert.

      Es dürfte recht schwierig sein, irgendetwas aus dieser groben Richtung sinnvoll auf einer Gitarre zu interpretieren, und zwar weil es rein musikalisch nicht so ergiebig ist und einem schnell das (Noten-) Material ausgeht, aus dem man etwas anderes, interessantes, variieren könnte.

      Ich sage ja auch gar nicht, dass eins von beiden besser oder schlechter ist. Zunächst einmal ist es einfach anders.

      Ja, in der Szene wird gerne von "Klassikern" gesprochen – außerhalb spielen diese aber für kaum für jemanden eine Rolle, es sei denn, ein Titel schafft es mal in den Mainstream, als Mallorca-Sommerhit.

      Da stellt sich eben auch wieder die Frage nach der historischen Relevanz. Ich finde, dass man sich selbst nicht unbedingt einen Gefallen damit tut, sich schwerpunktmäßig auf eine gerade eben 25- oder meinetwegen 40-jährige Tradition (J.M. Jarres "Oxygene" ist immerhin von 1976) zu beziehen und so zu tun, als sei das quasi die gesamte relavante Musikgeschichte.

      Ich unterstelle das nicht dir, aber ich habe einen solchen Eindruck oft bekommen, wenn ich Interviews mit Leuten höre, die irgendwie Elektronik / House / Hiphop produzieren. Das wäre ungefähr so, als würde die Literaturgeschichte mit Harry Potter anfangen und davor hätte es gar nichts gegeben.

      Wobei der Vergleich insofern sehr hinkt, als die erzählerischen Mittel in der Literatur immer noch mehr oder weniger die selben sind - nur das Thema und die Szenerie sind anders. In der Musik, speziell in der elektronischen, haben wir eine extreme Reduzierung der Mittel (im Sinne von "erlaubten" Tönen) gesehen. Das ist keine Ansichtssache, sondern durch einfache Analyse (Thema "Musiktheorie", hier kürzlich auch ausführlich diskutiert) nachweisbar.

      Auch bei Vocal-House, oder was auch immer etwas bunter sein mag, sind die rein musikalischen Parameter noch deutlich weniger komplex als z.B. bei einem ABBA-Song (um hier nicht immer nur die Beatles als Beispiel zu nehmen). Ich wage zu bezweifeln, dass man in diesem recht begrenzten Rahmen noch lange innovativ sein kann. Wir sind allgemein in der "hörbaren" (tonalen) und erst recht der populären Musik sowieso schon an viele Grenzen gestoßen, und wenn man dann vom "Erlaubten" noch mehr wegnimmt, hat man logischerweise auch weniger Möglichkeiten.

      Vielleicht haben wir es hier mit einem grundlegenden Paradigmenwechsel zu tun in dem Sinne, dass es diese revolutionären Neuerungen, wie sie mit mit herausragenden Komponisten / Musikern / Bands in früheren Jahrzehnten und Jahrhunderten immer wieder eingetreten sind, nicht mehr in der Tragweite gibt, und dass heute alles mehr oder weniger nebenher existiert.

      Auf der einen Seite ist das ja eine positive Entwicklung, dass alles friedlich koexistiert und nicht alles links und rechts vom jeweiligen Beatles- oder Elvis-Hype niedergetrampelt und -gekreischt wird; auf der anderen Seite wird aber auch alles, was neu dazukommt, gesamtgesellschaftlich gesehen, immer bedeutungsloser im Vergleich zu früheren Epochen, als es noch einen Mainstream mit den entsprechenden Meilensteinen gab. Die Zeit scheint mir jedenfalls spätestens seit den späten 80ern vorbei zu sein.

      Michael Jackson (von dem ich selbst gar kein Fan bin) war der letzte wirkliche Superstar, der auf einer breiten Basis als solcher empfunden wurde und den wirklich jedes Kind kannte. Heute teilen sich den Kuchen hunderte von Viertel- Achtel- oder X-tel-Göttern.

    • Pitrell   30. Sep 2013   13:47 UhrAntworten

      Ich denk ähnlich, über historischen Relevanz. Was man nur spüren aber nicht "nachsingen" kann gerät schneller in Vergesslichkeit.

      Es gibt dennoch durchaus eine Menge epische Melodieverläufe aus der Trance Ecke die auch niemals in die langfristige Geschichte eingehen werden aber reproduzierbar wären. Das hat was mit der Angrenzung der Genres untereinander zu tun, die es hauptsächlich in 90ern noch gab.

      Geschichtliche Relevanz hat ebenso etwas mit Angebot und Nachfrage zu tun. Es hat sich einfach sehr viel getan in den letzten Jahren. Viel mehr Musik - platt ausgedrückt. Wovon es gestern nur ein was gab, heute gibt es 10 mal mehr davon. Ich kann dir aber auf der Rockeben leider nichts nennen weil ich mich nicht in diesem Gebiet auskenne. Aber zum Beispiel hat heute fast jeder Berliner Hinterhofrapper einen tighteren Flow als Kurtis Blow. Wird er deswegen berühmt?

      Mehr als in der Geschichte unterzugehen können die meisten Künstler heute kaum erwarten. Zumindest wenn man nach dem klassischem Hypemuster geht. Und ob der noch so weiter reproduzierbar bleibt in diesen Zeiten ist zu bezweifeln. Das Jungvolk sucht sich seine eigenen Helden per YouTube.

      Anders sieht es da in der Malerei aus. Diese Szene ist im Vergleich überschaubar. Aber auch hier: Nur weil ein Picasso der Shit schlecht hin ist, bedeutet es nicht, dass er auch nur eine gerade Linie malen konnte. Qualität ist Qualität ob gehypt oder nur im Underground. Und es ging ja um die Frage, „gibt es heute sowas noch“.

      Heute machen sich musikalisch Innovationen weniger an einer Person fest, als an Stilistiken und elektronische Musik ist da nach wie vor Taktgeber und hat erstaunliches zu Tage gefördert. Angefangen von Vangelis zu Kraftwerk zu Acid House zu Drum N Bass zu DubStep (merkst du, am Ende zähle ich nur noch Stile auf). Unerhörte Klänge die jeweils wenige Jahre zuvor keiner vorausgeahnt hat. Ich glaube total an die Innovationskraft des Menschen. Weil ich sie Jahr für Jahr erlebe.

      Innovation muss sich für mich nicht an einer Person festmachen. Es bedarf keines Michael Jackson (wo war der noch mal ein großer Innovator, musikalisch?).

      Das elektronische Musik inzwischen sämtliche musikalische Genres durchdrungen oder zumindest tangiert hat, das ist bemerkenswert und geschichtlich relevant. Auch wenn die vielen Bienen die an dieser Geschichte mitgesammelt haben kaum langfristig mit Namen genannt werden.

      Ein Hype bedeutet für mich keine Innovation. Wo war ein Elvis innovativ? Mal vom Hüftschwung abgesehen. Ich kenne alle Alben und er war die Madonna unter den Superstars. Alle paar Jahre gab es, seitens seiner Produzenten, eine Anpassung an das was grad geht, zuletzt war das dann Disco. Ich bin aber kein Elvis Experte.

      Ich bin auch kein Beatles Experte. Der eine Typ wurde erschossen und irgendwie konnten sie am Anfang nur 3 Griffe. Und dann noch Let it be. Das weiß ich. Was haben sie geleistet (das meine ich nicht polemisch)?

      Warum kehre ich mein mangelndes Wissen hier so raus. Nur um rumzuprollen oder Leute zu kränken ist mir die Zeit zu schade. Ich will damit sagen: Vielleicht werden sich unsere Kinder an einen Justin Bieber in beinah der gleichen Art erinnern, wenn er durchhält – wie ich an Kalbrenner und wie du an die Beatles. Wie man Hype und Relevanz bewertet hat erheblich etwas mit persönlichem Erleben zu tun. Und wir tun gut daran zu keinem Jahrzehnt eine Art Arroganz aufzubauen, sondern nach den Perlen zu suchen.

  • Skellington   01. Okt 2013   16:17 UhrAntworten

    Pitrell, es scheint, als wären wir uns hier in wichtigen Punkten ziemlich einig. Wer hätte das gedacht!

    Du hast sehr recht mit dem, was du sagst. Ich bin nicht in der Lage, dir die Innovationsleistung von Elvis zu erklären, weil ich mich mit der Epoche nicht genug auskenne. Ich nehme allerdings an, dass Elvis einer der Wegbereiter des Rock 'n Roll gewesen ist (was nach der Swing-Ära damals DIE eine große Innovation war).

    Bei den Beatles ist es definitiv so gewesen, dass sie musikalisch eine Menge Neuland betreten haben. Schon damals war die Musik nicht komplett von der Technologie zu trennen (erste Mehrspur-Aufnahmen! 4 Spuren! Wahnsinn!), aber es war schon noch überwiegend handwerklich orientiert (Songwriting, ak. Instrumente, Gesang). Ich kann das hier in der Kürze nicht erklären, aber der Wiki-Artikel ist ein guter Startpunkt, falls es dich interessiert. Und ansonsten: Hör dir die Musik an, und schau auch mal nach, was es vorher so gegeben hat. Das war eigentlich fast nur Rock 'n Roll und Blues.

    Bei Michael Jackson geht es m.E. nicht so sehr um die Musik an sich, sondern um das Gesamtprodukt: Sound, Produktion, Choreografie, Video, Live-Show, Style, plastische Chirurgie. MJ war, obwohl er eine interessante Stimme hatte, nicht der größte Sänger, und auch die Songs sind verglichen mit dem, was viele andere vor ihm geleistet haben, eher durchschnittlich.

    In der Summe gab es in dem Fall immer noch genug Innovation, um den Hype zu erklären, aber man sieht an diesem Beispiel schon, dass der Popmusik langsam die Luft ausging. Die Industrie hält das Genre als "Hauptader" am Leben (elektronische Musik ist dafür aufgrund des überwiegend instrumentalen Charakters nicht geeignet), aber es wird im Grunde immer die selbe Soße neu aufgekocht.

    Es ist einfach so, wie es ist und man muss es nicht betrauern, aber ich sehe wie gesagt einen Paradigmenwechsel hin zu einer pluralistischen, "parallelen" Musikszene. Jeder kann hören, was er will und ist nicht automatisch uncool, nur weil er nicht das neueste Album von xy kauft oder Musik hört, die schon über 30 Jahre "alt" ist (Kraftwerk!). Außerdem ist aufgrund der digitalen Archivierung alles viel leichter such- und abrufbar (auch Musik, die schon viele Jahre auf dem Buckel hat und neu entdeckt werden will), und aufgrund des Internets bekommt man viel mehr Anregungen und Querverweise. Wir bewegen uns weg von einer linearen Betrachtungsweise.

    Im Grunde hat diese neue Situation eine Menge positive Aspekte. Es ist halt einfach anders, als es früher war, wo es viel mehr Monopole gab – Marketing, Vertrieb, stilistischer Mainstream, Massengeschmack. Was schwieriger geworden ist, ist sich an irgend etwas zu orientieren und festzuhalten. Ich habe nicht den Eindruck, dass es heute noch so etwas gibt wie einen Sound, der eine ganze Generation definiert. In den 50ern / 60ern / 70ern gab es das noch (wobei da schon ein deutlicher Split zwischen Rock und Disco stattgefunden hat).

    So eine Definition über die gemeinsame Anbetung eines Idols hat natürlich auch etwas einnehmendes, gleichmachendes, und in jeglichem Hype (zB Elvis) geht das Individuum ziemlich unter. Da sehe ich einen weiteren positiven Aspekt der neueren Entwicklung, eine größere Möglichkeit der Individualität. Inwiefern das heutige durchschnittliche menschliche Bewusstsein in der Lage ist, mit dieser neuen Freiheit umzugehen, sich viel mehr selbst zu orientieren und zu definieren bzw. wie sehr die Masse nach einem gemeinsamen Marschbefehl verlangt, ist eine andere Frage.

    Übrigens sehe ich diese allgemeine Entwicklung weg von singulären Ikonen auch in anderen Bereichen. In der Malerei (wurde hier auch erwähnt) wurde bis ins absurdeste so ziemlich alles ausgeschöpft; einen Michelangelo, Van Gogh oder Picasso wird es in der Bedeutung nicht mehr geben. Auch kann man Kleidung (Mode) nicht mehr wirklich neu erfinden. Da dreht man sich bei den Modenschauen ziemlich im Kreis oder versucht, Abflussrohre und Alufolie als "Kleidung" zu verkaufen. Auch in der Alltagsmode ist so ziemlich alles erlaubt, während man in den 50ern quasi auf dem Schulhof verprügelt wurde, wenn man nicht die richtige Frisur hatte).

    Im Grunde könnte man die allgemeine Situation als eine nie dagewesene kulturelle Krise betrachten, zumindest wenn man glaubt, dass kontinuierliche bahnbrechende Innovation wichtig für die menschliche Existenz ist. Natürlich gibt es hier und da noch Entwicklungen, eben zB in der elektronischen Musik. Dubstep ist irgendwie neu, nimmt aber auch nicht die gesamte Welt ein, so wie das in früheren Jahrzehnten zumindest oft den Anschein hatte.

    Justin Bieber – glaube ich nicht, dass der sich langfristig so etablieren kann. Eine gewisse Gruppe wird damit eines Tages mal romantische Jugenderinnerungen verbinden, so leer die Musik an sich auch ist. Aber es gibt mindestens genau so viele, die den total scheiße finden und ihren eigenen Soundtrack zu der entsprechenden Dekade haben.

    Mir geht es hier überhaupt nicht darum, irgend eine Musik als "besser" darzustellen, aber ich empfinde es schon so, dass sich die Musik vergangener Jahrzehnte / Jahrhunderte einen Platz erobert hat (auch wenn es teilweise einfach gewissen Monopolen zu verdanken war – egal warum), die ihr nichts streitig machen kann. Obwohl, wie du hier richtig bemerkt hast, immer schneller immer mehr hinzukommt.

    Ich sage das nicht, weil ich ein Beatles- oder sonstwas-Fan wäre (bin ich gar nicht; ich sehe nur die historische Relevanz), sondern einfach eine Beobachtung. Es wird auch, um mal in Deutschland zu bleiben, keinen Udo Jürgens oder James Last mehr geben. Auch da bin ich kein Fan, aber die beiden haben für den deutschen Durchschnittsgeschmack einen Großteil der 70er definiert. Frag mal die heute 60- bis 70-jährigen.

  • Jay   02. Okt 2013   11:54 UhrAntworten

    Wir werden erst in vielleicht 50 Jahren Genaueres wissen, was das "Etabliertsein" von Musik angeht. Ich bin sicher, dann werden mehr Styles als "klassisch" definiert werden als es heute der Fall ist. Es macht keinen Sinn, darüber jetzt Prognosen oder Analysen anzustellen, zumal Musik in erster Linie wegen Emotionen gehört wird, die gesellschaftlichen und natürlich auch psychischen Einflüssen unterliegen. Ich lehne es ab, Musik bestimmten Menschentypen zuordnen zu wollen oder sonstwie irgendwelche Wertungen vorzunehmen. Jeder soll das hören, was ihm gefällt - denn dafür ist Musik gemacht.

  • Frank S.   08. Okt 2014   23:24 UhrAntworten

    Ja, es geht aber doch grundsätzlich darum wie wir Musik hören und wahrnehmen. Hören wir überhaupt noch richtig zu und bilden uns oder spielen Dinge wie Ästhetik,Visualisierung Ego und Mythentum die eigentliche Musik aus? Ich habe hier überfliegend einige gute Ansätze gelesen. Historisch gesehen, ist die Musik heute eher in eine komplexe Struktur unseres Gemeinwesens eingebunden. Die "Einmaligkeit" geht verloren und "Unikate" sind zusätzlich den marktwirtschaftlichen Logiken unterworfen. Persönlich wichtig finde ich die jeweilige Funktion von Musik, welche heute vielschichtig ist.Alles ist drin, nur genau zuhören.

  • Jay   09. Okt 2014   17:38 UhrAntworten

    Es ist immer ein Problem, dann klassifizieren zu wollen, wenn es um Gefühle geht. Jeden spricht irgendetwas anderes an. Man kann natürlich darüber spekulieren, warum das so ist. Aber es ist wie mit anderen emotional behafteten Themen auch, vgl. Film, Kunst, Bücher, Sexualität, Menschen allgemein usw. Der Wille, (eine bestimmte) Musik zu hören, entspringt aus meiner Sicht einem individuellen Antrieb, dessen Basis bei jedem Menschen anders beschaffen ist und natürlich - um back to topic zu kommen - durch die Eltern (o. a.) beeinflusst werden KANN, aber eben nicht MUSS. Das Phänomen, eine bestimmte Art Musik aufgrund z. B. eines äußeren (Gruppen-)Zwanges hören zu wollen, existiert sicher auch, ist aber sekundär. Menschen hören Musik in erster Linie, weil sie Emotionen unterschiedlichster Art weckt und nicht, weil die Gesellschaft es erfordert. Wäre das so, hätte Musik sich über die Jahrhunderte nicht so vielfältig entwickeln können (den "technischen" Aspekt mal aussen vor gelassen). Aus diesem Grund ist es auch z. B. völlig unsinnig, wenn Politiker fordern, der Anteil sog. "deutscher Musik" müsse bei Radiosendern erhöht werden. Solch blühender Blödsinn entspringt mehr dem allgemein um sich greifenden Regulierungswahn als echter, geistig fundierter Auseinandersetzung mit dem Thema "Musik". Ich stimme dir aber in dem letzten Punkt zu: Wenn sich Musiker aufgrund wirtschaftlichen Druckes ("Verkaufszwang" etc.) ihrer eigenen musikalischen Individualität zunehmend beraubt sehen, dann bewirkt das langfristig eine Uniformierung der Musik, die den individuellen Charakter von Musik zunichte macht oder zumindest sehr negativ beeinflusst.

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